Erfolgsautorin Dora Heldt wird 60

dpadpa | 07.11.2021, 15:29 Uhr
Die Autorin Dora Heldt wird 60.
Die Autorin Dora Heldt wird 60.

Christian Charisius/dpa

Mit humorvollen Familienromanen wie „Urlaub mit Papa“ hat sich Dora Heldt in die Herzen meist etwas reiferer Leserinnen geschrieben. Inzwischen wagt sie sich, wie aktuell in „Drei Frauen, vier Leben“, auch an Tiefgründigeres.

„Vom Vater hab‘ ich die Statur, des Lebens ernstes Führen, vom Mütterchen die Frohnatur und Lust zu fabulieren“, reimte einst Goethe.

Ähnliches darf auch Dora Heldt über ihre Herkunft sagen. „Von meinem Vater haben meine Geschwister und ich Disziplin gelernt – er war Soldat bei der Bundeswehr und typisches Mitglied der Wiederaufbau-Generation“, erinnert sich die in Hamburg lebende Schriftstellerin an ihre als überaus glücklich empfundene Kindheit.

„Meine Mutter dagegen ist eine tiefenentspannte Sylterin voller Humor“, sagt sie der Deutschen Presse-Agentur. Beider Eigenarten hätten sie geprägt. Und sind wohl am Ende ein Grund, warum aus Heldt, die sich als Autorin den Namen ihrer Großmutter zugelegt hat, eine der meistgelesenen Verfasserinnen unterhaltsamer Romane über und für etwas reifere Frauen geworden ist.

„Urlaub mit Papa“ (2008) oder auch „Tante Inge haut ab“ (2009) – so heißen ihre gern vom ZDF verfilmten Familiengeschichten. Durch Situationskomik und Mutterwitz bestechend, lösen sie bei Leserinnen oft einen Wiedererkennungseffekt aus. Zuletzt hat sich die Autorin mit „Drei Frauen am See“ (2018) und der Fortsetzung „Drei Frauen, vier Leben“ (2021) an tiefgründigere Themen gewagt. Es geht um geplatzte Träume und Tod, um erloschene Freundschaften und deren gelungenes Kitten nach Jahren.

Ein neuer Ton, der durchaus Mut machen will – doch an den sich manche Heldt-Fans vielleicht erst noch gewöhnen müssen. Die Autorin, die am 10. November 60 Jahre alt wird, plant bereits eine Geschichte, die die besondere Boshaftigkeit einer darin vorkommenden Frauenfigur näher beleuchten und verstehen lassen will.

Mit ihrem runden Ehrentag tut sich Heldt eher leicht, wie sie weiter sagt. „60 – das ist zwar eine andere Geschichte als 50“, sinniert die klar und sportlich wirkende geborene Sylterin mit kraftvoller Stimme. Um erzählfreudig anzuschließen: „Ich hatte mit dem Älterwerden aber nie Probleme. Und mein Vater hat gesagt, 60 sei sein schönster Geburtstag gewesen. Man muss sich nichts mehr beweisen und muss nicht von jedem gemocht werden. Das finde ich eine tolle Haltung.“

Mit dem Schreiben hat Heldt erst spät begonnen – mit Mitte 40. Am Anfang stand auch da die Liebe zu Literatur und Sprache. „Schon mit sieben hatte ich einen Bibliotheksausweis. Ich habe immer gelesen“, sagt die Autorin, die wegen des Berufs ihres Vaters an vielen Orten aufgewachsen ist. Ihren Wunsch, Journalismus zu studieren, gab sie zugunsten einer Buchhändlerlehre in Bonn auf. „Es war von Anfang an der richtige Job“, so Heldt, die schnell und präzise spricht.

Durch Zufall wurde sie dann 1986 Verlagsvertreterin, besuchte Buchhandlungen im Norden. Doch ganz zufrieden war sie, die privat etwa die fein gesponnenen Krimis von Ingrid Noll (86, „Die Apothekerin“) schätzt, dabei nicht. „Ich war nie beruhigt. Hatte immer ein großes Problem mit Abhängigkeit – Angst, meinen Job zu verlieren. Und dann kein Geld mehr zu haben, meine Wohnung zu bezahlen“, gesteht Heldt, „ich neige zu Katastrophenszenarien.“

Sie heiratete, ließ sich wieder scheiden. Zog nach Hamburg, kannte dort kaum einen – und begann, sich in ihrer reise- und lesefreien Zeit zu langweilen. In dieser Situation wies ein befreundeter Literaturagent sie darauf hin, dass es fast keine Unterhaltungsromane für Frauen um die 40 gebe. „Schreib mir mal ’ne Scheidungsgeschichte“, sagte der Freund. „Ich hatte ja meine Scheidung. Ich schreibe jetzt mal das Buch, das ich gern in dieser Trennungszeit gelesen hätte“, erinnert sich die spätere Bestsellerautorin an ihren Erstling „Unzertrennlich“ (2006).

Zehn Jahre lang betrieb Heldt beide Berufe nebenbei. Ihre Einnahmen, die sie auf einem Sparbuch aufhäufte, rührte sie lange nicht an – bis sie sich dann doch eine Wohnung kaufte. Und letztendlich von ihren wirtschaftlichen Urängsten befreit ist. Problematisch wurde das Nebeneinander ihrer Tätigkeiten, als sie immer mehr Lesungstermine wahrzunehmen hatte. Längst ist sie freie Schriftstellerin.

Ihr Schaffen würdigt auch der Kulturredakteur Daniel Kaiser vom NDR-Bücher-Podcast „eat.READ.sleep“: „Dora Heldt schreibt Unterhaltungsliteratur im allerbesten Sinne. Mit ihren Familien- und Frauenromanen hat sie in diesem Genre Trends gesetzt“, sagt er dpa.

Inspirationen erhält Heldt im Alltag. „Ich höre alles gnadenlos mit – zum Beispiel, wenn ich mit dem Bus fahre. Ich hasse zwar laute Gespräche von anderen, merke mir das aber auch immer.“ Der Frauenemanzipation sei sie zugetan, aber mit einigem Abstand. „Als ich so 18, 19 war, hatte ich auch Henna im Haar und trug eine lila Latzhose“, sagt Heldt, „doch es gab einen Punkt, da hörte mein Engagement ein bisschen auf.“ Extreme möge sie nicht, zudem hätten relativ wenig Frauen die Möglichkeiten genutzt, die sie gehabt hätten: „Natürlich finde ich es unmöglich, wenn Frauen weniger Geld bekommen – aber dann müssen sie auch besser verhandeln.“

Geschrieben wird auf Sylt – dort hat Heldt seit Kindertagen alle ihre Ferien verbracht. „Ich komme an und werde sofort langsamer. Man hat immer das Gefühl, man wird ein bisschen geerdet“, beschreibt die Autorin die Nordseeinsel, die ihr auch Seelenheimat ist. „Die Natur – See, Sturm, Nebel und Licht – gibt den Rhythmus vor. Sie ist immer größer als man selbst.“