Robert Lewandowski: „Ich wünsche mir manchmal, ein No-Name zu sein“

Robert Lewandowski: “Ich wünsche mir manchmal, ein No-Name zu sein
Robert Lewandowski: “Ich wünsche mir manchmal, ein No-Name zu sein

IMAGO / Newspix

21.04.2021 12:02 Uhr

Robert Lewandowski hat offen über seine Karriere und sein Leben als Fußballprofi gesprochen. Manchmal wünscht sich der Bayern-Star aber auch, einfach mal wieder unerkannt auf die Straße zu können.

Das Cover der zweiten GQ-Printausgabe 2021 ziert kein Geringerer als der beste Fußballer der Welt: Robert Lewandowski. GQ trifft den 32-Jährigen zum Cover-Shooting und Interview in Münchens Glyptothek.

Sein Weg an die Spitze

Der Stürmer des FC Bayern ist selbst eine Ikone im Hier und Jetzt und spricht zwischen all den Statuen antiker Heroen mit GQ ganz privat: Über seine Wünsche, seine Frau und Kinder und darüber, wie er mit Problemen umgeht. Robert Lewandowski hat einen langen Weg hinter sich und darf sich seit letztem Jahr offiziell als der beste Fußballer der Welt bezeichnen. Ohne Fleiß? Unmöglich.

Robert Lewandowski: “Ich wünsche mir manchmal, ein No-Name zu sein

Foto: GQ

Mentalität ist das A und O

„Talent hat jeder, der eine mehr, der andere weniger. Aber ohne wirklich harte Arbeit geht gar nichts. Wenn du wirklich Profi werden willst, ist auch das Mentale sehr wichtig. Wenn dir schon mit 16 oder 18 ständig der rote Teppich ausgerollt wird, alles super läuft, dann hast du keine Zeit, eine entsprechende Mentalität aufzubauen. […] Wenn du am Anfang nicht nur als Fußballer, sondern auch als Mensch keine Probleme hast, dann ist die Frage, ob du mit Problemen richtig umgehen kannst, wenn du sie einmal bekommst.“

So geht Robert Lewandowski mit Problemen um

Ob er selbst gut mit Problemen umgehen kann? “Ich habe das gelernt. Klar, ich kann nicht zu 100 Prozent alles wegdrücken, das hängt auch davon ab, wie groß das Problem ist, wie wichtig es für mich persönlich ist. […]Früher dachte ich, dass ich das alles in mir halte. Ich war sicher, dass ich es selbst verarbeiten kann und dann die Probleme verschwinden. Für einen kurzen Moment mag das gelingen, aber langfristig bleibt immer etwas zurück. Ich versuche mittlerweile, immer über die Dinge zu sprechen, die mir auf dem Herzen liegen“, so der Bayern-Star.

Robert Lewandowski: “Ich wünsche mir manchmal, ein No-Name zu sein

Foto: GQ

Reden hilft

Weiter erklärt er über seine Frau Anna Lewandowska: „Wenn ich Sachen ausspreche, komme ich manchmal von ganz alleine auf die Lösung. Mit meiner Frau klappt das gut. Sie ist Trainerin, war Karate-Weltmeisterin und versteht oft ganz genau, was ich meine oder sagen will. Manchmal muss sie auch einfach nur zuhören – und mich korrigieren, wenn ich falsch liege. Gemeinsam finden wir den besten Weg.”

Die Schattenseiten des Ruhms

“Ich wünsche mir manchmal, ein No-Name zu sein”. Dass der Stürmer mittlerweile weltbekannt ist, bringt aber auch die ein oder andere negative Seite mit sich, wie Lewandowski im Interview mit GQ erzählt: “Ich habe auf meinem Weg viele Menschen kennengelernt, die mich nur ausnutzen wollten, die nicht korrekt zu mir waren. Solange ich keine Kinder hatte, war ich auch privat sehr verschlossen. Als meine Kinder auf die Welt kamen, habe ich verstanden, was es bedeutet, Vater zu sein, und was wichtig ist im Leben. Am wichtigsten ist die Familie“, betont der polnische Nationalspieler.

Stolzer Familienvater

„Auch nach Niederlagen oder schlechten Momenten werde ich, wenn ich nach Hause komme, mit einem großen Lachen und Freude empfangen. Das hat mich auch zu einem offeneren, kontaktfreudigeren Menschen gemacht. Dafür bin ich meinen Kindern dankbar.” Was er trotzdem manchmal vermisst? “Einfach spazieren gehen mit der Familie – ohne dieses Gefühl, ständig beobachtet zu werden. Bitte nicht falsch verstehen, die meisten Menschen sind sehr nett zu mir. […] Ich wünsche mir aber manchmal, ein No-Name zu sein.”

Es ist ein sehr persönliches Gespräch, Platz für Fußball muss aber trotzdem sein. GQ hat Robert Lewandowski abschließend gefragt, wie sich der Fußball 2021 entwickeln wird?

Robert Lewandowski: “Ich wünsche mir manchmal, ein No-Name zu sein

Foto: GQ

Corona stellt den Fußball vor neue Probleme

“Ich glaube, dass manche Mannschaften vor der Krise Transfersummen bezahlt haben, die teilweise keine Grenzen kannten, und Spieler viel höher gehandelt wurden, als es eigentlich angebracht gewesen wäre. Aber man kann am Ende nicht die ganze Zeit auf Kredit leben. Durch Corona bekommen die Mannschaften, die vor allem auf Kredit leben, wahrscheinlich mehr Probleme. Die Transfersummen werden bestimmt erst einmal nach unten gehen.”