„Metaverse“: Was ist das eigentlich und ist es wirklich die Zukunft?

Sebastian GrünbergerSebastian Grünberger | 16.11.2021, 20:41 Uhr

IMAGO / Italy Photo Press

Seit einiger Zeit liest man immer wieder vom Begriff „Metaverse“ — nicht zuletzt, seit Facebook-Chef Mark Zuckerberg bekannt gab, Facebooks Mutterkonzern hieße künftig Meta. Aber was ist das Metaverse eigentlich?

Das Metaverse ist die Zukunft. Das was bitte? Na, das Metaverse. Was das genau ist, ist diskutabel — und kann von verschiedenen Seiten ganz anders interpretiert werden. Werfen wir zunächst einmal einen Blick auf das, was Facebook-Chef Mark Zuckerberg (37) darunter versteht.

So soll die Zukunft aussehen

Für Zuckerberg ist das Metaverse eine Zukunftsvision von der Verschmelzung von Virtual Reality, Augmented Reality sowie dem Internet und dem „echten“, physikalischen Leben, so wie wir es kennen. Der umstrittene Facebook-Chef hat keinen Zweifel daran: In Zukunft werden die Menschen nicht mehr nur an Bildschirmen, sondern im virtuellen und im augmented (also eine Mischform aus virtuellem und reellem) Raum arbeiten.

Mit der AR-Brille (da stehen wir definitiv noch ganz am Anfang) wird der Monitor, der Film oder was auch immer einfach in der gewünschten Größe ins Wohnzimmer projiziert. Ein physikalisches Objekt (den Monitor, die Leinwand, den Fernseher) brauchen wir dafür nicht mehr. Wir können im virtuellen oder virtuell angereicherten Raum alles machen — egal ob in der Arbeit oder in der Freizeit.

Verschmelzung von Internet und „real life“

Kurz um: Das Metaverse ist für Zuckerberg die Verschmelzung des realen und des virtuellen Lebens. Für viele ist dies mehr Dystopie als Zukunftsvision — vor allem, wenn der Name Facebook beziehungsweise Meta ins Spiel gebracht wird. Dass Zuckerberg es ernst meint, bestätigen Milliardeninvestments von Meta in VR- und AR-Technik — einem Bereich, der derzeit noch nicht wirklich massentauglich ist.

Metaverse als Zukunft des Internets

Auch wenn sich Facebooks Mutterkonzern Meta den Namen nicht ohne Hintergedanken ausgesucht hat: Ein funktionierendes Metaverse muss aus mehr als nur einer Facebook-Welt bestehen. Hier kommt die große Frage ins Spiel: Werden konkurrierende Konzerne gemeinsam an einem Ökosystem arbeiten — oder wird jeder getrennt von einander das Thema Metaverse anpacken? Möglich ist beides — also ein großes Meta-Verse oder mehrere Universen, sozusagen ein Multi-Metaversum! Geht man ein paar Schritte weg von Zuckerbergs Visionen, könnte man auch sagen, dass das Metaverse einfach die Zukunft dessen ist, wie wir uns im digitalen Raum bewegen. Das beeinhaltet wie wir einkaufen, wie wir Musik hören, wie wir unser digitales Leben darstellen und teilen, wie wir Medien konsumieren — auch unsere sportliche Aktivität und unsere Gesundheit fällt in diesen Bereich.

„Leben, Freiheit, Eigentum“

Der bekannte russisch-amerikanische Finanz-YouTuber  Andrei Jikh (32) widmete dem Thema Metaverse vor kurzem ein sehenswertes Video. „Everyone is wrong about the Metaverse“ (auf Deutsch: Jeder liegt falsch beim Metaverse) lautet der Titel des Videos, in dem darüber philosophiert, dass das Metaverse ein Platz sei, an dem die Selbstbestimmtheit von „Life, Liberty and Property“ (also von Leben, Freiheit und Eigentum) im digitalen Raum erfüllt werde — mehr, als es im realen, physikalischen Leben passieren könnte. „Das Metaverse ist einfach das neueste Interface eines Zeitraums, wo man diese drei Säulen (life, liberty, property) erleben kann“, erklärt er.

Im Metaverse bestimmt man also selbst über Identität (und erschafft eine digitale Version seiner selbst, wie man das jetzt bereits auf Facebook und Instagram tut). Man kuratiert quasi sein eigenes Leben. Und weil Besitz mittlerweile auch digital passiert, spielen auch Kryptowährungen und NFTs (Non-fungible Tokens — nicht übertragbare, kaufbare digitale Objekte wie beispielsweise digitale Kunstwerke) eine Rolle. Bezahlt wird mit Bitcoin, Ether oder einer anderen Kryptowährung, die es vielleicht noch nicht einmal gibt.

Zusammenfassung

Man könnte sagen, das Metaverse ist eine weit angelegte Zukunftsvision. Sieht sie so aus, wie es sich Zuckerberg erträumt, ist noch viel in puncto Interfaces zu tun: Denn so toll Metas VR-Headset Oculus Quest auch ist, so klobig und unbequem ist es immer noch. Möglicherweise stehen wir mit VR und AR dort, wo wir mit PCs Anfang der 1990er-Jahre standen. Demnach wird es noch Jahre oder vielleicht Jahrzehnte dauern, bis diese Art von Metaverse Realität wird. Oder man geht davon aus, dass wir uns längst im Metaverse befinden — und es, Schritt für Schritt gemeinsam entwickeln und erleben. So oder so: Die Zukunft wird spannend!