Sebastian Krumbiegel über einen Tod auf der Bühne: „Für das Publikum ist das bestimmt doof“

Paul VerhobenPaul Verhoben | 19.06.2022, 20:00 Uhr
Musiker Sebastian Krumbiegel
Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel

IMAGO / Stefan Zeitz

Mit Mitte 50 sollte man bereit dafür sein, zunehmend schlimme Nachrichten zu empfangen. Zum Beispiel, dass Vater oder Mutter gestorben sind. Auch bei den Klassentreffen ändern sich die Gründe dafür, aus denen Mitschüler nicht dabei sind. Sebastian Krumbiegel ist gewappnet.

Sebastian Krumbiegel ist Sänger und Frontmann der seit Jahrzehnten erfolgreichen Band „Die Prinzen“ und all die Jahre nebenbei auch immer wieder als Solokünstler aktiv.

Im Gegensatz zu anderen mehr oder weniger berühmten Zeitgenossen seines Alters hält sich der Leipziger nicht für unsterblich. „Ich war mir auch schon mit 40 meiner Sterblichkeit bewusst“, erzählt Krumbiegel in Andreas Kurtz‘ berühmter Kolumne „Die Lebenden und die Toten“ in der „Berliner Morgenpost“.

Denn ihm habe damals ein Freund geschrieben: „‚Sie haben die Reiseflughöhe verlassen‘. Er meinte damit: ‚Du hast weniger vor dir, als du hinter dir hast.‘ Natürlich überlege ich mir, wieviel Zeit mir noch bleibt. Aber das hängt nicht täglich wie ein Damoklesschwert über mir. Ich sehe das entspannt.“



Udo Jürgens hatte einen vorbildlichen Tod

Und wenn er schon das Zeitliche segnen müssen, dann bitte zügig und ohne Leiden. Einen Tod wie der von Udo Jürgens – das wäre es doch! Der berühmte Schlagerstar war am 21. Dezember 2014 nach einem Mittagessen tot zusammengebrochen. Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Krumbiegel dazu: „Der war auf einer extrem erfolgreichen Tournee und ist auf einem Spaziergang einfach umgefallen. Und das im Alter von 80 Jahren – wenn mir das passiert, wäre es mir das Liebste.“ Aber der 56-Jährige fügt hinzu: „Aber bitte noch nicht bald.“

Krumbiegel kenne einige Leute, die dem Tod von der Schippe gesprungen seien. „Aber ich kannte eben auch Leute, die es nicht geschafft haben. Wenn ich mich mal unter den Musikern umgucke, dann sehe ich da Udo Lindenberg und Rio Reiser. Rio hat es nicht geschafft, so exzessiv wie er lebte. Und Udo hat irgendwann die Reißleine gezogen.“

Der Anstoß dafür kam bei Lindenberg von außen: „Die Ärzte sagten ihm nach seinem dritten oder vierten Aufenthalt auf der Intensivstation: ‚Wenn du so weiter machst, machst du nicht mehr lange.‘ Also hat er damit aufgehört.“

Sebastian Krumbiegel hinterlässt mehr als ein Häufchen Asche

Manchmal lebe Krumbiegel immer noch exzessiv und denkt dann darüber nach, wie lange er das noch durchziehen könne. „Ich will nicht wie Andy Fletcher von Depeche Mode mit 60 sterben. Und während ich das sage, fällt mir ein, dass John Lennon kurz vor seinem Tod mit 40 in einem Interview gesagt hat, dass er nicht mit 40 sterben will.“

Einen plötzlicher Tod auf der Bühne käme dem Prinzen-Sänger daher wohl am ehesten gelegen. „Für das Publikum ist es bestimmt doof. Aber ich könnte mir Schlimmeres vorstellen, als auf der Bühne zu sterben, denn da gehöre ich hin. Das ist mein Leben, mein Wichtigstes.“

Und immerhin: Bei Krumbiegel bleibt ja deutlich mehr als ein Häufchen Asche übrig! Sein Resüme: „Bei mir bleibt auf jeden Fall Musik übrig. Die wird mich überleben. Wir merken ja jetzt schon, dass die Musik, die wir machen, von verschiedenen Generationen gehört wird und dass sich das auch weitervererbt.“

Übrigens: Mit seinen Kollegen von den Prinzen hatte der Sänger letztes Jahr das Album “Krone der Schöpfung” veröffentlicht. Und inzwischen gehen die Herrschaften aus Leipzig nach langer Pause auch wieder auf Tour.