Neue Avicii-Biografie: Das waren seine traurigen letzten Tage

Anna MankAnna Mank | 17.11.2021, 20:15 Uhr
Avicii: Seine letzten Tage
Avicii: Seine letzten Tage

IMAGO / ZUMA Wire

Als DJ Avicii wurde der Schwede Tim Bergling zum Weltstar. Eine neue Biografie schildert jetzt die letzten Momente des charismatischen Ausnahmetalents.

Am 20. April 2018 nahm sich Tim Bergling alias Avicii im Oman das Leben. Der junge DJ, von Medien, Musikwelt und Fans als „König der Euphorie“ verehrt, wurde nur 28 Jahre alt.

In „Tim. Die offizielle Avicii-Biografie“ schildert der schwedische Journalist Måns Mosesson Leben und letzte Momente des DJs, der sich mit Songs wie „Hey Brother“ und „Wake Me Up“ selbst unsterblich machte.

40.000 Mails, Whatsapps und ganz private Notizen

Für das jetzt veröffentlichte Werk sprach Mosesson unter anderem mit der Familie und engen Freunden von Tim Bergling, las sich durch mehr als 40.000 E-Mails, Textnachrichten, Whatsapp-Chats und Notizen des Musikers. Und schuf so das Porträt eines Künstlers, der sich sehnlichst wünschte, die Welt durch seine Musik ein klein wenig besser zu machen. Der sich auf seinem Weg selbst verlor und am Druck zugrunde ging.

Tim Berglings Eltern selbst waren es, die dem Journalisten den Zugriff auf die ganz privaten Korrespondenzen und Gedanken ihres Sohnes ermöglichten. Nachdem Klas Berglingin und Anki Lidén den Autor 2019 im Rahmen eines Interviews kennenlernten, baten sie ihn, eine Biografie über Tim zu verfassen. Eine große Aufgabe, doch, so sagt Måns Mosesson: „Sie dachten, dass ihnen das Schlimmste im Leben schon passiert sei.“ Das Buch sei ein Teil ihrer Trauerbewältigung.

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Aviciis dunkle Momente – Depressionen, Alkohol und Drogensucht

Das Buch beschreibt in eindringlichen Momentaufnahmen, wie Aviciis Leben durch DJ-Gigs, Events und PR-Termine nach und nach zu einer gefühlt nicht enden wollenden Welttournee wurde. Tage im Krankenhaus fühlten sich für Tim wie Urlaub an, so sein Biograf: „Er war nicht nur gegen die Wand gelaufen, er war hindurchgekracht, mehrmals.“ In manchen Nächten legte er auf zwei unterschiedlichen Events auf – in zwei unterschiedlichen Ländern. Für Gigs dieser Art erhielt Avicii teils eine halbe Million Euro Gage.

Dabei war es nicht nur der berufliche Stress, der dem Schweden zu schaffen machte. Schon als Teenager litt er unter Depressionen, kämpfte später mit seiner Drogensucht. Da sich Avicii laut eigener Aussage nie wohl dabei fühlte, wenn er vor Massen von Menschen auflegte, betäubte er sich vor seinen Shows mit Alkohol, wurde abhängig von Opioiden.

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2018 – alles soll anders werden

2018 jedoch scheint Tim Bergling auf dem Weg der Besserung, reist mit einigen Freunden in den Oman. Dort verbringt er eine ausgelassene Zeit, beginnt wieder, Songs zu schreiben, meditiert.

Vier Tage vor seinem Tod, am 16. April, ruft der DJ seinen ehemaligen Therapeuten Paul Tanner an, gesteht ihm:

„Es geht mir nicht gut, Paul. Ich fühle mich verwirrt.“

Immer wieder wird Tim Bergling auf seiner Reise erkannt, leidet unter dem Rummel. Dem Therapeuten sagt er: „Es war, als ob die Ängste der letzten Tage ein Chaos in mir angerichtet haben, aber ich erinnerte mich an den Tipp, mich auf meine Atmung zu konzentrieren.“ Sein einstiger Patient wünsche sich, dass die Menschheit von allem Elend befreit sein würde, habe aber das Gefühl, nicht genug dazu beitragen zu können. „Seine Stimme brach, während er sprach“, erinnert sich Paul Tanner, „und das Gefühl, unzulänglich zu sein, die Genesung der Welt nicht schnell genug zu erreichen, schien ihm echte Schmerzen zu bereiten.“

Der Therapeut kann Bergling beruhigen. Doch die Ruhe hält nicht lange an.

Liebevolle SMS an Mama Anki

Wenige Tage vor seinem Tod schickt Tim seiner Mama eine SMS, schreibt ihr, dass er sie liebt und der Oman großartig sei. „Vermisse dich und Papps“, heißt es in der knappen, aber rührenden Nachricht.

Der Musiker plant, sein Luxus-Anwesen in Los Angeles zu verkaufen und zurück nach Schweden zu ziehen, in die Nähe seiner Eltern und Geschwister. Hier wollte er sesshaft werden, eine eigene Familie gründen.

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Tim Bergling als Teenager mit Mama Anki

IMAGO / IBL

Ein schrecklicher Verdacht bestätigt sich

Am 19. April erhält Tim Berglings Vater Klas schließlich einen Anruf von einem Mann namens Amer, der sagt, er habe Tim in einem Wüstencamp getroffen und ihm angeboten, auf dem Anwesen seiner Familie zu bleiben. Der Anrufer gibt an, sich Sorgen um seinen Gast zu machen, denn Tim ziehe sich immer mehr zurück, würde weder essen noch reden! Wenn man ihm eine Frage stelle, schreibe er seine Antwort auf.

Schließlich verletzt Tim sich selbst. Der Gastgeber bringt den Musiker ins Krankenhaus, die Wunde wird verbunden. Tims Eltern beschließen, sofort in den Oman zu reisen, um sich um ihren Sohn zu kümmern. Doch es ist zu spät.

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Seine Fans trauern bis heute

Am nächsten Tag erhält Vater Klas die schreckliche Nachricht: Sein Sohn ist tot.

In dem Buch heißt es: „Es bestand kein Zweifel an dem, was geschehen war. Während eines kurzen unbeobachteten Augenblicks hatte Tim sich aus dem Gästehaus, in dem er wohnte, entfernt. Weder die Polizei noch die Brüder hatten einen Grund, ein Verbrechen zu vermuten. Tim hatte sich selbst das Leben genommen.“

Bis heute trauern Familie, Freunde und Fans um den Ausnahmekünstler mit der sensiblen Seele.

Das Buch „Tim. Die offizielle Avicii-Biografie“ von Måns Mosesson ist im Droemer HC Verlag erschienen und als Taschenbuch, gebundene Ausgabe sowie als e-Book erhätlich.