09.09.2020 17:28 Uhr

Lange Erntezeit dank Herbst-Himbeeren

Frische Himbeeren im Herbst? Das ist möglich dank spezieller Sorten. Wie man sich um die kümmert, erklären zwei Experten.

Friso Gentsch/dpa/dpa-tmn

Jede Jahreszeit hat ihre Früchte. Zum Sommer gehören definitiv aromatische, roten Himbeeren. Dass die aber auch noch im Herbst geerntet werden können, klingt fast unglaublich.

Aber eben nur fast. Denn das Ernteglück lässt sich seit einigen Jahren über den Sommer hinaus bis in den Oktober verlängern. Dank herbsttragenden Himbeersorten. Der Gartenbauingenieur Markus Staden aus Telgte erläutert, dass diese Sorten eine andere Genetik haben. „Die herbsttragenden Himbeeren blühen und fruchten an den diesjährigen Ruten“, sagt Staden. So eröffnet sich für die Ernte ein neues Zeitfenster – von Ende Juli bis in den Herbst.

Die Himbeere zählt zu den heimischen Obstarten, die absolut winterhart sind. In der Regel hat die Pflanze, die strauchähnlich wächst, einen zweijährigen Entwicklungsrhythmus. Aus dem unterirdischen Rhizom wachsen junge Sprossachsen, die sogenannten Ruten. Sie blühen und fruchten im zweiten Jahr und sterben anschließend ab.

Bei den sogenannten Herbsthimbeeren bilden sich nach Angabe von Simon Schrey, Versuchsingenieur für Beerenobst bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, auch im zweiten Jahr noch Früchte. Wie das gelingt ist eine Frage des Rückschnitts, den er später erläutert.

Als Pflanzzeit für die spätfruchtenden Himbeersorten empfiehlt Gartenbauingenieur Staden: „Die Pflanzen sollten so früh wie möglich im Jahr gepflanzt werden, idealerweise Ende April bis Anfang beziehungsweise Mitte Mai.“ Dabei verweist er darauf, dass die jungen Ruten empfindlich gegenüber Spätfrösten sind.

Humusreicher Boden fördert Wachstum

Einer der wichtigen Erfolgsfaktoren, damit sich die Himbeeren im Garten wohl fühlen und gut wachsen, liegt im Boden. Der Versuchsingenieur beschreibt ihn wie folgt: „Ein humusreicher Boden, der eine gute Drainage hat, sodass keine Staunässe entsteht, ist ideal.“ Er empfiehlt zudem großzügige Kompostgaben beziehungsweise humose Substrate. Staden ergänzt, dass es optimal ist, wenn sich der Boden leicht erwärmt.

Auch in Hinblick auf die Düngung zeigen sich Himbeeren empfindlich, wenn es um eine hohe Nährstoffkonzentration geht. Schrey weist darauf hin, dass im Erwerbsanbau die Himbeeren stetig über einen Tropfschlauch mit Wasser und niedrig dosierten Düngermengen versorgt werden. Da das im Haus- und Kleingarten eher schwierig ist, rät er dem Hobbygärtner zu einer Startdüngung im Frühling und einer weiteren Nährstoffgabe während der Wachstumszeit. „Während der Fruchtbildung braucht man nicht mehr düngen“, meint Schrey.

Die klassischen Sommer-Himbeeren werden nach der Ernte Ende Juli bodennah zurückgeschnitten, damit sich die jungen Ruten für das kommende Jahr gut entwickeln können. „Die Herbst-Himbeeren werden im Oktober abgeschnitten“, sagt Staden und betont, dass eigentlich nur der obere Teil, der bereits abgeerntet ist, entfernt wird.

„Das sind meist die oberen 30 bis 40 Zentimeter“, ergänzt Schrey. Durch diese Maßnahme bilden sich auch im Frühsommer noch einige Blüten für eine frühe Ernte. Allerdings sollte man die Ruten dann auch zügig abschneiden, wenn man Früchte geerntet hat, damit sich die neuen Ruten gut und kraftvoll entwickeln. Wer keine Erfahrungen hat, schneidet die Triebe einfach nach der Ernte ab.

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