Thomalla, Tschirner, Schropp und Vettel: Diese Promis rühren die Wahlkampftrommel

dpadpa | 17.09.2021, 18:41 Uhr
Der Sänger Roland Kaiser wirbt für die SPD.
Der Sänger Roland Kaiser wirbt für die SPD.

Jörg Carstensen/dpa

Ein Rapper reimt: „Demokratie ist zerbrechlich; siehst du sie als selbstverständlich, Digga, das rächt sich.“ 2021 ist ein besonderes Wahljahr. Promis mischen intensiver denn je mit – und gehen auch unkonventionellere Wege als sonst.

Im Wahljahr 2021 scheint das Volk so gespalten wie nie zuvor. Gut zehn Tage vor der Bundestagswahl zeigt das Stimmungsbarometer ein zersplittertes Bild zwischen den Parteien. Wo setzen die Prominenten dieses Jahr das Kreuz? Die Meinungen fallen auseinander.

Viele Prominente rufen dazu auf, am 26. September wählen zu gehen. Unter dem Hashtag #gehwählen summieren sich mittlerweile Meinungen jeglicher Couleur – von links bis zu konservativ. Manche Promis werden dabei parteipolitisch konkreter und rühren kräftig die Werbetrommel für „ihre“ Partei.

Diesmal sind es aber eben nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Sänger und SPD-Urgestein Roland Kaiser (69), FDP-Fan Wigald Boning (54), die Unions-Unterstützer Leslie Mandoki (68) und Schauspielerin Uschi Glas (77) oder der Pianist und Grünen-Unterstützer Igor Levit (34).

Zur Wahl gerappt kommt Eko Fresh

„Du bestimmst, wer auf dem Thron sitzen soll. Geht wählen!“, sagt die Schauspielerin Sibel Kekilli (41) in einem vom Bundespräsidenten veröffentlichten Video. Mit der Thronformulierung spielt sie auf ihre Rolle in der Serie „Game of Thrones“ an. Ebenfalls in dem Clip zu sehen sind etwa der Fußball-Star Toni Kroos (31) und Lukas Rieger. Der 22 Jahre alte Sänger appelliert vor allem an die junge Wählerschaft. Das Video schließt mit Präsident Frank-Walter Steinmeier selbst: „Es geht um so vieles – es geht um die Zukunft unseres Landes. Jede Stimme zählt!“

„Steh auf, geh raus, setz dein Kreuz!“, ruft der Kölner Rapper Eko Fresh (38) zum Wählengehen auf. „Demokratie ist zerbrechlich; siehst du sie als selbstverständlich, Digga, das rächt sich“, rappt er und spielt damit auf das Erstarken der rechten Kräfte an, bleibt parteienpolitisch dann aber lieber neutral.

Sophia Thomalla unterstützt Laschet

Neben dem ehemaligen Profiboxer Vitali Klitschko (50), der mittlerweile selbst die politische Laufbahn als Bürgermeister von Kiew eingeschlagen hat, macht sich auch Sophia Thomalla (31) für die Union stark. Vor knapp zehn Jahren trat Sophia Thomalla in die CDU ein, weil sie sich bei der Partei um Angela Merkel immer „geborgen“ fühlte. Beide Frauen kennen sich persönlich. 2017 war sie von Merkel unter dem Motto „Frauen im Fokus“ zu einem öffentlichkeitswirksamen Schnitzelessen eingeladen.

Und auch die Eisschnellläuferin und frühere Olympiasiegerin Claudia Pechstein (49) hat sich der CDU verschrieben. In dem Berliner Bezirk Treptow-Köpenick tritt sie selbst für die Christdemokraten zur Wahl in den Bundestag an.

Wählen Künstler immer grün?

Gemäß dem Klischee, dass sich Kultur- und Medienschaffende gern grün engagieren, haben Baerbock und ihre Partei tatsächlich besonders viele Fürsprecher. Mehr als 30 Künstler unterzeichneten einen Brief, in dem sie sich für eine „ökologische Transformation“ einsetzen. Darunter die Schauspieler Steffi Kühnert (58), Nora Tschirner (40) und Milan Peschel (53), der Musiker von „Die Ärzte“ Bela B (58), Regisseur Leander Haußmann (62), BAP-Musiker Wolfgang Niedecken (70), Bestseller-Autor Frank Schätzing (64) und die Musikerin Judith Holofernes (44) von der Band „Wir sind Helden“.

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AnnenMayKantereit: „Hurra diese Welt geht unter“

Auf Wahlkampfveranstaltungen der Grünen ließen sich zudem auch schon die Schauspielerin Nora Tschirner sehen oder der Musiker Henning May (29) von der Band AnnenMayKantereit. Bei „Fridays-for-Future“ demonstrierte Henning oft mit und gab der Klimaschutzbewegung durch seinen unverwechselbar rauen Gesang eine Stimme. Der Song „Hurra diese Welt geht unter“, den er gemeinsam mit den Rappern von K.I.Z. aufnahm, wurde zur Hymne der jungen Klimaschützer.

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Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel wählt grün

TV-Gesichter wie Jasna Fritzi Bauer (32) und Jochen Schropp (42) bekannten sich ebenfalls zu ihrer grünen Präferenz. Im „Spiegel“ kündigte auch der viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel (34) an, grün zu wählen. Ob er damit sein Gewissen reinwaschen will? Immerhin ist seine Sportart nicht die Umweltverträglichste, wenn es nach den Maßstäben Greta Thunbergs geht.

Heike Makatsch strampelt auf dem Rad

Statt sich in einen schnellen Sportflitzer zu setzen, strampelt sich der Umwelt zuliebe Heike Makatsch lieber auf ihrem Fahrrad die Waden straff. Als Botschafterin der Hilfs- und Entwicklungsorganisationen OXFAM erklärte sie, dass Ökostrom, Energiesparlampen, Recycling für sie schon längst eine Selbstverständlichkeit seien.

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Promis lieben den Chef der Berliner Kultur: Klaus Lederer

Auf Landesebene tritt Klaus Lederer (47) für die Linken in Berlin an. Auch er versammelt hinter sich einen prominenten Unterstützerkreis. 101 bekannte Kulturschaffende unterzeichneten kürzlich einen Wahlaufruf für den Politiker. Dabei waren unter anderem die Schauspielerinnen Corinna Harfouch (66) und Katharina Thalbach (67) sowie Schriftstellerin Sibylle Berg (59). Sie schmückten Lederer mit Attributen wie der „bester Kultursenator, den wir je hatten.“

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Joop oder Thelen: Wer Geld hat, wählt die FDP

Und dann wäre da natürlich noch die FDP. Ob Sky du Mont (74), der 2018 aufgrund gescheiterter Sondierungsgespräche aus der FDP ausgetreten ist, seine Stimme der Partei gibt, ist nicht sicher. Sicher auf Seite der Liberalen stehen hingegen Komiker Wigald Boning (54) und Modedesigner Wolfgang Joop (76).

Einer der bekanntesten Unterstützer der FDP dürfte der ehemalige TV-Investor aus „Die Höhle der Löwen“ Frank Thelen (45) sein. Auf Twitter verkündete der 45-Jährige, dass er 500.000 Euro gesammelt und an die Liberalen gespendet habe. Das Ziel hinter dieser reichhaltigen Spendenaktion: Mit einer rot-rot-grünen Regierung befürchte er „verheerende“ Folgen. Diese müsse in jedem Fall verhindert werden.

Natalia Wörner unterstützt ihren Mann

Roland Kaiser ist wieder für die Sozialdemokraten im Einsatz und sagt in einem Video: „Und ich wünsche mir von der SPD und Olaf Scholz, dass sie die Dinge, die sie den Wählerinnen und Wählern vorher versprochen haben, hinterher einlösen.“ Öffentlichkeitswirksame Unterstützung erhalten die Sozialdemokraten natürlich auch von Schauspielerin Natalia Wörner (54) – wen wundert es – der Lebensgefährtin von Außenminister Heiko Maas (54). Die 54-Jährige wirbt für die ehemalige Familienministerin Franziska Giffey (43) mit der sie im vergangenen Jahr die Kampagne #sicherheim, gegen häusliche Gewalt an Frauen ins Leben rief.

Natalia Wörner gemeinsam mit ihrem Mann Bundesaußenminister Heiko Maas auf dem Roten Teppich

IMAGO / Eventpress

Juli Zehs Kritik an der SPD: Kultur- statt Klassenkampf

Kritische Stimmen gibt es hingegen von der Schriftstellerin Juli Zeh („Unterleuten“). 2017 fügte die Schriftstellerin ihrem literarischen Ruf einen politischen hinzu und trat der SPD bei. Die promovierte Juristin, die mittlerweile auch das Amt Verfassungsrichterin in Brandenburg innehat, ist nach eigener Aussage „leider gerade mit allen Parteien ziemlich unglücklich“. Der „Augsburger Allgemeinen“ sagte die 47-Jährige: „Der Wahlkampf scheint mir an den Problemlagen recht weit vorbeizugehen.“ Momentan werde der sogenannte Klassenkampf – also das Streiten verschiedener Gruppen um einen fairen Ausgleich – durch eine Art Kulturkampf ersetzt. Es gehe viel darum, „was man denken soll, wie man reden soll, wie man leben soll“.

Juli Zeh positioniert sich gegen die SPD.

IMAGO / APress

Diese Stars äußern sich kritisch

Neben Juli Zeh gibt es auch andere Promis, die bei der Bundestagswahl ihren Zweifel an den Kandidaten der großen Parteien äußern. Die drei Musiker der Band Silly antworteten auf die Frage, wen sie von Laschet, Scholz und Baerbock gern als Nächstes an der Spitze hätten: „Keinen von den dreien.“ Und der Musiker Clueso (41) sagte dem „Zeit Magazin“, er halte nichts davon, dass Promis für Parteien werben: „Künstler sind keine gute Reklame, weder für Gott noch für sonst irgendwas. Sie sind alle Egoisten. Deswegen würde ich meinen Mund nicht so voll nehmen.“ (MG)