Britney Spears: Bringt ihr nackter Wahnsinn sie zurück in die Klinik?

Leni HübnerLeni Hübner | 04.03.2022, 20:15 Uhr
Erschrockene Britney Spears im Glamourkleid auf dem roten Teppich
Erschrockene Britney Spears im Glamourkleid auf dem roten Teppich

Foto: IMAGO/ MediaPunch

Endlich frei: Britney Spears genießt es, eigene Entscheidungen treffen zu können, aber oft wirkt sie neben der Spur oder total überdreht. Das könnte daran liegen, dass sie nun jede Therapie ablehnt.

Der 12. November 2021 war ein guter Tag für Britney Spears (40): Endlich entschied das Gericht, dass die Vormundschaft aufgehoben wird und der Popstar wieder ein freier Mensch ist. Seither scheint das Leben für Britney ein Fest zu sein. Allerdings sind die Grenzen zwischen gesunder Freude und totaler Überdrehtheit fließend – gerade für Menschen mit einer bipolaren Störung.

Keine Hochphase ohne Tief

Ihr Instagram-Profil gleicht – rein optisch – einem Schaubild für extreme Hochphasen, während ihre Kommentare eher auf depressive Stimmungen verweisen. Stand Britneys Nacktheit anfangs dafür, sich als selbstbewusste Frau zu inszenieren, wirkt es nun schon fast zwanghaft, die Hüllen fallen zu lassen. Auch ihre Vorliebe für Großbuchtstaben und ihre mangelhafte Klarheit in Erzählungen, zeigen, wie stark ihre Wut noch ist und wie wenig sie ihre Emotionen steuern kann.

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„Ich musste so viel Therapie über mich ergehen lassen“, erklärt Britney Spears ihren Fans auf Instagram, „zehn Stunden am Tag und sieben Mal die Woche“. Das erscheint uns Laien zu viel, ist aber zum Beispiel auch in Tageskliniken ganz normal. Dabei sitzt man nicht die ganze Zeit in einer Gesprächstherapie, sondern es gibt verschiedene Therapieansätze wie Ergotherapie, Bewegungstherapie, auch Kunsttherapien werden oft angeboten.

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Therapie ist wichtig

Dazu gibt es häufig Gruppenangebote und auch einfache Freizeitangebote. „Gerade Menschen, die früh berühmt geworden sind, haben oft keine Chance, ihre eigene Identität auszubilden“, erklärt Diplom Psychologin Antje Latendorf klatsch-tratsch.de, „das heißt, sie funktionieren manchmal nur in ihrer Rolle als Berühmtheit, aber wissen gar nicht, wer sie als Mensch sind.“

Während wir also beim Aufwachsen lernen, Klassenkameradin, Freundin, Tochter und ähnliche Rollen zu übernehmen, bleibt das Privatleben der jungen Menschen zwischen Auftritten, Promo-Terminen und Training auf der Strecke. „Bei Kinderstars dauert es häufig Jahre, diese Entwicklungsschritte in der Therapie aufzuholen und sozusagen ‚nachzureifen‘.“

Bipolar ist man ein Leben lang

Falls Britney Spears darüber hinaus tatsächlich bipolar ist, werden Psychologen und Therapeuten auch mit ihr daran gearbeitet haben, die eigenen Stimmungsschwankungen kennenzulernen und einschätzen zu können. „Man muss hellhörig werden und beobachten, wie die Amplituden verlaufen und sich bewusst machen, dass es nach einem hohen Peak wieder bergab geht“, meint Antje Latendorf.

Ob Britney Spears in einer einzigen Hochphase ist, darf bezweifelt werden. Eine bipolare Störung ist eine chronische Erkrankung, das heißt, es gibt keine Heilung, aber sehr gute Methoden, die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern und sie im Alltag zu stabilisieren. Dabei wird man heute nicht mehr mit Psychopharmaka ruhiggestellt, wie es in Hollywoodfilmen gern gezeigt wird, sondern die Medikamente unterstützen die Therapien.

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Die beiden Schwestern Jamie-Lynne und Britney haben sich früher gut verstanden, hier 2005, doch nun herrscht Eiszeit.

Foto: Shutterstock/ Tinseltown

Die Vergangenheit aufarbeiten

Britney Spears verbindet mit Therapeuten und Kliniken scheinbar nur noch „Zwang“. Sie erklärt sich nicht gern, deshalb ist sie gern mit Tieren zusammen. Zu einem Bild mit ihrem Lieblingspferd Tango schreibt sie, dass sie bei ihm keine Worte braucht, um sich verstanden zu fühlen. Durch ihn habe sie gelernt, Augen als Fenster zur Seele zu erkennen: „Zu viele haben in meine gesehen, zu viele haben sie erschreckt“, schreibt sie auf Instagram: „Passt auf eure Augen auf, meine Freunde!“

Doch vielleicht wäre es wichtig, gerade jetzt noch einmal die Hilfe von Therapeuten in Anspruch zu nehmen, auch um zu verarbeiten, was ihr Vater James Spears (69) ihr angetan hat – in den zwölf Jahren als Vormund, aber auch vorher, als er gemeinsam mit Mutter Lynne (66) die Karriere der jungen Britney Spears vorantrieb, vermutlich ohne auf ihre Bedürfnisse zu achten.

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Es ist nie „vorbei“

„Es ist vorbei, weil meine Medikamente wirken“, verkündet Britney Spears auf Instagram. Und tatsächlich ist es möglich, dass sie einen Arzt gefunden hat, der ihr regelmäßig die Rezepte für diese Medikamente gibt, ohne weitere Fragen zu stellen. Doch gesund erscheint das nicht. Der Zusammenbruch 2007 war kein Fake, das war Britneys Realität. Sie sollte sich um sich kümmern, bevor es wieder andere tun, die sich mehr für den Popstar als für den Mensch Britney interessieren.