Wladimir Klitschko wird 46: Sein traurigster Geburtstag

Leni HübnerLeni Hübner | 25.03.2022, 12:42 Uhr
Wladimir Klitschko Geburtstag
Wladimir Klitschko Geburtstag

IMAGO / Ukrinform

Noch immer herrscht Krieg in der Ukraine und Wladimir Klitschko kämpft tapfer an vorderster Front. Seinen 46. Geburtstag wird er nie vergessen, auch weil die Kämpfe ihn verändert haben.

Seit Wladimir Putin (69) den brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, zählt Wladimir Klitschko mit seinem Bruder Vitali (50), dem Bürgermeister von Kiew, zu den prominenten Gesichtern des Widerstands. Dabei ist Wladimir Klitschko ein wichtiger Motivator, ein Mitkämpfer und ein Mensch, der eine Stimme hat – in seiner Heimat und vor allem auch im Westen.

Der Kampf seine Lebens

„Beim Kampf deines Lebens stehen wir dir zur Seite“, schreibt Schauspielerin Veronica Ferres (56) heute zu seinem 46. Geburtstag und spricht damit vielen aus der Seele. Aber es müsste noch so viel mehr passieren, damit Wladimir Klitschko an seinem heutigen Geburtstag wirklich Freude empfinden könnte. Statt Glückwünsche und Zuspruch für seinen Einsatz, den er auf seiner Instagram-Seite erhält, wünscht er sich ganz klare Dinge für die Zukunft.

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In seinem neuesten Post bittet Klitschko darum, der Ukraine weiterhin Essen, Medizin und Waffen zu senden. Und vor allen Dingen wünscht er sich, dass niemand mehr Geschäfte mit Russland macht. Eine Forderung, die sich auch an unsere Bundesregierung richtet. „Wenn wir verlieren, werdet ihr die nächsten sein“, meint Klitschko deutlich und mit dieser Einschätzung steht der Ex-Box-Weltmeister nicht allein.




„Putin ist ein Gangster“

Auch Michail Chodorkowski (58), der als einer der reichsten Oligarchen Russlands galt, doch mittlerweile als Staatsfeind im britischen Exil lebt, äußert in Markus Lanz Talkrunde: „Putin ist kein normaler Staatsmann, Putin ist ein Gangster.“ Und das Einzige, was er verstehe, sei Stärke. Mit Putin könne man nicht verhandeln. „Wenn er jetzt die Ukraine einnimmt, dann ist sein nächster Schritt unausweichlich das Baltikum oder Polen“, meint Chodorkowski.

Nach einem Monat Krieg wirkt Wladimir Klitschko äußerlich vielleicht müde, aber seine innere Stärke nimmt nicht ab: „Diese illegale und kriminelle Aggression hat die Welt schockiert, aber wir bleiben standhaft. Wir wissen, wofür wir kämpfen. Wir möchten nicht als Sklaven leben in einer Tyrannei eines verrückten Mannes. Wir wehren uns, aber wir leiden. Ein normales Leben gibt es nicht mehr. Viele sind gestorben.“

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Kein Schlachtfeld, ein Tatort

Der Krieg ist und bleibt brutal, er richtet sich gegen die Zivilbevölkerung. Die Mächtigen Russlands sollten sich für die Missachtung aller Rechte – ob Menschenrechte, Kriegsrechte oder Völkerrechte – in Den Haag vor dem internationalen Strafgericht verantworten. Stattdessen gehen die Kämpfe weiter: „Die Ukraine ist kein Schlachtfeld, es ist ein Tatort“, sagt Klitschko. Es gibt Berichte über den Einsatz von Streubomben und Phosphorbomben. „Jeder Tag, der vorübergeht, ist härter als der zuvor. Uns fehlt es an allem.“

Auch heute wird es Bomben statt Blumen regnen: Dieser Geburtstag wird unvergesslich. „Die Spuren dieses Krieges haben sich ins Gesicht eingegraben“, äußert sich Markus Lanz über die Brüder Klitschko in seiner aktuellen Sendung und Vitalis Gattin Natalia Klitschko, die zu Gast ist, stimmt ihm zu: „Man sieht ihnen das Leid, die Trauer, die Wut auch manchmal an, weil dieser Krieg so ungerecht ist.“




Wladimir Klitschkos schönstes Geschenk

Das schönste Geschenk wäre für Wladimir Klitschko, in Frieden leben zu dürfen, frei von der Unterdrückung Russlands. Seit 20 Jahren kämpft seine Heimat dafür, sich aus den Fängen des übermächtigen Nachbarn zu befreien, doch schon die Besetzung der Krim 2014 hat gezeigt, dass Russland keinen friedlichen Weg akzeptieren wird. Und die Brüder Klitschko sind bereit, bis zum Äußersten zu gehen, um sich gegen den Aggressor zu stellen.

„Jeden Tag bete ich, dass du und Vitali und euer großartiges Volk diesen Kampf ganz schnell gewinnen werdet“, schreibt Veronica Ferres in ihrem Geburtstags-Post und lässt als gute Freundin Wladimir und die Ukraine hochleben. Weitere Gratulanten werden folgen. Doch dieser Tag wird kein guter Tag: Wladimir Klitschko ist auch heute bereit, sein Leben zu opfern, das ihm vor 46 Jahren in Semipalatinsk, einer Großstadt im Osten Kasachstans, geschenkt wurde.

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Zukunft bleibt ungewiss

Seinen diesjährigen Ehrentag wird er in Kiew verbringen, zwischen Gefechtstationen und humanitären Einsätzen, zwischen Menschen, die Angst haben, und Menschen, die an seiner Seite für den Frieden kämpfen. Hoffen wir, dass Wladimir Klitschko seinen nächsten Geburtstag noch erleben darf und den gemeinsam mit seiner kleinen Tochter Kaya (7) und seinen Liebsten feiern wird. Das sollte so selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht.