Wagners „Ring“ zurück in Berlin: Ovationen in Deutscher Oper

dpadpa | 15.11.2021, 00:33 Uhr
Gidon Saks (r) als Hagen und Jürgen Linn als Alberich stehen während einer Probe zur Wagner-Oper "Götterdämmerung" auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin.
Gidon Saks (r) als Hagen und Jürgen Linn als Alberich stehen während einer Probe zur Wagner-Oper "Götterdämmerung" auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin.

Nina Hansch/dpa

Das Publikum in Berlin hat am Sonntagabend den Abschluss von Wagners „Ring des Nibelungen“ mit einer gelungenen „Götterdämmerung“ gefeiert. Die neue Inszenierung sorgt für Beifallsstürme.

Mit dem Abschluss der ersten zyklischen Aufführung aller vier Opern hat Berlin eine neue Inszenierung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“.

Fast vier Jahrzehnte nach der legendären Version des damaligen Intendanten Götz Friedrich (1930-2000) hat der norwegische Opernregisseur Stefan Herheim mit Generalmusikdirektor Sir Donald Runnicles das mit insgesamt rund 16 Stunden Spielzeit aufwendigste Werk des Musiktheaters an der Deutschen Oper realisiert.

Das Publikum feierte am Sonntagabend den Abschluss der Tetralogie mit einer gelungenen „Götterdämmerung“. An den Vorabenden hatten internationale Spitzensolisten und das Orchester bereits mit „Rheingold“, der „Walküre“ sowie „Siegfried“ für Beifallsstürme gesorgt.

Zwischen Woglindes „Weia! Waga! Woge, du Welle“ zu Beginn des „Rheingold“ bis zu Hagens „Zurück vom Ring!“ am Ende der „Götterdämmerung“ entwickeln die als Götter, Riesen und Alben auftretenden Figuren ein sehr menschliches Kaleidoskop aus Inzucht und Mord, Vergewaltigung oder Vertragsbruch, Verrat und Rache. Der Untergang ist prophezeit, jedes Ringen um Macht, Lust oder gar ein paar Takte Liebe muss absehbar scheitern.

Herheim verknüpft Wagners komplizierte Erzählstränge immer wieder mit sehr aktuellen Themen und Bezügen. Sein „Ring„ beginnt auf leerer Bühne, ein paar Flüchtlinge werden von Göttervater Wotan angeführt. Die Menschengruppe wird immer wieder den Bezug zu einer Realität jenseits der Bühne herstellen, dem selbstverliebten Wotan oder dem kindischen Helden Siegfried applaudieren, Brünnhilde für ihren Mut feiern.

Der Flügel ist Bühne auf der Bühne

Die Koffer der Migranten zwischen dem Blick zurück und einer unbekannten Zukunft dienen Herheim für ein abwechslungsreiches Bühnenbild aus Landschaften, Festungen oder türmen sich zu Bildern der Judenverfolgung im Werk des Antisemiten Wagner (1813-1893). Über alle Opern hinweg zentral bleibt ein Flügel, das Instrument auf dem Wagner sein Kunstwerk über mehrerer Jahrzehnte hinweg erschuf.

Der Flügel ist Bühne auf der Bühne, verschlingt Protagonisten, ist Bett oder Felsen für viel Sex im Stoff, lässt Auftritte und Abgänge zu. Immer wieder scheinen die Figuren der Opern an den Tasten Wagners musikalische Themen zu intonieren und damit die Handlung voranzutreiben.

Herheim spielt mit Bildern, Analogien, optischen Zitaten. Dafür setzt sein Team Licht und Bühneneffekte immer wieder zu traumschönen Szenerien zusammen. Das alles verschlingende Flut- und Flammenfiasko am Ende der „Götterdämmerung“ wird nur den Flügel zurücklassen im bis zu den Brandwänden entleerten Bühnenhaus.

Das Publikum feierte durchgehend Orchester, Dirigent und die Besetzungen der rund 50 Solo-Partien in den vier Opern. Am Abschlussabend gab es besondere Ovationen etwa für Nina Stemme (Brünnhilde), Clay Hilley (Siegfried) und Albert Pesendorfer (Hagen). Das Fest der Fantasie von Regisseur Herheim und seinem Team sorgte dagegen für ein hartes Ringen von „Bravo“- und „Buh“-Rufen.