Lisa Fitz bleibt auch mit 70 Lisa Fitz

Die Kabarettistin Lisa Fitz wird 70.
Die Kabarettistin Lisa Fitz wird 70.

Tobias Hase/dpa

10.09.2021 14:54 Uhr

Lisa Fitz ist seit Jahrzehnten aus der deutschen Kulturlandschaft nicht wegzudenken. Nun begeht die Kabarettistin einen runden Geburtstag. Eine Party hat sie nicht geplant, aber eine Reise.

Was hätte Lisa Fitz schon anderes werden können als Künstlerin? Ihr Großvater schrieb Theaterstücke, die Großmutter war Opernsängerin, ihr Vater ein Komponist und die Mutter Sängerin und Gitarristin.

Das Bühnen-Gen war bei der 1951 in Zürich geborenen Lisa Fitz also vorhanden – und vollendet ausgeprägt. Am heutigen Mittwoch (15.9.) feiert die in Niederbayern lebende Kabarettistin und Buchautorin ihren 70. Geburtstag.

Dass Lisa Fitz die künstlerische Ader geerbt haben muss, zeigte sich früh: „Ich wollte mit fünf Jahren Kasperl werden, als mich meine Mutter nach dem Berufswunsch gefragt hat“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur, „ihre grandiose Leistung bestand darin, das ernst zu nehmen und zu sagen: „Gut, kannst Du werden, aber auch ein Kasperl braucht eine Ausbildung, wenn er ein guter Kasperl werden will.““

Also habe sie Gitarre gelernt und Gesangsstunden bekommen und – wie sie selbst sagt – mit mäßigem Erfolg Ballettunterricht. Später besuchte der verhinderte Kasperl die Schauspielschule.

Das Kunst-Gen setzte sich durch. Und wie. Eine Weile hatte es gar den Anschein, dass es gar nicht genug verschiedene künstlerische Disziplinen gibt, in denen sich Lisa Fitz am liebsten ausprobieren würde: Sie überzeugte als Sängerin und Songschreiberin, sie machte als TV-Moderatorin eine gute Figur, trat in Film- und Fernsehproduktionen auf und prägt als Kabarettistin seit über vier Jahrzehnten die deutsche Kleinkunst-Szene.

Da stellt sich die Frage, für welche kreative Tätigkeit ihr Herz am lautesten schlägt. „Eindeutig fürs Kabarett und Soloabende“, sagt sie und erklärt auch warum: „Das umfasst ja auch alle aufgezählten Bereiche – singen, schauspielern, schreiben und so weiter. Hier bin ich meine eigene Herrin sozusagen und nicht in eine Hierarchie eingebunden, bei der mir ein Chef sagt, was ich tun muss. Maßstab ist allein das Publikum – und ob es dem gefällt.“

Tut es – wie renommierte Auszeichnungen belegen, etwa der Deutsche Kleinkunstpreis, die Ludwig-Thoma-Medaille und der Bayerische Kabarettpreis. Ihren Erfolg verdankt die seit rund 20 Jahren mit dem österreichischen Künstler Peter Knirsch in Niederbayern lebende Künstlerin – auch – ihrer lockeren Zunge. Fest steht: Das Blatt, das Lisa Fitz vor den Mund nimmt, muss erst noch gefunden werden.

Kein Wunder, dass sie von Political Correctness nicht viel hält. Ist es ihrer Meinung nach heute gefährlicher, unpopuläre Dinge anzusprechen als zu ihren Anfangstagen als Kabarettistin? „Vermutlich“, meint sie „aber wie ich in meinem neuen Programm „Dauerbrenner – das große Jubiläumsprogramm“ sage: Wir haben einen super Zeitgeist, die drei B’s: blutleer, betroffen, beleidigt.“

Einmal in Schwung legt sie nach: Political Correctness mache das Kabarett kaputt. „Ich komme aus einer Ära der Aufklärung, der politischen Aufklärung, der sexuellen Aufklärung. Wir haben eine vertrocknete Sexualmoral über Bord geworfen, anstandslos – und die Frauen auf den Weg gebracht. Wir haben den Mund aufgemacht – zu jeder Zeit. Von mir können Sie nicht erwarten, dass ich mir einen Maulkorb umhängen lasse – es reicht schon die Maske.“

Das klingt beileibe nicht nach seniorenhafter Gemütlichkeit, sondern: nach Lisa Fitz, wie sie leibt und lebt. Die 70 hört man ihr jedenfalls nicht an – und ansehen tut man sie ihr auch nicht. „Ich mache Yoga und ausgiebige Spaziergänge in der Natur, wenn ich nicht auf Tour bin. Da kann ich meine Akkus wieder aufladen“, sagt sie, nach ihrem persönlichen Jungbrunnen befragt, und fügt hinzu: „Und natürlich achte ich auf meine Ernährung. Ohne geht es leider nicht. Aber ich esse sehr gern, vor allem wenn Peter kocht.“

Mit ihrem Lebensgefährten will sie ihren Ehrentag in dessen Heimatstadt Wien feiern: „Wir gehen schick essen und in die Oper. Und am nächsten Tag darf ich mir dann mein ganz persönliches Geschenk aussuchen: sehr ausgefallene Schuhe, die ich mir selbst nicht leisten würde. Ich freue mich schon sehr darauf.“