SchauspielerinEva-Maria Hagen: Die „Brigitte Bardot der DDR“ und Mutter von Nina Hagen ist tot

Nina Hagen und Mutter Eva-Maria Hagen
Nina Hagen und Mutter Eva-Maria Hagen

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Paul VerhobenPaul Verhoben | 19.08.2022, 13:28 Uhr

Schauspielerin Eva-Maria Hagen ist gestorben. Nach ihrer Beziehung mit dem später ausgewiesenen DDR-Liedermacher Wolf Biermann gelang sie zunehmend in die Schusslinie der DDR-Führung.

Schauspielerin Eva-Maria Hagen ist tot. Die Mutter von Punk-Ikone Nina Hagen und Schauspiel-Enkelin Cosma-Siva Hagen würde 87 Jahre alt.

In einer zunächst zuerst von „Bild“ verbreiteten gemeinsamen Erklärung von Nina Hagen und deren Kindern Cosma und Otis heißt es: „Am 16. August 2022 hat unsere geliebte Eva-Maria Hagen diese irdische Welt verlassen und ist uns in die ewige Heimat vorausgegangen. Wir trauern voller Sehnsucht, in Liebe und Dankbarkeit.“

Eva-Maria Hagen 1968

IMAGO / Frank Sorge

Eva-Maria Hagen war in den 1960ern ein DDR-Kinostar

Wegen vieler Rollen als busenbetonte Kunst-Blondine galt sie lange Zeit auch als „Brigitte Bardot der DDR“. Filme wie „Vergeßt mir meine Traudel nicht“ (1957), „For Eyes Only“ (1963), „Reise ins Ehebett“ (1966) oder „Meine Freundin Sybille“ (1967) schrieben DDR-Filmgeschichte.

Auch im Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“ (1973) hatte Eva- Maria Hagen eine Rolle.

Ausbürgerung aus der DDR

Von 1965 bis 1972 war die Schauspielerin, Sängerin, Malerin und Buchautorin mit Liedermacher Wolf Biermann liiert. Ende 1976 wurde sie aufgrund ihres Protestes gegen die kurz zuvor erfolgte Ausbürgerung Biermanns aus der DDR kaltgestellt. So erging es damals auch zahlreichen anderen Künstlern der DDR. 1977 wurde ihr schließlich die Staatsbürgerschaft der DDR entzogen und sie siedelte zusammen mit ihrer Tochter Nina Hagen in die Bundesrepublik Deutschland über. Während ihre Tochter eine Weltkarriere als Punk-Musikerin hinlegte, blieb Eva-Martins Hagen ihrem Fach treu, begann mit Engagements in kleinen Theatern und Fernsehrollen in Westdeutschland.

Im Fernsehen übernahm sie später Gastrollen in Serien wie „Stubbe – Von Fall zu Fall“, „Pfarrer Braun“, „Der Dicke“ und „Großstadtrevier“.

Wolf Biermann widmete ihr nach dem Wechsel in den Westen 1981 die Ballade „Ich leb‘ mein Leben, sagt Eva Marie.

„Eva und der Wolf“

1998 veröffentlichte sie ihre erste Autobiografie „Eva und der Wolf“. Dazu sagte Hagen 2010 im Gespräch mit „planet-Interview.de“: „Nach der Lektüre der Stasi-Akten Anfang der 90er Jahre war ich erstmal sprachlos über den Aufwand, der da von einer ausgebildeten, gleichzeitig auch dilettantisch agierenden Schnüffelbande getrieben worden war: dieses Ausmaß an Überwachung hatte niemand vermutet. Und ich beschloss, den akribisch erfassten Beobachtungen der Aufschreiber vom Dienst meine Berichte und Briefe an und von meiner Liebe entgegenzusetzen und zu veröffentlichen, damit, wenn ich nicht mehr da bin, nicht nur das Geschmiere von den Horchern an der Wand übrig bleibt aus dieser auch wunderbaren und aufregenden Zeit.“

Übrigens: Tochter Catharina, die später unter dem Namen Nina Hagen Karriere machte, entstammt der fünfjährigen Ehe (1954 – 1959) von Eva-Maria mit Drehbuchautor Hans Oliva-Hagen („Karbid und Sauerampfer“, „Gewissen in Aufruhr“), der später in der DDR auch in Ungnade fiel.