Zu Diabetes kursiert viel Unwissen

Für viele Menschen mit Diabetes gehört das Messen des Blutzuckers zum Alltag.
Für viele Menschen mit Diabetes gehört das Messen des Blutzuckers zum Alltag.

Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn

25.06.2021 11:39 Uhr

Betroffene müssen sich immer Insulin spritzen - oder? Und was bedeutet überhaupt Typ-1 und Typ-2? Obwohl Millionen Deutsche mit Diabetes leben, gibt es große Wissenslücken zu der Erkrankung.

Diabetes ist eine Volkskrankheit. Doch bei vielen Menschen herrscht Unwissen darüber, wie eine Ipsos-Umfrage im Auftrag der Zeitschrift „Diabetes Ratgeber“ zeigt. Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) gibt an, so gut wie nichts über die Auslöser oder Folgen der Stoffwechselerkrankung zu wissen.

Nur drei von zehn Befragten könnten nach eigener Aussage erklären, was der Unterschied zwischen Typ-1 und Typ-2-Diabetes ist.

Was Typ-1 und Typ-2 unterscheidet

Bei Typ-1-Diabetes kann der Körper nicht mehr selbst genügend Insulin produzieren. Das bedeutet, dass Patientinnen und Patienten sich das Hormon ihr Leben lang nach Bedarf spritzen müssen. Diese Form des Diabetes beginnt meist plötzlich, oft schon im Kindes- und Jugendalter.

Der Typ-2-Diabetes entwickelt sich oft schleichend. Hier entfaltet das Insulin in den Körperzellen nicht mehr die gewünschte Wirkung, sodass die Zellen den Zucker als Energielieferant nicht mehr gut aufnehmen – er bleibt vermehrt im Blut. Der Fachbegriff lautet Insulinresistenz.

Die Bauchspeicheldrüse produziert in der Folge noch mehr Insulin, damit die Blutzuckerwerte sinken. Die Zellen in der Drüse erschöpfen dadurch zunehmend, sodass es irgendwann auch zu einem Mangel an Insulin kommen kann.

Die genauen Ursachen für die Autoimmunreaktion, die Typ-1-Diabetes auslösen, sind noch nicht vollständig erforscht. Bei Typ-2-Diabetes gelten als Risikofaktoren neben erblicher Veranlagung vor allem Übergewicht, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel.

Nach Schätzungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) leben knapp zehn Prozent der Menschen in Deutschland mit Diabetes. Der größte Teil von ihnen hat Typ-2-Diabetes.

Wie die Erkrankung behandelt wird

Zu der Behandlung der Erkrankung ist laut der Ipsos-Umfrage ein weiterer Irrtum weit verbreitet: Demnach glauben 18 Prozent – also immerhin gut jede und jeder Sechste – dass sich Menschen mit Diabetes immer Insulin spritzen müssen.

Richtig ist, dass nur Typ-1-Diabetes immer insulinpflichtig ist. Beim Typ-2-Diabetes wird zwar auch ein gewisser Teil der Erkrankten mit Insulin therapiert. Rund die Hälfte kann laut DDG aber ohne Medikamente behandelt werden, zum Beispiel durch eine Ernährungsumstellung, Bewegung und Gewichtsabnahme.

Was es nicht gibt, ist eine Impfung gegen Diabetes – auch wenn das laut Umfrage zwölf Prozent der Menschen glauben. Befragt wurden 2000 Personen ab 14 Jahren.