Neues Buch von Pulitzer-Preisträger Richard Powers

dpadpa | 13.11.2021, 16:25 Uhr
Richard Powers, Schriftsteller aus den USA, und sein Buch «Bewilderment».
Richard Powers, Schriftsteller aus den USA, und sein Buch «Bewilderment».

David Parry/PA Wire/dpa

Mit dem auch von Ex-Präsident Obama gelobten „Die Wurzeln des Lebens“ gewann der Amerikaner Richard Powers den Pulitzer-Preis. Mit „Erstaunen“ legt er nach.

Ein Freund habe ihm den Roman „Die Wurzeln des Lebens“ von Richard Powers gegeben, erzählte der frühere US-Präsident Barack Obama vor kurzem in einem Podcast.

„Ich habe angefangen, es zu lesen, und es hat verändert, wie ich über die Erde und unseren Platz darauf denke. Man wird nach diesem Buch nie wieder auf dieselbe Art und Weise durch einen Wald laufen, wirklich nicht. Es hat verändert, wie ich die Dinge sehe, und das macht für mich immer ein lesenswertes Buch aus.“

Nicht nur Obama war ein Fan von „Die Wurzeln des Lebens“ – das Buch gewann 2019 den renommierten Pulitzer-Preis. Mit „Erstaunen“ (Originaltitel: „Bewilderment“) legt Powers nach. Auch dieses Buch handelt von der Natur und von der – meist gestörten – Beziehung der Menschen zu ihr.

Nach den „Wurzeln des Lebens“ habe er eigentlich aufhören wollen, sagte der 64-jährige US-Schriftsteller der „New York Times“. „Ich habe gedacht, vielleicht war es das, vielleicht habe ich mir das Recht verdient, die Wörter einfach zu genießen. Warum gibt es diese Idee, dass Künstler immer weitermachen müssen? Aber das Problem war, dass ich ein Buch geschrieben hatte, das eine sehr schwere Frage stellt: Warum haben wir uns so verirrt und wie können wir auf den richtigen Weg zurückfinden? Ich dachte, jetzt da ich diese Frage gestellt habe, warum schreibe ich keine Geschichte darüber, wie diese Veränderung aussehen könnte?“

Der neue Roman, der immer wieder die Grenze zur Science Fiction überschreitet, handelt von einem Astrologieprofessor, der seinen autistischen Sohn nach dem Tod seiner Frau alleine großziehen muss. Weil er ihm keine Medikamente geben möchte, lässt er ihn an einem Experiment teilnehmen, bei dem sein Gehirn mit Verhaltensweisen seiner Mutter trainiert wird. Das scheint erst alles besser zu machen – bis es eine dramatische Wendung gibt. Darum herum werden aktuelle Geschehnisse rund um etwa den früheren US-Präsidenten Donald Trump und die Klima-Aktivistin Greta Thunberg angedeutet.

Die ersten Kritiker zeigten sich sehr gespalten. „Erstaunen“ sei im Ton „trauriger Ehrfurcht“ geschrieben und die „vielen bemerkenswerten Szenen mit hoher literarischer Intelligenz kontrolliert“, urteilte der britische „Guardian“. Die „Los Angeles Times“ fand das Buch „dunkel und eng“, Powers zeige so gut wie keine Hoffnung für die Klimakrise.

Die „New York Times“ sieht „Erstaunen“ als einen rund 300 Seiten langen erhobenen Zeigefinger, der so stark moralisch wertet, dass er einen dadurch schon wieder abschreckt. „Es gibt keine Frechheit, keinen Witz, kein Feuer“, beklagte die Zeitung. „Es gibt Bücher, die will man seinem besten Freund geben. Dieses hier ist eins, das man seiner weitläufig verwandten Tante geben sollte, für ihre Lesegruppe.“