16.07.2020 21:35 Uhr

„The Plot Against America“: Darum ist die neue Serie so unheimlich

Der US-Autor Philip Roth lieferte die Vorlage. Nun ist sein Roman "Verschwörung gegen Amerika" verfilmt worden.

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Eigentlich war es als eine fiktive Geschichte gedacht. Was wäre, wenn…? Der gefeierte Autor Philip Roth erfand in seinem Roman „Verschwörung gegen Amerika“ 2004 eine Welt, in der die USA in den 40er Jahren in den Faschismus abgleiten.

Das wurde nun verfilmt, ist als Mini-Serie bei Sky zu sehen – und stellenweise so prophetisch, so nah an der heutigen Realität, dass es einem beim Zuschauen kalt über den Rücken läuft.

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Darum geht’s

Im Mittelpunkt steht die jüdische Familie Levin aus Newark bei New York. Zunächst sind es nur Nachrichten, die sie im Radio und der Wochenschau verfolgt: Der Fliegerheld Charles Lindbergh kandidiert um das Präsidentenamt und sorgt mit populistischer Hetze gegen Juden für Aufruhr. Keiner glaubt an seinen Sieg, dann aber wird dieser unterschätzte Außenseiter doch Präsident.

Immer mehr bekommen die Eltern Herman (Morgan Spector) und Bess Levin (Zoe Kazan) sowie ihre beiden Söhne den Antisemitismus zu spüren. Die Reden Lindberghs geben den Antisemiten Rückendeckung. Gleichzeitig verharmlosen viele Menschen Lindbergh und seine Ansichten – das meint er doch gar nicht so, heißt es immer wieder.

Parallelen zu Trump

Für „The Plot Against America“, wie der Roman und die Serie im Original heißen, ließ sich Roth von einer Fußnote der Geschichte inspirieren: Tatsächlich wurde Lindbergh von den Nazis mit einem Orden ausgezeichnet und gehörte zu den prominentesten Stimmen des „America First Committee“.

Nun aber drängen sich eindeutige Parallelen zur Gegenwart auf: Auch Donald Trump wurde anfangs belächelt und unterschätzt, auch er treibt mit seinem Populismus die Spaltung der Gesellschaft voran, auch er gewinnt Menschen für sich, denen seine Politik eigentlich schadet.

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Großartig: Winona Ryder und John Turturro

Besonders das Spiel von John Turturro und Winona Ryder geht im Laufe der sechs Folgen unter die Haut. Sie verkörpert Bess‘ Schwester Evelyn, die mit einem Rabbi (Turturro) zusammenkommt. Der wiederum ist glühender Lindbergh-Anhänger und kreiert ein Programm zur „besseren Integration“ von Minderheiten – völlig blind, was er damit anrichtet und wem er damit nutzt. Die Politik spaltet die Familie Levin zunehmend, reißt sie auseinander und steht als Sinnbild für die gesamte Gesellschaft.

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„The Plot Against America“ mag als hypothetisches Gedankenexperiment angelegt sein. Letztendlich packt es einen aber durch die Tatsache, dass diese Fiktion längst von der Realität eingeholt wurde. Faszinierend und unheimlich zugleich! (Aliki Nassoufis, dpa)

dpa-infocom, dpa:200716-99-810682/3

(PV)

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