Joachim Löw über Homosexualität und Toupets

Joachim Löw über Homosexualität und seine Frisur
Joachim Löw über Homosexualität und seine Frisur

IMAGO / Schüler

02.06.2021 17:30 Uhr

Die Fußball-EM steht unmittelbar bevor. Für Joachim Löw wird es das letzte Turnier als DFB-Coach sein. Zuvor hat der Nationaltrainer offen wie nie über Gerüchte gesprochen, die um ihn kursieren.

Rund dreißig Jahre lang war Joachim Löw (61) mit seiner Ex-Frau Daniela Löw zusammen. Trotz der langen Ehe hat Jogi Löw keine Kinder, was ihm offenbar gelegentlich zu schaffen macht. Erstmals sprach er darüber.

„Mit 25, 30 oder 35 Jahren habe ich das noch nicht so gesehen“, so der langjährige Nationaltrainer in einem aktuellen, großen Interview mit der „Zeit“. „Da konnte ich es mir vielleicht nicht vorstellen, habe das Thema verdrängt oder weggeschoben. Die letzten zehn Jahre denke ich aber schon immer wieder daran oder darüber nach, wie es gewesen wäre, Kinder zu haben.“

Joachim Löw hat eine große Familie

„Ich habe immerhin einige Patenkinder, und die sind oft bei uns. (…) Natürlich gibt es Momente, in denen ich eigene Kinder sehr vermisse. Ich bin ja in einer Großfamilie aufgewachsen, habe vier Brüder. Meine Mutter hat acht Geschwister. Ich habe zig Cousins und Cousinen. Und alle sind kinderreich. Bei uns war das Haus immer voll“, erklärt er außerdem.

Seit der Trennung von Joachim Löw und seiner Ex-Frau halten sich allerdings die Gerüchte, dass der DFB-Trainer vielleicht doch schwul sei. „Was soll ich sagen? Es ist wie mit dem Toupet. Auch das stimmt nicht“, stellt der 61-Jährige klar.

Im Stadion fehlt noch die Akzeptanz

Thomas Hitzlsperger habe diesen Schritt zum öffentlichen Outing gewagt, als seine Karriere eigentlich beendet war. „Er hat mich dabei ein Stück weit auf dem Laufenden gehalten. In der Gesellschaft ist die Offenheit grundsätzlich vorhanden. Und das ist wichtig. Obwohl sich schon wahnsinnig viel getan hat, fehlt sie aber vielleicht noch ein bisschen im Stadion“, bemerkt Joachim Löw.

Und: Auf die Frage, ob Löw sich outen würde, wenn er selbst schwul wäre, sagt er: „Dann würde ich dazu auch stehen.“

Im großen Interview mit der Wochenzeitung sprach er auch erstmals über die Last und die Leere, die er in seiner 15-jährigen Zeit als Bundestrainer erlebt habe. Es sei furchtbar gewesen, so Löw, alt gedienten Spielern mitzuteilen, dass sie nicht mehr zum Team gehören. „Natürlich berührt mich das, sehr sogar. Manchmal liege ich nachts wach. Ich bin doch auch ein Mensch!“ Und: Auf die Frage, warum er sich nicht richtig über den Weltmeistertitel in Brasilien freuen konnte, antwortet Löw: „Nach dem Turnier war ich nicht weit weg von einer depressiven Verstimmung. Nach jedem Turnier ist da eine Leere. Ich saß da und dachte: Jetzt bin ich hier so allein, wo sind meine Leute, wo ist mein Team, wo sind meine Spieler, wo sind die Ziele?“

(JuC/PV)