Riccardo Simonetti boykottiert Buchmesse aufgrund rassistischer Verleger

Desireé OostlandDesireé Oostland | 22.10.2021, 14:09 Uhr
Riccardo Simonetti boykottiert Buchmesse nach Rassimusvorwürfen
Riccardo Simonetti boykottiert Buchmesse nach Rassimusvorwürfen

IMAGO IMAGES

Es wäre der perfekte Auftakt für seine Autoren-Karriere gewesen: Heute erscheint Riccardo Simonettis Buch „Mama, ich bin schwul“ und zeitgleich eröffnet auch die Frankfurter Buchmesse. Doch Simonetti boykottiert die Veranstaltung, weil auch ein Nazi-Verlag unter den Gästen ist Dem Blogger sind Werte wichtiger als jeder Erfolg.

Nachdem Jasmina Kuhnke (39) als erste Autorin ihren Auftritt und ihre Teilnahme bei der diesjährigen Buchmesse cancelte, folgen nun weitere Protest-Absagen prominenter Personen. Der Grund: Der Veranstalter der Buchmesse lässt rechte Buchverlage ebenfalls teilnehmen – Besucher sind entsetzt.

Einer dieser besagten Teilnehmer forderte in der Vergangenheit sogar die Abschiebung der Autorin Jasmina Kuhnke. Doch der Veranstalter der Buchmesse spricht hier von „Meinungsfreiheit“. Blogger und Autor Riccardo Simonetti möchte das nicht unterstützen und positioniert sich klar und deutlich mit seiner diesjährigen Absage.

„Mama, ich bin schwul“ sollte heute auf der Buchmesse vorgestellt werden

Erst vor einigen Woche stellte Riccardo Simonetti (28) sein neues Buch, mit dem Titel „Mama, ich bin schwul“ via Instagram vor. Seine Co-Autorin: Mutter Anna Simonetti. Riccardo und seine Mutter erzählen in dem sehr persönlichen Buch von seinem Coming-out und wie dieses die Beziehung zwischen ihnen gestärkt hat. Denn auch wenn das Leben von Simonetti bunt und aufregend erscheint, war es für ihn nicht ganz einfach, sein konservatives und streng katholisches Umfeld und Elternhaus einzuweihen.

Das Buch erscheint heute am 22. Oktober – pünktlich zum Start der Frankfurter Buchmesse. Es wäre also der perfekte Auftakt für seine eigene Präsentation gewesen. Doch Simonetti sagte ab – und setzt damit ein klares und richtiges Zeichen.

Riccardo Simonetti bei einer Veranstaltung im Februar 2021 (rto/spot)

imago images/Eibner

Harte Kritik gegenüber der Buchmesse Frankfurt

Die Diskussion rund um die Buchmesse wurde von Jasmina Kuhnke ausgelöst. Dennoch handelt sich um keine neue Debatte – bereits 2017 startete die Kontroverse rund um die Präsenz von bekennenden rechten Verlage auf der Frankfurter Buchmesse. Doch in diesem Jahr war Jasmina Kuhnke eine der ersten Autorinnen, die ihre Teilnahme absagte. Sie hätte dort eigentlich heute ihren ersten Roman „Schwarzes Herz“ vorstellen sollen. Doch vor Ort wird auch der Verlag „Jungeuropa“ sein, dessen Verleger Philip Stein ein bekennender Rechtsextremist ist.

Die Top 100 Influencer (16): Riccardo Simonetti
Die Top 100 Influencer (16): Riccardo Simonetti

Foto: imago images / Future Image International D. Jones

Verleger hatte Abschiebung gefordert

Dieser hatte zudem Anfang des Jahres öffentlich die Abschiebung von Kuhnke gefordert hat. Selbstredend, dass ein Aufeinandertreffen für die 39-Jährige nicht in Frage kommt. Für die Schriftstellerin, deren Vater Senegalese war, sei die Gefahr auf der Buchmesse zu groß.

In einem Statement erklärt Buchmessendirektor Jürgen Boss: „Einer der Grundpfeiler der Frankfurter Buchmesse ist die Meinungsfreiheit“, weiter sagt er: „Wir können niemanden ausschließen, können hier keine Zensur ausüben, egal, ob mir diese Leute passen, ob ich sie unerträglich finde.“

Blick über eine Ausstellungshalle der Frankfurter Buchmesse.

Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Riccardo Simonetti: „Ein total falsches Zeichen!“

Der Blogger und Buchautor Riccardo Simonetti verkündete seine Absage über Instagram. Er liebe die Buchmesse, sagt er. Außerdem findet er es überaus schade, dass es überhaupt zu solch einer Entscheidung kommen muss.

„Ihr Lieben, nachdem ich die Diskussion rund um die Frankfurter Buchmesse verfolgt habe, sage ich all meine Auftritte dort für dieses Jahr ebenfalls ab und solidarisiere mich mit allen, die gegen Rassismus und für eine freie Gesellschaft kämpfen“, beginnt sein Statement auf Instagram.

Zwar habe er sich unglaublich auf die Buchpräsentation gefreut, doch es sei ein absolut falsches Zeichen, welches der Direktor und Veranstalter der Buchmesse mit seinem Handeln ausdrückt, welches er nicht unterstützen möchte:

„Wenn man solch einem Verlag also eine Plattform bietet, auch wenn das bedeutet, dass Autor:innen wie zum Beispiel Jasmina Kuhnke und viele weitere ihre Auftritte zurückziehen, dann ist das kein Ort, an dem ich mich wohlfühlen würde.“ schreibt der 28-Jährige.

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Für sein Statement erntet Simonetti ausschließlich positives Feedback von seinen Kolleg:innen. Viele weitere prominente Autoren stellen sich nun auf Jasminas Seite und sagen aus Protest ihren Besuch der Buchmesse ab.

 

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Auch andere Promis sagen die Buchmesse ab

Dem Veranstalter sollte das etwas zu Denken geben. Nicht nur Kuhnke und Simonetti boykottieren die Buchmesse in diesem Jahr: auch Nikeata Thompson schließt sich den beiden an. Ob dieser Boykott zum Umdenken der Veranstalter führt, bleibt abzuwarten. (DO)