Langlauf in Deutschland: Genug Loipe für den Boom

Auf Skier durch den verschneiten Winterwald - wie hier im Fichtelgebirge: Langlauf ist längst kein Sport mehr für Rentner, sondern hip.
Auf Skier durch den verschneiten Winterwald - wie hier im Fichtelgebirge: Langlauf ist längst kein Sport mehr für Rentner, sondern hip.

Tourismuszentrale Fichtelgebirge/dpa-tmn

15.02.2021 10:07 Uhr

Im Corona-Winter erlebt das Langlaufen eine Renaissance - und steht in der Diskussion. Der Ansturm der Wintersportler birgt Probleme. Doch in den Langlauf-Hochburgen überwiegt die Freude.

Nett nachzufragen lohnt sich, wenn man zum dritten Mal durch ein winziges Dorf kurvt und immer noch keinen Parkplatz gefunden hat. Wo man hier im Tal noch parken könne, möglichst in Loipennähe?

Die Pensionswirtin lächelt milde. „Ihr könnt vor unserer Garage parken“, sagt sie. Und erklärt geduldig, in welche Richtung die Graswangrunde am schönsten zu laufen sei.

Es ist der erste Sonnentag nach ausdauerndem Schneefall, auf jedem Ästchen türmt sich eine weiße Haube. Mehr Winterwunderland geht kaum. Natürlich rollen da die Karawanen der Wintersportler an.

Ski-Langlauf ist wieder angesagt

Langlaufen ist das neue Freeriden. Seit Jahren schon erlebt der einst geschmähte Rentnersport eine Renaissance. Nun, da die Lifte in den Bergen still stehen, wird daraus ein Boom. Ein Vorteil ist die kurze Anreise. Loipen findet man fast überall: im Sauerland und im Harz, im Thüringer Wald, im Schwarzwald und im Erzgebirge.

Das gelobte Land der Langläufer aber ist Bayern. Mehr als 850 Loipen winden sich durch den Freistaat. Manche werden derzeit nicht gespurt, andere wie die Grenzlandloipe in Balderschwang nur zum Teil. Denn wer die gesamten herrlichen 40 Kilometer abliefe, käme in Hittisau an – und damit in Österreich, im derzeit verbotenen Ausland.

Andere Loipen sind wunderbar präpariert, aber laut Online-Auskunft der jeweiligen Region „geschlossen“ oder „nicht befahrbar“.

Individualvergnügen statt Massenauflauf

In Oberammergau ist man gelassener. „Wir merken schon, dass mehr los ist“, sagt Marc Schauberger. „Aber wir freuen uns über jeden, der kommt.“ Der 39-Jährige ist im Vorstand des Vereins, der jedes Jahr den König-Ludwig-Lauf organisiert – seit 1968.

Am ersten Februar-Wochenende wäre es eigentlich wieder soweit gewesen: Rund 4000 Ausdauersportler aus aller Welt wären zum Luggilauf – wie die Oberammergauer sagen – angereist. Doch derzeit ist ein solcher Massenauftrieb natürlich indiskutabel. Der größte Volksskilanglauf Deutschlands entfällt, allerdings nicht ganz.

Bis Ende Februar kann sich jeder Langläufer mit seinem Smartphone an sechs Schildern mit QR-Codes am Loipenrand registrieren. Wo genau man dann zwischen Oberammergau, Ettal und Schloss Linderhof umher saust, bleibt einem selbst überlassen.

Winterfreuden mit Panoramaaussicht

Vorbei an den barocken Türmen des Klosters Ettal gleitet man hinein ins Graswangtal. Inmitten der rund 2000 Meter hohen Gipfel der Ammergauer Alpen kommen schnell hochalpine Gefühle auf. Dabei ist die Loipe anfängerfreundlich flach, die kurzen Abfahrten und Anstiege schafft man mit minimaler Erfahrung leicht.

So lässt sich locker ein kurzer Abstecher auf die Dickelschwaigrunde einbauen. Mit freiem Weitblick aufs Bergpanorama umkreist man die extrem idyllische Gertrudiskapelle mit ihrer Zwiebelhaube, bevor man vorbei an glitzerndem Tiefschnee weiter ins Tal hinein gleitet. Die Loipe endet am schmiedeeisernen Tor jenes Schlosses, in dem Ludwig II. angeblich am liebsten weilte.

Aus der Stadt aufs Land

Einen „Spagat aus Natur– und Kulturerlebnis“ nennt Marc Schauberger die Tour durchs Graswangtal. Ein sehr angenehmer Spagat ist das, und natürlich zieht er entsprechend viele Langläufer an. Doch im Tal verteilen sie sich locker. Die Infektionsgefahr dürfte minimal sein. Genervt vom Andrang wirken nur ein paar alte Platzhirsche.

Die meisten Einheimischen haben Verständnis für die Städter, die im Corona-Winter dem Lagerkoller und der Enge ihrer Wohnungen entfliehen. Das sagt Marc Schauberger genauso wie Werner Schmidt, 59, Förster am Ochsenkopf im Fichtelgebirge. Jahrelang habe man darum geworben, dass die Wintersportler nicht immer nur in die Alpen fahren, erklärt Schmidt. Und nun kämen eben an Wochenenden für ein paar Stunden zu viele. Wobei auch hier das größte Problem die Autos sind. „Die Parkplätze sind voll, obwohl die beiden Seilbahnen auf den Ochsenkopf geschlossen sind“, sagt Schmidt.

Einmal um den Ochsenkopf

Die Lösung des Parkproblems wäre denkbar einfach. Wie in Oberammergau halten Busse fast direkt an den Loipen. Seit 2001 wurden diese am Ochsenkopf zu einem Loipennetz verschmolzen. Nun kann man auf der Unteren Ringloipe 14,5 Kilometer weit um den ganzen Ochsenkopf herum laufen – wenn genug Schnee liegt. Dabei hilft, dass die neue Aushängeloipe auf durchschnittlich 800 Metern Höhe verläuft. In sanftem Auf und Ab gleitet man durch den wunderbaren Winterwald.

Informationen: Ammergauer Alpen GmbH, Eugen-Papst-Str. 9a, 82487 Oberammergau (Tel.: 08822/92 27 40, www.ammergauer-alpen.de). Tourismus & Marketing GmbH Ochsenkopf, Gablonzer Str. 11, 95686 Fichtelberg (Tel.: 09272 97/032, E-Mail: info@erlebnis-ochsenkopf.de, www.erlebnis-ochsenkopf.de).

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