Elon Musk: Womit er uns 2022 das Fürchten lehrt

Leni HübnerLeni Hübner | 15.12.2021, 16:51 Uhr
Elon Musk: Womit er uns 2022 das Fürchten lehrt
Elon Musk: Womit er uns 2022 das Fürchten lehrt

Foto: IMAGO/ ZUMA Wire

Der reichste Mann der Welt ist nun auch noch „Person oft he Year“. Seine Zukunftspläne hingegen sind nicht preiswürdig, sie bereiten Sorgen.

Kaum ein anderer Unternehmer spaltet die Gesellschaft so sehr in Fans und Hater wie Elon Musk. Der 50-Jährige ist eben niemand, der still im Hintergrund wirkt, dabei sind seine Pläne oft genial, aber nicht zu Ende gedacht. Manchmal neigt er sogar zum Größenwahn, was bei seinem mächtigen Einfluss in der Wirtschaft und in der Politik gruselig ist.

Ausgezeichnetes Genie

Viele seiner Tweets schreibt der Dauer-Twitter-Nutzer übrigens auf dem Klo, vielleicht entstehen dort auch die meisten seiner innovativen Ideen. Das renommierte Time Magazine, das Musk gerade erst die Auszeichnung zur „Person of the Year“ verlieh, bezeichnet ihn als Clown, Visionär, Unternehmer, Genie und Kumpel. Zusammengenommen dienen diese Titel wie eine Umschreibung für einen Wahnsinnigen, der genug Geld hat, seine schlechten Scherze in die Tat umzusetzen. Randnotiz: Musk größter Flop war der Aufbau des Comedy-Unternehmens „Thud“.

Im nächsten Jahr will Elon Musk, der seine ersten Millionen bekanntlich durch den Verkauf des Technologieunternehmens „zip2“ und seiner „Paypal“-Anteile gemacht hat, nicht nur zum Mars durchstarten: Sein Herz hängt auch an der Entwicklung eines Geräts, dass die Kommunikation des menschlichen Gehirns mit einem Computer ermöglicht. Natürlich steckt da viel Hoffnung drin für Menschen mit Rückenmarksverletzungen und ähnlichen Erkrankungen, doch man muss kein Sci-Fi-Fan sein, um sich noch weitere Einsatzmöglichkeiten für den Chip zu überlegen.


Roboter statt Menschen

Bereits im nächsten Jahr möchte Musk mit Experimenten am Menschen beginnen. Sein größter Erfolg ist in dem Projekt bisher der Versuch mit einem Affen, der durch den Chip tatsächlich ein Videospiel allein mit Hilfe seiner Gedanken spielen konnte. Das US-amerikanische Zentrum für Arzneimittelbewertung und -Forschung FDA tut sich dennoch schwer mit der Erlaubnis, den Affen durch eine menschliche Testperson zu ersetzen.

Der Chip wird nämlich direkt ins Hirn transplantiert. Was also, wenn der Chip gehackt wird? Was für Auswirkungen hat das auf den Menschen und wie perfide können Kriminelle den Link ins Denkzentrum für sich nutzen? Gleichzeitig entwickelt Musks andere Erfolgsfirma Tesla einen humanoiden Roboter. „Optimus“ heißt er und soll bei allzu monotonen Handlungen den Menschen ersetzen oder bei sehr gefährlichen Aufgaben zum Einsatz kommen.

Grenzenlose Möglichkeiten

Wenn also ein Krimineller sich einen Chip einpflanzen lassen würde, könnte er den Roboter so steuern, dass der das Verbrechen ausübt, oder? Und wer ist dann schuld? Das ist natürlich eine rein spekulative Frage. Aus dem Projekt „OpenAI“, das sich der Erforschung künstlicher Intelligenz widmet, hatte sich Elon Musk 2019 nach einem Interessenkonflikt zurückgezogen.

Ein Interessenkonflikt besteht ja eigentlich auch darin, dass Elon Musk mit Tesla umweltfreundliche Technologien erforscht und mit seinen E-Autos und Solar-Systemen zukunftsträchtige Konzepte verfolgt, während er zugleich das Klima mit seinen SpaceX-Unternehmen überstrapaziert und für sein neues Werk in Brandenburg die Natur zerstört.

Das Ende der Welt

Die Times formuliert es so: „Er schießt Satelliten in die Umlaufbahn und macht sich die Sonne zunutze; er fährt ein von ihm geschaffenes Auto, das kein Benzin verbraucht und ohne einen Fahrer auskommt. Mit einem Fingerschnipp steigt der Aktienkurs in die Höhe oder fällt in Ohnmacht. Eine Armee von Devotees hängt an jeder seiner Äußerungen. Er träumt vom Mars, während er die Erde überfährt, mit kantigem Kiefer und unbezwingbar.“

Die Absicht dieser frisch gekürten Person des Jahres, den Weltraumtourismus bezahlbar zu machen und den Mars zu besiedeln, sind zwei Absagen an den Planeten Erde. Denn allein bei einem Raketenstart werden 200 bis 300 Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. Der Abbau dauert etwas 120 Jahre. Auch bei Wasserstoff-betriebenen Raketen ist der Start keineswegs CO2-neutral, die Herstellung des Treibstoffs ist es nämlich nicht. Zudem wird die Ozonschicht mit jedem Flug beschädigt.

Zu viel Macht

Nebenbei setzt Elon Musk Politikern hier auf ErdenGrenzen oder macht Auflagen bei dringend benötigten Spenden, indem er seine Unterstützung an Bedingungen knüpft – zuletzt forderte er den UN-Experten David Beasley, konkretere Pläne zu machen, um den Welthunger einzudämmen. Beasley tat wie ihm geheißen, doch die Zahlungen des Milliardärs stehen noch aus.

Dem Gedanken der US-Regierung, Milliardäre künftig stärker zu besteuern, indem nicht nur Zahlungen fällig werden, wenn die ihre Aktien veräußern, sondern der Besitz schon steuerpflichtig wäre, ist Musk mit einer Twitter-Aktion entgegengetreten. Er ließ abstimmen, ob er zehn Prozent seiner Tesla-Aktien verkaufen solle, um dann die entsprechende Steuer freiwillig auszulösen.

Frauenfeindlich und ausbeutend

Verschleiert hat er damit sehr geschickt, dass er so nur 5 Milliarden zahlt statt der geforderten 7,8 Milliarden. Mit einem geschätzten Vermögen von 320 Milliarden ist das alles machbar. Und noch mehr. So könnte er die Arbeitsbedingungen in seinem Tesla-Werk verbessern, doch der Workaholic meint: „Niemand hat je die Welt mit 40 Stunden pro Woche verbessert.“

Er lehnt Gewerkschaften ab, hält nichts von der Gleichberechtigung und selbst seine Familie ist ihm nicht wichtig genug, irgendwas an seinem übergroßen Ego zu ändern. Wohin das führen kann, wird sich im nächsten Jahr sicher zeigen. Ob es allen gefällt oder nicht.