Frischzellenkur im Index: Müssen Dax-Anleger jetzt handeln?

Der Deutsche Aktienindex wird im September um zehn Werte erweitert.
Der Deutsche Aktienindex wird im September um zehn Werte erweitert.

Boris Roessler/dpa/dpa-tmn/Archivbild

24.08.2021 17:38 Uhr

Zehn neue Werte für den Dax: Im September wird der Deutsche Aktienindex neu geordnet. Was bedeutet das für Privatanleger? Können sie auf ein Renditeplus hoffen - oder müssen sie nun ihr Depot anpassen?

Der Deutsche Aktienindex (Dax) wird im September um zehn Werte erweitert. Dann befinden sich 40 statt bisher 30 Titel im deutschen Leitindex – sie rücken aus dem MDax auf, der sich gleichzeitig von 60 auf 50 Werte verkleinert.

„Die Nachrücker sind Unternehmen, die sich im MDax bereits profiliert haben“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Daher rechnet er mit einer Frischzellenkur für den Dax. Aber warum wird der Dax neu geordnet? Was bedeutet das für Privatanleger? Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:

Welche Werte sind künftig im Dax vertreten?

„Am 3. September geben wir die Werte bekannt. Ab dem 20. September gilt dann die Neuzusammensetzung. Der Dax wird dann mehr Werte und mehr Branchen der deutschen Wirtschaft abbilden“, sagt Andreas von Brevern, Sprecher der Deutschen Börse.

Heiße Nachrück-Kandidaten sind große MDax-Werte – wie Airbus, Zalando, Hellofresh, Porsche. Hinweise darauf gibt die im August veröffentlichte Dax-Rangliste. „Sie sortiert alle Werte im Regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse nach deren Marktkapitalisierung – also nach dem Börsenwert“, so von Brevern. Der Börsenumsatz, bisheriges Dax-Auswahlkriterium, entfalle ab September.

Warum kommt es zu der Dax-Neuordnung?

Die Dax-Neuordnung war länger geplant – beschleunigt wurde sie durch den Wirecard-Skandal, der Schwächen im Regelwerk des Leitindex zutage gebracht hatte. Die Regeln wurden verschärft. So ist etwa ein Dax-Ausschluss nach Ablauf einer Warnfrist möglich, erklärt von Brevern. „Das neue Index-Regelwerk soll die Qualität im Dax erhöhen und an internationale Standards angleichen.“

„Es geht darum, zu verhindern, dass reine Luftnummern es bis in den Dax schaffen“, so Kurz mit Blick auf Wirecard. „Bereits seit Dezember 2020 müssen potenzielle Dax-Kandidaten zwei Jahre Gewinne ausgewiesen haben.“ Neben klassischen Geschäftsberichten müssen sie zusätzlich von Wirtschaftsprüfern zertifizierte Quartalsmitteilungen veröffentlichen, erklärt Kurz.

Wie wirkt sich die Neuordnung aus?

Der Dax habe durch die Neuordnung mehr Gewicht, so Norbert Kuhn vom Deutschen Aktieninstitut. Gleichzeitig verliere der MDax seine Schwergewichte. Die Aufsteiger machen rund 45 Prozent der bisherigen Marktkapitalisierung im MDax aus, so Kuhn.

Kurz gibt zu bedenken: „Es könnte sein, dass die Dynamik im MDax unter der Neuordnung leidet“ und dass sich der MDax gravierender als der Dax verändert. „Der Index verliert immerhin zehn Top-Performer.“

Wie wirkt sich die Dax-Anpassung auf die Rendite aus?

„Wer in Einzelaktien investiert hat, die in den Dax aufsteigen, kann mit einem kleinen Kursplus rechnen, weil die Dax-ETFs diese Titel nachkaufen müssen“, erklärt Kurz. ETFs (Exchange Traded Funds) sind börsengehandelte Fonds, die einen Index passiv nachbilden.

Anleger sollten die Effekte nicht überschätzen. Kurz rechnet nicht mit gewaltigen Kurssprüngen. „Die Neuordnung ist ja nun keine Überraschung mehr“, so Kurz.

Auch Kuhn sagt: „Bereits jetzt haben die Kurse der Aufsteiger mehrheitlich stark zugelegt, sodass Effekte auf die Rendite dem Dax-Aufstieg schon vorausgegangen sind.“ Es müsse sich zeigen, inwiefern sich diese Kursentwicklung fortsetzt.

Müssen Privatanleger aufgrund der Veränderung jetzt handeln?

Das kommt darauf an, ob Privatanleger in Aktien, Fonds, ETFs investieren. Für alle, die in Dax-ETFs ansparen, „bedeutet die Neuordnung, dass sich der Index erweitert und damit eher vielfältiger wird. Für sie gibt es eigentlich keinen Grund, im Depot etwas zu ändern“, so Kurz.

Auch Anleger, die einen Indexfonds auf den Dax haben, könnten sich entspannt zurücklehnen, so Kuhn. „Die Anpassung an die neue Dax-Ordnung wird im September vom Fondsmanager übernommen.“

Orientiert man sich mit Einzeltiteln eng am Dax, muss man gegebenenfalls nachjustieren. Kuhn erklärt: „Entweder, sie haben das Geld zur Verfügung und legen dieses in die zehn Aufsteiger an. Oder sie müssen umschichten.“ Also alte Titel verkaufen und in Neulinge investieren.

„Hat man sich bisher auf den Dax konzentriert und erweitert sein Anlagespektrum jetzt um die zehn Aufsteiger, steigen die Möglichkeiten der Streuung“, so Kuhns Einschätzung.