Wencke Myhre: Botschafterin der Herzen erhält Bundesverdienstkreuz

dpadpa | 05.11.2021, 17:00 Uhr
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Wencke Myhre.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Wencke Myhre.

Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Eigentlich holen die meisten ihr Bundesverdienstkreuz im Schloss Bellevue ab. Dieses Mal reiste Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Orden nach Oslo.

Die norwegische Schlagersängerin Wencke Myhre (74) ist mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreichte ihr den Orden am Freitag in ihrer Heimatstadt Oslo.

Länderübergreifende Beliebtheit

Myhres künstlerisches Werk („Er steht im Tor“, „Er hat ein knallrotes Gummiboot“) schlage seit den 60er Jahren eine Brücke zwischen Norwegen und Deutschland. „In beiden Ländern sind Sie Ikone und Botschafterin der Herzen. Und Ihre Botschaften haben schon viele Ohrwürmer produziert“, sagte Steinmeier im Opernhaus der Stadt.

Myhre habe sich auch dafür eingesetzt, dass Krebs kein Tabuthema mehr sei. Nur ein Jahr nach ihrer eigenen Krebsdiagnose sei sie quasi direkt von ihrer Strahlenbehandlung auf die Bühne gegangen und habe vor 40.000 Menschen gesungen. „Ihr Lebensmut gehört auch zu den Träumen, die wir in uns tragen“, sagte Steinmeier, der auch dem früheren Bischof und Politiker Gunnar Stålsett das Verdienstkreuz verlieh.

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Fan von Deutschland

„Ich bin in Deutschland immer gut und herzlich empfangen worden. Und für mich ist Deutschland wie mein zweites Heimatland geworden“, sagte Myhre. Sie versicherte: „Ich werde diese Auszeichnung für immer in meinem Herz tragen.“

Wenckes Myhres Karriere begann mit einem Amateurwettbewerb im „Chat Noir“, einem Osloer Revuetheater. Sie gewann einen Plattenvertrag und war schon wenig später norwegischer Publikumsliebling. Als sie nach Deutschland kam, um hier ebenfalls zum Star aufgebaut zu werden, bewies sie gleich, was für eine Stimmungskanone sie ist.

Lust am Leben

Gegen den Wunsch ihres Vaters, der den Produzenten Bobby Schmidt beauftragt hatte, auf die damals erst 17-jährige Sängerin in Hamburg aufzupassen, entdeckte Wencke nämlich das Nachtleben für sich. An ihrer Seite James Last, der damals das Orchester leitete. Bobby Schmidt war es auch, der ihr später ein Alibi verschaffte, als sie Torben Friis-Møller heimlich in Kopenhagen treffen wollte. Dem Vater erzählte sie, dass die Aufnahmen mit Schmidt mehrere Tage dauern würden.

Kennengelernt hatte Wencke ihren ersten Mann Torben bei der Eröffnung einer Klinik im Gazastreifen. Wencke Myhre hatte mit einer Aktion Spendengelder gesammelt, um den Bau der Klinik zu finanzieren. Eigentlich wollte Wencke Ärztin werden, doch ihre Musikkarriere war zu schnell sehr erfolgreich. Der Wunsch, anderen zu helfen, ist aber wohl bis heute einer ihrer stärksten Antriebe.

(dpa-infocom/KT)