Nach Protesten: Dieses „George Floyd“-Videospiel sorgt für Aufregung

Fabia SoellnerFabia Soellner | 26.11.2021, 22:00 Uhr
Nach BLM-Protesten: Dieses „George Floyd“-Videospiel sorgt für Aufregung
Nach BLM-Protesten: Dieses „George Floyd“-Videospiel sorgt für Aufregung

IMAGO / ZUMA Wire

Der kaltblütige Mord an George Floyd hatte im Jahr 2020 weltweite mediale Aufmerksamkeit erlangt und dazu geführt, dass über die Diskriminierung gegenüber der schwarzen Bevölkerung aufgeklärt wurde. Nun soll ein Videospiel zu diesem schrecklichen Mord auf den Markt kommen – entwickelt vom iranischen Paramilitär?

Für alle, die noch nicht vom Hocker gefallen sind: Ja, es wird tatsächlich bald ein „George Floyd“ -Videospiel geben. Entwickelt wird es in Rahmen eines Wettbewerbs vom iranischen Paramilitär, den „Basij Software Programmers“ und soll vermutlich primär dazu dienen, den Finger gegenüber der amerikanischen Regierung zu heben.

Profit aus einem medienpubliken Mord an einem Unschuldigen zu schlagen? Und gleichzeitig ein gesamtes Land übel darstellen? Eine heiße Angelegenheit, die uns da bevorsteht.

Die BLM-Bewegung: Was ist eigentlich passiert?

Ein kleiner Rückblick ins Jahr 2020 – Anfang des Sommers wurde George Floyd vom Police Officer Derek Chauvin in Minneapolis, Minnesota kaltblütig auf offener Straße ermordet. Das Video, wie der Police Officer sein Knie nicht von George Floyds Nacken herunternehmen wollte, ging innerhalb weniger Stunden viral und sorgte für einen weltweiten Aufschrei.

Eine der Folgen waren internationale Proteste und Demonstrationen, die dazu führten, dass der Police Officer -eine Haftstrafe antreten musste.

Wie bitte? Ein Videospiel zu George Floyd?

Allein die Tatsache, dass ein solches Spiel entwickelt wird, ist schon schockierend genug. Doch tatsächlich stecken da nicht irgendwelche Jugendlichen hinter, die den Schuss nicht gehört haben, sondern eine politische Organisation im Iran.

Der Commander Mohammad Reza Naghdi hat dieses unerhörte Spiel in Auftrag gegeben und äußerte sich folgendermaßen dazu: „Die erste Hürde dieses Wettbewerbs ist es, ein Spiel für Apps und Computer mit dem Titel ‘Rescuing George Floyd’ zu entwickeln. Diesen schwarzen Bürger vor den amerikanischen Cops zu schützen, soll das Ziel des Spiels sein.“

Marketing-Strategie oder Gehirnwäsche?

Über das „Wieso?“ kann man sicherlich lange rätseln, eine genaue Antwort wird man nicht bekommen. Der Commander der iranischen Organisation begründet die Entscheidung, das Spiel zu entwickeln, jedoch so: „Heutzutage ist der einzige Ort, an dem Amerika seine Niederlagen in Siege umwandeln kann, das Internet.“

Es scheint, als würde er darauf anspielen, dass die vermeintlichen Veränderungen und Versuche, nun anders mit der schwarzen Bevölkerung umzugehen, in den USA als Erfolg gewertet werden würde. Er sehe den Erfolg jedoch nicht, und laut ihm würde auch die amerikanische Bevölkerung nicht mehr hinter ihrem Land stehen: „Die Leute in den USA schreien ‘Tod dem Amerika’ und verbrennen die amerikanische Flagge. Die amerikanischen Systeme sind gescheitert. Die Bevölkerung wird immer mehr polarisiert.“

Ist diese Entwicklung des Spiels also nur der erhobener Finger gegen einen langjährigen Feind? Oder es ist der Versuch, weiter Unruhen im Land zu schüren? Genau wird man es wohl nie wissen.

Das sind die Reaktionen im Netz

Die Reaktionen im Netz sind wie zu erwarten sehr einstimmig – keiner scheint dieses obszöner Spiel gutzuheißen, wie schnell auf Twitter deutlich wird. „Das ist doch ein Witz, kann das einer für mich bestätigen?“, schrieb ein User. „Was zur Hölle. Warum lassen sie diesen Mord wie ein Spiel aussehen und als könnte man damit Geld verdienen. Ekelhaft“, tweetete ein anderer.

Nach „Save the Freedom“: Weitere Apps sind in Planung

Tatsächlich plant der Commander noch weitere Spiele, die entwickelt werden sollen. Und nein, die Ideen scheinen nicht unbedingt besser zu sein. Unter anderem soll ein religiöser Krieg aus der Zeit vor Christus in ein Spiel umgewandelt werden, in dem der Commander selbst auftreten will. Und eine Gebetsapp soll entwickelt werden, die für jede Situation das passende Gebet bereithält.

Wahrscheinlich werden noch weitere Apps folgen, denn die Regierung hat aktuell den iranischen Bürgern den Zugriff auf viele amerikanische Videospiele verboten. Ein eigener Markt muss nun herbei, den der Commander mit den drei Spielen zu füllen versucht.