Warum Vollbart-Vettel seine Schlüpfer jetzt überm Rennanzug trägt

Ena ReziEna Rezi | 07.05.2022, 12:00 Uhr
Sebastian Vettel auf Rennstrecke mit Unterhose überm Anzug.
Sebastian Vettel auf Rennstrecke mit Unterhose überm Anzug.

Foto: IMAGO / Motorsport Images

Formel 1-Legende Lewis Hamilton stänkert mal wieder rum: Der modebewusste Rennfahrer weigert sich, die neuen Auflagen des F1-Renndirektors Niels Wittich zu akzeptieren. Aus Sicherheitsgründen sollen alle Rennfahrer feuerfeste Kleidung und Unterwäsche tragen - Sebastian Vettel solidarisiert sich - inklusive Schlüpfer überm Rennanzug.

Der selbstbewusste Sportler Lewis Hamilton (37) fühlt sich derzeit von der Formel 1 unfair behandelt, denn die hat jetzt neue Regeln etabliert, die das Tragen von Schmuck und handelsüblichen Schlüpfern verbietet. Nun drohte Hamilton sogar, beim kommenden Grand Prix in Miami nicht anzutreten.

Formel 1 verbietet Schmuck und Kleidung

Seit seinem Amtsantritt als F1-Renndirektor hat Niels Wittich eine Reihe von Elementen des F1-Reglements verschärft, darunter das Tragen von Schmuck und die richtige Unterwäsche, die den Anforderungen der FIA entspricht. Er schrieb, dass der Schmuck und die Unterwäsche der Fahrer überprüft werden sollten, um sicherzustellen, dass sie den feuerfesten Sicherheitsstandards der FIA entsprechen.

Wittich erinnerte die Fahrer vor dem Grand Prix von Australien daran, dass das Tragen von Schmuck im Auto gemäß dem Internationalen Sportkodex verboten ist. Bei demselben Rennen wurde in der Fahrerbesprechung ausführlich darüber gesprochen, was die Fahrer im Auto unter ihren Anzügen tragen dürften, nachdem sie daran erinnert worden waren, dass alle Unterwäsche, Handschuhe, Socken und Sturmhauben von der FIA standardisiert sein müssen.

Das hat vor allem Lewis Hamilton in Rage versetzt – der startete nun einen anarchistischen Protest gegen die neuen Auflagen des Renndirektors.




Lewis Hamimlton droht der Formel 1

Nachdem der Formel 1-Star damit gedroht hatte, den ersten Grand Prix von Miami wegen der neuen Regelung ausfallen zu lassen, legt Lewis Hamilton nun zusammen mit Sebastian Vettel (34) in Sachen Protest noch einen drauf. Die Entscheidung, die Regeln für Schmuck und Unterwäsche durchzusetzen, hatte in den Pressekonferenzen vor dem Training eine riesige Kontroverse ausgelöst.

Hamilton drohte damit, den Grand Prix abzusagen und das Wochenende stattdessen damit zu verbringen, die Sehenswürdigkeiten von Miami zu besichtigen, während Sebastian Vettel sagte, er habe den Eindruck, dass der englische Fahrer von er F1 „ins Visier“ genommen werde. „Wahrscheinlich ist es zu diesem Zeitpunkt eher eine persönliche Sache, und ich fühle mich in gewisser Weise für Lewis verantwortlich“, sagte Vettel.

Darum will Lewis Hamilton seinen Namen ändern

Lewis Hamilton mit schickem Anzug bei Formel 1.

Foto: IMAGO / eu-images

Sebastian Vettel solidarisiert sich mit Hamilton

Vettel entschied sich auch dafür, seine Gefühle zu diesem Thema zu zeigen, indem er seine Unterhose über seinem Rennanzug trug, als Zeichen des Protests gegen die Regel der „konformen Unterwäsche“. Also ein stiller Schlüpper-Protest für seinen Rennfahrer-Kollegen.

In der Formel 1 gibt es eigentlich keine strengen Regeln für Fahrerschmuck, aber diese lockere Haltung änderte sich mit den Richtlinien von Renndirektor Niels Wittich für das Rennen am Montag. Hamilton sagte nun auf einer Pressekonferenz vor dem Rennen, er sei nicht bereit, seinen Schmuck abzulegen.

Sebastian Vettel auf Rennstrecke mit Unterhose überm Anzug.

Foto: IMAGO / Motorsport Images

Lewis Hamilton provoziert mit Schmuck

„Wenn sie mich aufhalten, dann soll es so sein“, sagte der Spitzen-Sportler. „Wir haben Ersatzfahrer, also sind wir bereit und vorbereitet für das Wochenende. Es gibt viel zu tun in dieser Stadt (Miami), also werde ich so oder so Spaß haben!“

Hamilton trug bei der Pressekonferenz drei Uhren, ein Armband, Ohrringe, Halsketten und einen Nasenstecker – allein des Protestes wegen. „Mehr Schmuck konnte ich nicht anziehen“, scherzte er.„Wir haben als Sport so große Fortschritte gemacht. Wir sind hier in Miami und es ist so eine kleine Sache. Ich betreibe den Sport seit 16 Jahren. Ich trage seit 16 Jahren Schmuck“ – ganz schön selbstzentriert, der Gute.

Er sagt weiter: „Im Auto habe ich nur meine Ohrringe an und meinen Nasenring, den ich nicht einmal abnehmen kann.“ Die ehemalige IndyCar- und Nascar-Pilotin Danica Patrick (40) sagte in der Sky Sports-Sendung, dass das Vorgehen der Formel 1 „unsinnig“ und „dumm“ sei.

Hamilton will Verzichtserklärung unterschreiben

Der 37-jährige siebenfache Weltmeister erklärte, er sei bereit, eine Verzichtserklärung zu unterzeichnen, um die Verantwortung für seine eigene Sicherheit zu übernehmen, und habe versucht, mit Mohammed Ben Sulayem, dem neuen FIA-Präsidenten, Kontakt aufzunehmen.

„Ich werde versuchen, mit Mohammed zu kommunizieren und mit ihm zusammenzuarbeiten. Ich bin hier, um ein Verbündeter des Sports, von Mohammed und der Formel 1 zu sein, und ich denke, wir haben Wichtigeres zu tun – Dinge, die wir tun müssen, und Auswirkungen, die wir haben müssen, und darauf sollte der Fokus liegen“, sagt der Sportler.

Renndirektor Niels Wittich bleibt konsequent

In seinen Notizen schrieb F1-Renndirektor Wittich: „Metallische Gegenstände wie Schmuck, die mit der Haut in Berührung kommen, können den Schutz vor Wärmeübertragung verringern und somit das Risiko von Verbrennungen im Falle eines Brandes erhöhen.“

Beim E-Prix in Monaco am vergangenen Wochenende wurden zwei Fahrer wegen ähnlicher Vorfälle bestraft: Pascal Wehrlein (27) und Mitch Evans (27) erhielten Strafpunkte auf ihren „Superlizenzen“ und Geldstrafen von jeweils 1000 Euro (1050 Dollar), weil sie während des Qualifyings Metallketten trugen.

Hamilton stichelt immer weiter

Die Sicherheitsvorkehrungen zum eigenen Wohl scheinen den super coolen Hamilton aber trotzdem nicht zu tangieren – er besteht weiterhin auf seine modischen Accessoires und seine individuelle Freiheit: „Andererseits ist es bis zu einem gewissen Grad persönliche Freiheit, und wir sind alt genug, um unsere Entscheidungen außerhalb des Autos zu treffen… Wir sollten auch alt genug sein, um unsere Entscheidungen innerhalb des Autos zu treffen“ -Hamilton sagte, sein Schmuck sei bisher nie ein Problem gewesen.

Als weiteren Grund für seine Beharrlichkeit gibt er auf der Pressekonferenz an, dass er viele seiner Schmuckstücke gar nicht abnehmen könnte, selbst wenn er wollte: „Mindestens zwei davon kann ich nicht abnehmen. Bei einem kann ich nicht wirklich erklären, wo er ist. Damit ist wohl sein Intimpiercing gemeint – ganz schön humorvoll der Gute.

Abschließend sagte Hamilton, er müsste sich schon „die Ohren abhacken“, um seine Ohrringe zu entfernen, und erklärte, er trage drei Uhren, weil sie auf drei verschiedene Zeitzonen eingestellt seien. Klingt alles ziemlich nach Luxus-Problemen – die Ohrringe waren am Ende dann wohl doch nicht so wichtig, denn der Rennfahrer nahm nun am Qualifikations-Training für den großen Grand Prix am Sonntag in Miami teil.

Viel Lärm um Nichts – also typisch Hamilton.