Boris Becker: Wie der Knast vielleicht seine Karriere beflügeln wird

Leni HübnerLeni Hübner | 29.04.2022, 18:45 Uhr
Boris Becker wirkt abgekämpft mit Augenringen
Nur Boris Becker selbst glaubt, er habe nichts falsch gemacht.

Foto: IMAGO/ UPI Photo

Nun ist es soweit: Boris Becker soll für etwa zwei Jahre ins Gefängnis. Doch vielleicht schlägt er genau daraus einen Gewinn und kann seinen ruinierten Ruf endlich wieder in Bares verwandelt.

Niemand geht freiwillig ins Gefängnis, oder? Bei der miserablen Verteidigungsstrategie, die das Anwalt-Team von Boris Becker an den Tag legte, kommen Zweifel auf. Wer hat denn glauben können, dass Boris Becker wirklich nicht weiß, was sich auf seinen Konten befindet, welche Immobilien er besitzt und wo eigentlich die ganzen großen Pokale hin sind?

Wie naiv ist Boris Becker?

Die Jury des Londoner Gerichts jedenfalls konnte die naive Ahnungslosigkeit des Wimbledonsiegers nicht fassen und hielt wohl sämtliche Argumente für schlechte Witze. Spätestens als Boris Becker 2017 für zahlungsunfähig erklärt wurde, hätte er doch ein gewisses Interesse für seinen Fall aufbringen sollen. Oder ist diese Annahme zu normal und unter dem Niveau eines Spitzenverdieners?

Jedenfalls behauptet Boris Becker weiterhin, dass er nicht wusste, dass nicht sein gesamtes Vermögen gegenüber dem Insolvenzverwalter offengelegt wurde. Dass er eigentlich von seinen Konten nach dem Einleiten des Insolvenzverfahren nichts mehr an seine Ex-Frauen überweisen darf, wusste er wohl auch nicht. So gingen mehr als 400.000 Euro noch an Lilly Becker (45), Barbara Becker (55) und andere Vertrauenspersonen.




Haus der Mutter vergessen

Auch dass das Haus seiner Mutter nicht bei den Vermögenswerten aufgeführt wurde, kam ihm nicht schleierhaft vor. Wie abgehoben muss man sein, wenn man sich von Beratern herunterwirtschaften lässt und sich dann nicht einmal selbst darum kümmert, sich aus dem dunklen Loch wieder zu befreien?

Noah Becker (28) und Lilian de Carvalho Monteiro (30), die Freundin von Boris Becker, waren jedenfalls extrem schockiert, dass Boris Becker nun genau die Strafe erhält, die jeder Normalo auch für diese Vergehen kassiert hätte. Aber der Ex-Millionär Becker sieht sich nicht als Durchschnittsbürger. Warum auch, er genießt seit seinem 16. Lebensjahr Privilegien.

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Knast als Chance

Das wird vielleicht auch im Knast so sein, denn Geld regiert die Welt, selbst wenn es erstmal weg ist. Man wird ihn von den anderen Insassen fernhalten, damit er als Promi nicht angegangen wird, heißt es. Die anderen Vorzüge werden sicherlich nicht öffentlich gemacht, aber vermutlich darf er es sich in seiner Zelle sehr bequem machen, auch wenn es wohl so ist, dass die Haftanstalten in England härter sind als hier.

Was viel wichtiger ist: Boris Becker wird auch aus dieser Misere Kapital schlagen können. Ein Buch über seine Zeit im Gefängnis wird sich locker verkaufen à la „Blond Is the New Orange“, Exklusiv-Interviews aus dem Knast oder nach der Haftstrafe bringen zusätzlich Geld – wenn auch unter der Hand. Und Netflix sitzt vermutlich schon an dem Drehbuch zur Serie über den Aufstieg und Fall des weltbekannten Sportlers. Denn mit diesem Dreh wird die Becker-Geschichte erst rund, dramaturgisch gesehen.




Persönlicher Wendepunkt

Vielleicht ist diese persönliche Katastrophe also ein Wendepunkt in seinem Leben. Und zwar zum Guten hin. Seine Sympathiewerte hat Boris Becker im Laufe der letzten Jahre eingebüßt. Es macht einfach wütend, dass er sich als Opfer inszeniert, der arme, reiche Mann, der den falschen Menschen vertraute. Wenn er sich nun auf sein Comeback vorbereitet, kann er sich geläutert zeigen und als bescheidener Weltstar auf das Parkett zurückkehren.

Man denke nur an den Ex-Karstadt-Manager Thomas Middelhoff (68), der vor seiner Haftstrafe wegen Untreue und Steuerhinterziehung von der Öffentlichkeit eher gehasst wurde und nun mit dem Image als Experte für Bescheidenheit wieder gefragt ist. „Meine Gier hat mich in den Abgrund geführt“, sagte er dem Magazin „Grandios“. Ehrlichkeit liebt die Menschheit.

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Boris Becker fehlt Demut

Genau diese Ehrlichkeit fehlt Boris Becker noch, bestätigte ihm die Richterin Deborah Taylor am Southwark Crown Court. „Ich akzeptiere zwar Ihre Demütigung als Teil des Verfahrens, aber Sie selbst haben keine Demut gezeigt“, kritisierte sie den Tennis-Star. Das wird Becker nun lernen müssen, sonst funktioniert die Karriereplanung nach der Haft nicht.

Trotz ihrer mahnenden Worte an Becker hat die Richterin das Strafmaß mit 2,5 Jahren recht gering gehalten. Bei guter Führung ist er nach anderthalb Jahren auf Bewährung wieder auf freiem Fuß. Apropos: Boris Becker hat sich noch einmal die Schuhe zugebunden, bevor er den Weg ins Gefängnis angetreten ist. Ein seltsames Bild, vielleicht hat er einen Moment überlegt, ob er einfach davonläuft.

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Glaube, Liebe, Hoffnung

Boris Becker ist dann geblieben und mit hochrotem Kopf in den Sicherheitstrakt geschritten. Von hier aus wird er dann in seine Zelle gefahren. Dort kann er überlegen, wo denn nun der Pokal ist, den er für seinen ersten Sieg bei ein Grand-Slam-Turnier 1985 bekommen hat und ob es wirklich geschickt war, es sich in der Insolvenz noch so gutgehen zu lassen, während seine Gläubiger vergeblich auf ihr Geld warten.

Natürlich könnte er noch einmal in Berufung gehen, allerdings wäre damit auch die Chance für einen Neustart gering. Trotz all seiner Frauengeschichten und den dazugehörigen Skandälchen erfreut sich Boris Becker nämlich in England und Deutschland noch recht großer Beliebtheit. Wenn er Reue zeigt, wird er mit offenen Armen als Ex-Häftling empfangen – zumindest vom Volk. Ob seine reiche Freundin auf ihn wartet?