Mirco Nontschew war „sehr herzlich, sehr uneitel und sehr bescheiden“

Leni HübnerLeni Hübner | 20.12.2021, 21:30 Uhr
Mirco Nontschew: So war er hinter den Kulissen
Mirco Nontschew: So war er hinter den Kulissen

Foto: IMAGO/ Raimund Müller

Den plötzlichen Tod des Comedians haben Freunde und Fans noch nicht verkraftet. Nun erinnert sich eine RTL-Samstag-Nacht-Kollegin an den Menschen Mirco Nontschew.

Seit der beliebte TV-Star am 3. Dezember tot in seiner Wohnung aufgefunden worden ist, suchen Freunde, Verwandte und Fans nach den richtigen Worten, um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. Eine davon ist Tanja Schumann, die mit Mirco Nontschew fünf Jahre lang bei der Kultshow „RTL Samstag Nacht“ vor der Kamera stand.

Viele gute Erinnerungen

Im Podcast der Sendung „Exklusiv“ erinnert sich die 59-Jährige nun an ihre gemeinsame Zeit und deckt Seiten auf, die man dem Ausnahmetalent nicht zugetraut hat. Denn abseits der Bühne war Mirco Nontschew eher zurückhaltend. „Sehr herzlich, sehr uneitel und sehr bescheiden in seiner ganzen Art“, erzählt Schumann im Interview.

Als sie sich kennenlernten sei Mirco noch sehr jung gewesen, erst Anfang zwanzig, aber schon damals überzeugte er durch seine authentische Art, Figuren zu spielen. „Er war für mich eine Offenbarung“, spricht Tanja Schumann aus, was viele Kollegen denken. Auch Carolin Kebekus äußerte sich bestürzt über Nontschews Tod und lobt seine außergewöhnliche Begabung in den höchsten Tönen.

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Mirco Nontschew (vorne links) mit seinen RTL-Samstag-Nacht Kollegen wie Tanja Schumann (vorne rechts).

Foto: IMAGO/ Horst Galuschka


Ein echter Gute-Laune-Garant

Es seien viele talentierte Kollegen bei „RTL Samstag Nacht“ dabei gewesen, darunter eben auch Stars, die bis heute das TV-Geschäft prägen wie Wigald Boning und Olli Dittrich, oder Stefan Jürgens, der nun mehr Musik macht, und Esther Schweins, die sich, seit sie 2004 die Tsunami-Monsterwelle auf Sri Lanka miterleben musste, aus dem Showbiz sehr zurückgezogen hat. Doch für Kebekus stach Nontschew hervor: „Wir lagen auf dem Boden vor Lachen.“

Mirco habe immer viel gute Laune versprüht, erzählt auch Tanja Schumann weiter im RTL-Podcast, aber „er war jemand, der sich nicht permanent produzieren musste.“ Schumann bezweifelt, dass er gut und gerne alleine sein konnte. „Esther Schweins und ich hatten eine Garderobe zusammen … und Mirco kam regelmäßig zu uns rein und hat sich dazu gesetzt… Er brauchte immer Menschen um sich herum.“

Herzensmensch unter Rampensäuen

Sie nennt Mirco einen Herzensmenschen und man kann sich gut vorstellen, wie er zwischen den typischen „Rampensäuen“, die ja eigentlich in der Branche üblich sind, hervorstach. Es gibt auch Kollegen, die keine Rücksicht nehmen und sich bei der Arbeit in den Vordergrund rücken: so war Mirco Nontschew nicht.

„Auf die Idee, jemanden irgendwas kaputt zu machen, wäre Mirco nie gekommen“, sagt Tanja Schumann, die Kollegen kennt, die nur zu gern die Aufmerksamkeit auf sich ziehen – auch auf Kosten anderer. Am besten war Mirco übrigens, wenn er spontan arbeiten konnte. Wiederholungen nahmen oft den Reiz seiner Kunst, weil er sich bewusst darüber wurde, was er tat und sich dann nicht mehr sicher war, ob es gut genug war, wie er es gemacht hatte.

Zu lustig für Comedians

Manchmal war Mirko auch zu lustig für die Sendung. So sprengte er fast eine Aufnahme, bei der im Hasenkostüm an der „Kentucky schreit ficken“ Theke einen Sketch spielen sollte. Dabei war er so lustig „dass die Kollegen reihenweise vor Lachen zusammenbrachen“ und ihm fiel immer noch Neues ein, erinnert sich Tanja Schumann. „Das war wirklich sehr lustig.“

Dass Mirco überhaupt zum Star wurde, verdankte er eigentlich Hugo Egon Balder, der Anfang der 1990er sein Talent entdeckt hat. Er machte damals eine Ausbildung zum Feinmechaniker und soll auch ein begaber Breakdancer gewesen sein. Doch das Leben als Star lag Nontschew nicht. Wenn er auf der Straße erkannt wurde, sagte er immer: „ich bin nicht Mirco Nontschew“, in der Hoffnung davon zu kommen. „Er wollte nicht über die roten Teppiche dieser Welt“, erklärt Tanja, „das war ihm vielleicht auch zu viel.“

Flucht vor dem Ruhm

Am liebsten wäre er in die USA ausgewandert, um dort unerkannt leben zu können. Ruhm und Aufmerksamkeit waren ihm nicht wichtig. Viel mehr lagen ihm seine Famillie und Freunde am Herzen: „Als Mircos Frau das Kind bekommen hat, … da war er 14 Tage lang weg.“ Er schmiss sogar eine TV-Aufzeichnung mit Hugo Egon Balder.

Der war es auch, der Tanja Schumann die Nachricht von Mircos Tod übermittelt hat. Hugo Egon Balder schickte eine Whatsapp-Nachricht. „Und ich dachte nur, das glaube ich nicht, das ist nicht wahr“, sagt Schumann, „ich musste danach zwei Vorstellungen am Theater spielen und lustig sein. Ich habe Mirco die Vorstellungen gewidmet und zu ihm gesagt: Du verstehst das, Mirco, the show must go on.“

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Todesursache noch ungeklärt

Mirco Nontschew wurde nur 52 Jahre alt. Er hinterlässt drei Töchter: Cheyenne von seiner Ex-Frau Melanie, Stieftochter Alina und eine Tochter, die er mit der Maskenbildnerin Monique Bredow hat und die am 14. Dezember gerade erst zehn Jahre alt geworden ist.

Nachdem der Manager mitteilte, der Comedian sei eines natürlichen Todes gestorben, dementierte die Staatsanwalt das am letzten Dienstag: die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen.