Amazon spionierte Kanye West & Co. aus: Datenschutz-Skandal bei Bezos-Konzern

Sebastian GrünbergerSebastian Grünberger | 22.11.2021, 20:29 Uhr

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Amazon-Mitarbeiter stehen unter Verdacht, Promis wie Kanye West jahrelang ausspioniert und Zugriff auf sensible Daten gehabt zu haben.

Amazon sorgt mal wieder für einen Skandal. Diesmal steht aber nicht Gründer Jeff Bezos(57)  im Kreuzfeuer der Kritik, sondern seine Mitarbeiter — diese sollen für ein wahres Datenschutz-Fiasko gesorgt haben.

Etliche US-Stars sind betroffen

Wie das US-amerikanische Technik-Magazin „Wired“ berichtet, nutzten Mitarbeiter des Mega-Konzerns ein Datenleck, um die Kaufgewohnheiten von Prominenten auszuspähen. Das sei sogar so einfach gewesen, dass selbst Angestellte ohne IT-Kenntnisse in der Lage waren, die gesamte Kauf-Historie von Stars einzusehen. Unter anderem wurden so die Daten von Kanye West (43) und den Stars der „Avengers“-Filmreihe von Unbefugten angsehen. Bestätigt wurde dies von einem ehemaligen Amazon-Servicemitarbeiter, der allerdings anonym bleiben möchte. Die Mitarbeiter hätten die Kaufgewohnheiten von Promis ganz offen diskutiert, heißt es weiter.

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Ex-Sicherheitschef von Amazon bestätigt — und ist schockiert

Allerdings wurden nicht nur Daten von Promis, sondern auch von Otto Normalverbraucher eingesehen. Wer von den Angestellten die Kaufgewohnheiten seines Ex-Partners ansehen wollte, konnte dies ohne Probleme tun. Dass es bei Amazon beim Thema Datenschutz alles andere als sorgfältig zugeht, bestätigte auch der ehemalige IT-Sicherheitschef Gary Gagnon. Gagnon zeigte sich schockiert über die schlechten Sicherheitsstandards und bestätigt, dass Mitarbeiter Zugang zu privaten Daten haben. Dem Bericht zufolge sollen weltweit über 3.300 kleine Teams mit sensiblen Kundendaten gearbeitet haben.

So reagiert Amazon auf den Skandal

Intern wurden Datenschutzrisken bereits 2018 thematisiert, in einem konzerninternen Memo war die Rede von einer „meist undokumentierten Verbreitung von Kopien der Datensätze“.  Amazon selbst ging laut „Wired“ auf die Vorwürfe ein und versuchte zu beschwichtigen. Datenmissbrauch unter den Angestellten sei nicht „üblich“, so das Unternehmen. Allerdings gab es kein Dementi der Vorwürfe — der Konzern wolle die Vorwürfe genau untersuchen. Noch schlimmer an der Situation: Nicht nur die Kaufverläufe, auch die Kreditkarteninformationen und sogar Gesundheitsdaten sollen eingesehen worden sein. „Wir haben im Laufe der Jahre Milliarden von Dollar in den Aufbau von Systemen und Prozessen zum Schutz von Daten investiert und suchen ständig nach Möglichkeiten zur Verbesserung“, so Sprecherin Jen Bemisderfer.