Camilla: Ist die Herzogin schon jetzt die mächtigste Frau in England?

Leni HübnerLeni Hübner | 22.04.2022, 21:20 Uhr
Prinz Charles prostet Camilla hinter einem Pub-Tresen zu
Prinz Charles weiß, was er an Camilla hat: Sie ist seine große Liebe.

Foto: IMAGO/ i Images

Früher wurde sie verspottet, heute zollt man ihr Respekt. Camilla, Herzogin von Cornwall, wird bald Königin, doch im Hintergrund hält sie die meisten Fäden längst in der Hand.

Als Camilla (74) noch unter dem Nachnamen „Parker Bowles“ die Gegenspielerin von Prinzessin Diana war, taufte die Presse sie „Rottweiler“. Doch als Herzogin von Cornwall hat die zweite Frau von Thronfolger Charles (73) längst einen Image-Wandel vollzogen. Sogar Queen Elizabeth II (96) gab mittlerweile den Segen, dass die bereits einmal geschiedene Camilla nach ihrem Ableben den Titel „Königin“ tragen darf.

Der Rottweiler ist nun beliebt

Auch für Herzogin Camilla kam diese Ehrung unerwartet, für sie sei es selbstverständlich gewesen, eines Tages den Titel „Princess Consort“ zu tragen, in etwa mit Prinzessinnengemahlin zu übersetzen. Hinter den Palastmauern ist sie viel mehr als nur die „Frau von“. Sie glättet Skandale und sorgt für Ruhe, wenn familiäre Streitigkeiten zu heftig werden.

Queen Elizabeth: An ihrem 96. Geburtstag flog sie in die Gurte

Mit ihrem langen Atem, den sie in Sachen Charles bewiesen hat, scheint sie darin wirklich eine Expertise zu haben. Während der Palast eine Kampagne erarbeitete, um aus der „bösen Frau“, wie die Queen sie vor Jahrzehnten bezeichnete, weil sie dem Ansehen der Monarchie als Geliebte schadete, ein anerkanntes Mitglied der royalen Familie zu machen, suchte sie im Hintergrund selbst ihren Platz.




Familiensinn wurde Prinz Charles eingepflanzt

Camilla hat sich in dieser Zeit nicht nur um Charles, William (39) und Harry (37) gekümmert, sondern auch um ihre eigenen Kinder, die als Teenager nicht Opfer der Boulevard-Presse werden sollten. Bis heute ist ihre Familie die Basis, die sie pflegt. Sie steht nicht nur ihrem Sohn Tom (47), ihrer Tochter Laura (44) und den fünf Enkelkindern sehr nahe, auch ihr Ex-Mann Andrew Parker Bowles (82) gehört noch immer zu ihrem engsten Kreis – wie auch ihre Schwester Annabel Elliot (73).

Diesen Familiensinn hat sie an Charles weitergegeben, der nun angeblich täglich mit William telefonieren soll. Ihr ist es auch zu verdanken, dass Harry bei seinem Vater noch immer ein offenes Ohr findet. Die Familie hält zusammen, in guten und in schlechten Zeiten. Und auch wenn Harry noch immer nicht ganz einverstanden sein soll mit seiner Stiefmutter, versucht Camilla Charles Wut nach jedem neuen Interview zu besänftigen.

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Herzogin Camilla wurde von der Queen mehrfach geehrt

Ein Freund der Familie verriet der britischen Presse: „Ich weiß, dass Camilla ihr Bestes gegeben hat und sich als eine gute Beraterin und eine Unterstützung für Charles erwies, der zutiefst beunruhigt war.“ Camillas guten Einfluss soll es auch zu verdanken sein, dass sich Charles seiner Mutter, der Queen, mehr angenähert hat. Aus dem fast professionellen Verhältnis ist eine warmherzige Mutter-Sohn-Connection gewachsen.

Kein Wunder, dass auch die Queen längst ein Fan der Herzogin von Cornwall ist. Sie hat jede Auszeichnung erhalten, die im Rahmen ihrer Ämter möglich war. Bereits 2007 erhielt Camilla den königlichen Familienorden, dann wurde sie zur Dame Grand Cross of the Royal Victorian Order ernannt und bekam die Medaille zum diamantenen Thronjubiläum der Königin verliehen. Seit 2022 trägt Camilla auch den ranghöchsten Ritterorden.




Nur Prinz Andrew bleibt außen vor

Als Meghan (40) von ihrem Vater Thomas Markle (77) vor der Hochzeit angegriffen wurde, hat Camilla nach Lösungen gesucht, die angehende Herzogin zu beschützen. Da half ihr wohl auch die eigene Erfahrung mit der britischen Klatschpresse. Sogar die Idee, dass Charles Meghan zum Altar führen sollte, ging laut des Insiders auf Camillas Konto. Dank soll sie von Meghan dafür nicht erhalten haben.

Während Prinz Andrew (62) sich im Skandal um seinen Freund Jeffrey Epstein um Kopf und Kragen redete und von Virginia Roberts Giuffre (38) wegen „sexuellen Missbrauch“ angeklagt wurde, engagierte sich Camilla verstärkt für Missbrauchsopfer. Auf dem „Shameless!“-Festival forderte sie, die Kultur des Schweigens endlich aufzuheben und das Thema zu enttabuisieren, um den Opfern Gehör zu verschaffen.

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Kein Pardon für Täter

In diesem Fall war sie keine Vermittlerin zwischen Charles und seinem Bruder Andrew. Im Gegenteil muss es sie entsetzt haben, wie die royale Familie den vermeintlichen Täter aus der Schusslinie nahm. Camilla ist überzeugt, dass Vergewaltiger nicht als solche geboren werden, sondern so erzogen werden. Prinz Andrew lebt seit Jahrzehnten nach dem Motto: „Ich nehme mir was ich will“. Konsequenzen hat er nie erfahren.

Doch gerade während der Pandemie rückte Camilla bei jeder Gelegenheit als Schirmherrin von „SafeLives“ auch das Thema häusliche Gewalt in den Fokus. So beständig, wie sie sich für die Familie engagiert, setzt sich Camilla auch für wohltätige Organisationen ein. Dazu gehört es auch, sich umfangreich für die Alphabetisierung einzusetzen und ältere Menschen zu unterstützen. Camilla gilt allgemein als fürsorgliche und lustige Person.




Camilla lässt Worten Taten folgen

Dabei gibt sie nie nur ihren Namen her. Camilla gründete den „Reading Room“ auf Instagram, um das Lesen zu fördern, sie ist immer wieder vor Ort, um die Menschen und ihre Sorgen kennenzulernen und Maßnahmen voranzubringen, die wirklich helfen. Zuhören hilft, die richtigen Wege zu finden, beruflich wie privat.

Dabei achtet sie viel mehr als Charles darauf, sich nicht zu überarbeiten. Der Prinz gilt als Workaholic. „Ich werde nicht das gleiche Tempo vorlegen wie der Chef“, soll die Herzogin gesagt haben. Das berichtet Patrick Harrison, der 14 Jahre lang im Pressebüro des Clarence House gearbeitet hat, gegenüber der Vanity Fair. „‚Ich werde nicht fünf Termine am Tag ohne Mittagessen und dann zwei Termine am Abend machen“, zitiert Harrison Camilla weiter.

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In der Ruhe liegt die Kraft

Auch diese Einstellung spricht für Camillas Stärke. Was nützt es, wenn sie sich übernimmt und für Monate ausfällt? Um ihre Work-Life-Balance zu erhalten, wird sie wohl auch das Ray Mill Haus in Wiltshire behalten, das sie nach ihrer Scheidung 1996 gekauft hat. Dort ist sie einfach nur Camilla: ohne die strenge Palastetikette. Sie kocht selbst, geht Wandern, schwimmt und verbringt Zeit mit ihren Lieben – auch mit Charles, wenn der Zeit findet.

Camilla soll dem Prinzen von Wales sehr ergeben sein und ihre königliche Rolle und die damit zusammenhängenden Pflichten ernstnehmen. „Sie versteht die Vorteile und Herausforderungen, die damit einhergehen“, berichtet Harrison der Vanity Fair weiter. Aber sie ist eben auch die bescheidene Camilla Parker Bowles geblieben. Eines Tages wird sie die mächtigste Frau im Land sein, doch durch ihre positiven Einflüsse ist sie das inoffiziell schon jetzt.