Trend zum bargeldlosen Zahlen

Trend zum bargeldlosen Zahlen
Trend zum bargeldlosen Zahlen

Shutterstock/ Nattakorn-Maneerat

06.09.2021 04:31 Uhr

Bargeld ist besonders in Deutschland sehr beliebt, aber auch hierzulande nehmen bargeldlose Zahlungen immer mehr zu. Eine Bargeldabschaffung sehen allerdings viele Menschen skeptisch. Die Münzen und Scheine haben für viele etwas Emotionales.

Eines steht fest: Die Deutschen hängen besonders am Bargeld. Die Deutsche Bundesbank stellt in ihren Analysten fest, dass die Deutschen am Bargeld mehr als andere EU-Bürger hängen. Eine ähnliche Liebe zu den Banknoten gibt es nur noch in Österreich. Dies zeigte eine Studie von Bagnall et al im Jahr 2014. Rund 80 Prozent aller Zahlungen wurden damals mit Barem abgewickelt.

Als Vorteile sehen Barzahler:
+ die Anonymität
+ den Schutz vor negativen Zinsen
+ keine Verluste durch Online-Hacker
+ einen besseren Überblick über das Budget
+ geringe Kosten für Händler

Sind die Kosten wirklich so gering?

Ob die Kosten wirklich so niedrig sind, liegt sicherlich an der Betrachtungsweise. Die Münzen und Scheine müssen gezählt und dann zur Bank gebracht werden. Außerdem ist die Investition in einen Tresor nötig. Die Anonymität sehen die Sicherheitsbehörden kritisch, weil dadurch die Geldwäsche begünstigt wird. Dies ist eines der Hauptargumente, weshalb die EU-Kommission über Bargeldobergrenzen nachdenkt.

Die Diskussion darüber ist emotional und hat auch die deutsche Politik auf den Plan gerufen. Die CSU lehnt alle Überlegungen zur Beschränkung ab. Welchen Vorteil es hat, eine große Summe bar zu zahlen, hat die CSU nicht erklärt. Man stelle sich vor, der Gewinn aus dem EuroJackpot würde bar ausgezahlt werden. Im besten Fall wären das 90 Millionen Euro, die bar quer durch Europa geschickt werden müssten.

Trend zum bargeldlosen Zahlen
Die Deutschen hängen nach wie vor sehr am Bargeld

Foto: Shutterstock/ Krakenimages.com

Bargeld ist unpraktisch

Die Lose gibt es online und die Bezahlung erfolgt bargeldlos per Abbuchung. Ein Vorgang, der inzwischen normal ist. Wer geht heute noch zum Lotto spielen an den Kiosk nebenan? Um zu unserem Beispiel eines Gewinns beim EuroJackpot zurückzukommen, dann könnte sich folgendes Szenario ergeben: Die Ziehung am Freitag hat einen glücklichen Gewinner eines zweistelligen Millionengewinns ergeben. Am Montag fährt also der Geldtransporter los und überbringt den Gewinn.

Dass Geldtransporter überfallen werden können, lassen wir mal außer Acht. Das wäre das Äquivalent zum Online-Hackerangriff. Die Alternative ist ein Scheck, der dann hoffentlich ankommt. Dieser muss dann auf das Konto eingezahlt werden, was Gebühren und einen zeitlichen Aufwand kostet. Hier ist die Überweisung sicherlich anonymer und praktischer.

Bargeldzahlungen sinken rasant

Kartenzahlungen lassen sich auch kritisch sehen. Wer alles mit Plastikgeld bezahlt, hinterlässt entsprechende Spuren. Dies gilt allerdings auch für Benutzung des Smartphones einstellen. Bargeld hat einige Nachteile, darunter die Hygiene. Dieser Umstand sorgte dafür, dass ein kleines Virus das Zahlungsverhalten in Deutschland deutlich veränderte.

Laut einer Umfrage bevorzugt inzwischen fast die Hälfte der Deutschen die Bezahlung mit der Girocard. Allerdings zahlen ebenso viele weiterhin gern bar. Die Münzen und Scheine werden uns wohl noch eine ganze Weile begleiten. Daran ändern auch ihre Nachteile nichts:

+ das Verlustrisiko
+ die Umständlichkeit passend zu zahlen
+ die Wechselkosten beim Fremdwährungstausch
+ Falschgeld

Die staatliche Vorstellung, Geldwäsche durch eine Bargeldobergrenze zu erschweren, scheint in Zeiten von Kryptowährungen nicht zielführend zu sein. Am Ende ist es der beste Weg, wenn die Menschen über die Zukunft des Bargeldes selbst entscheiden. In Skandinavien vermisst schon heute kaum jemand das Rascheln der Geldscheine. Möglicherweise kommt irgendwann das Aus des Bargeldes, weil es keiner mehr vermisst. (KTAD)