Gil Ofarim: Das ergaben die Hotel-Untersuchungen

Sebastian GrünbergerSebastian Grünberger | 20.10.2021, 16:40 Uhr

IMAGO / STL

Weitere Wendung im Fall Gil Ofarim: Nach den schweren Vorwürfen des Musikers gegenüber einem Hotel liegt nun ein Untersuchungsbericht vor.

Der Antisemitismusstreit zwischen Gil Ofarim (39) und einem Leipziger Hotel geht weiter. Ein 118 Seiten umfassendes Gutachten einer Rechtsanwaltskanzlei soll den von Ofarim beschuldigten Hotelmitarbeiter nun entlasten.

Eine kurze Chronologie des Skandals

Der Musiker — Deutscher mit jüdischen Wurzeln — hatte am 5. Oktober 2021 in einem Social-Media-Video behauptet, er sei von einem Hotelmitarbeiter aufgrund seiner Davidsternkette antisemitisch beleidigt und nicht drangenommen worden. Ofarim erhob Anzeige. Der betreffende Mitarbeiter wurde daraufhin vorübergehend suspendiert, das Hotel erfuhr einen regelrechten Shitstorm. Der Beschuldigte verklagte Ofarim wegen Verleumdung, das Hotel leitete eigene Untersuchungen ein.

Nach und nach kamen Zweifel an der Erzählung des Musikers auf — Zweifel, die sich verhärteten, als Überwachungsvideos jenes Abends ihn ohne sichtbar getragene Kette zeigten. Ofarim, der sich nach wie vor als Opfer sieht, sieht darin keinen Widerspruch und bleibt bei seiner (mittlerweile aber etwas abgeänderten) Version.

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Das offizielle Statement des Hotels

Diese Untersuchungen liegen nun in Schriftform vor. Das Hotel The Westin Leipzig erklärt dazu in einer von mehreren deutschen Medien zitierten Mitteilung: „Die Rechtsanwälte haben das Geschehen in der Lobby des Hotels rekonstruiert und sind unter Berücksichtigung aller verfügbaren Beweismittel zum Ergebnis gekommen, dass keine objektivierbaren Anhaltspunkte vorliegen, die es rechtfertigen würden, strafrechtliche oder arbeitsrechtliche Maßnahmen gegen den beschuldigten Mitarbeiter zu ergreifen“. Für die Untersuchung bekam das Anwaltsteam Zugang zu den Zeugenaussagen und Videoaufnahmen. Des Weiteren wurden dafür E-Mails, Check-in-Daten und Telefonanrufe ausgewertet, berichtet „RND“. 

Die Konsequenz der Ergebnisse

Das Hotelmanagement habe aufgrund der Ergebnisse nun entschieden, keine Maßnahmen gegen den beschuldigten Mitarbeiter einzuleiten. Sowohl die Hoteldirektion als auch der Mitarbeiter seien darüber bereits informiert worden, heißt es darin weiter. Der Mitarbeiter habe seine Arbeit im Hotel bereits wieder aufgenommen — allerdings noch nicht in vollem Umfang. Dass die Kontroverse damit zu Ende geht, darf aber bezweifelt werden.