Rassismus-DebatteMichael Bully Herbig: „Ich sehe dunkle Zeiten auf uns zukommen“

Michael Bully Herbig bei 3 nach 9
Michael Bully Herbig bei 3 nach 9

@ Matthias Hornung

Paul VerhobenPaul Verhoben | 03.09.2022, 10:39 Uhr

Einer, der sich bislang noch nicht zur Debatte über kulturelle Aneignung und Rassismus in den Werken von Karl May geäußert hat, ist Michael Bully Herbig.

Dies holte der Komiker, Drehbuchautor und Regisseur, dessen Westernkomödie „Der Schuh des Manitu“ im Jahr 2001 die „Winnetou“-Verfilmungen der 1960er Jahre parodierte und damit rund 12 Mio. Zuschauer in die Kinos lockte, am Freitagabend im Bremer „3 nach 9“-Studio eindrücklich nach.

Michael Bully Herbig und die Comedy-Polizei

Giovanni di Lorenzos Frage, ob Herbig einen Film wie „Der Schuh des Manitu“ heute noch einmal machen würde, verneinte der Komiker klar: „Die Comedy-Polizei ist so streng geworden. Das nimmt einem ein bisschen die Unschuld. Und die Freiheit.“

Und er fügte hinzu: „Ich finde gewisse Entwicklungen total richtig. Dass man über Dinge spricht, die man heute vielleicht so nicht mehr sagen würde wie vor 20 Jahren, da habe ich absolut Verständnis für. Ich finde nur, dass diese Diskussion ein bisschen polemisch geführt wird. Und ich habe den Eindruck, dass alle im Moment so laut sind, dass keiner dem anderen mehr zuhört.“

Hier ist das Video:

„Man tritt den Leuten heute zu schnell auf die Füße“

Generell sei es heute sehr viel schwieriger, Komödien zu drehen, als noch zu Zeiten der „Bullyparade“, so der geborene Münchner.

Und Michal Bully Herbig führte weiter aus: „Weil man den Leuten inzwischen viel schneller auf die Füße tritt. Wir haben damals nach der Philosophie gelebt, wenn wir diejenigen zum Lachen bringen, die wir auf den Arm nehmen, haben wir alles richtig gemacht. Heute ist es dahingehend schwierig, dass, wenn mir jemand das Totschlagargument entgegenschleudert ‚Du hast meine Gefühle verletzt‘, dann kann ich nicht sagen, ‚Stimmt doch gar nicht‘.“

Michael Bully Herbig sieht künstlerische Freiheit bedroht

Zum Thema „Künstlerische Freiheit“ fand Herbig nachfolgend weitere klare Worte: „Wenn es dann irgendwann mal einen Katalog gibt, in dem steht, über die Person darfst du Witze machen, über diesen Menschen oder Kulturkreis aber nicht, dann kommst du in so ein Fahrwasser. Also ich hätte dann keinen Spaß mehr daran. Und ich sehe, wenn in so eine Richtung weiter galoppiert wird, sehr dunkle Zeiten auf uns zukommen. Dann wird es irgendwann Leute geben die sagen, ‚Ich mache keine Komödien mehr, das ist mir zu heiß‘.“



Schließlich stellte der Erfolgsregisseur, dessen Mediensatire „Tausend Zeilen“ am 29. September in die deutschen Kinos kommt, noch eine Gemeinsamkeit der zwei polarisierten Lager in der „Winnetou“-Debatte fest: „Man kann sagen, sie sind alle mit der Gesamtsituation unzufrieden …“