Wie der Kaiser den Honecker zwang, einen geflohenen DDR-Popstar einreisen zu lassen

dpadpa | 18.10.2021, 15:15 Uhr
Roland Kaiser gibt seiner Autobiografie  den Titel «Sonnenseite».
Roland Kaiser gibt seiner Autobiografie den Titel «Sonnenseite».

Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Roland Kaiser hat seine Autobiografie geschrieben. Darin erzählt der Sänger auch von einem nicht ganz einfachen Auftritt in der DDR Ende der 1980er Jahre.

Roland Kaiser hat sich per Brief mit DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker angelegt – und sich am Ende durchgesetzt. Das berichtet der Schlagersänger (69) in einer am Montag veröffentlichten Biografie mit dem Titel „Sonnenseite“.

Die DDR wollte Kaisers Keyboardspieler nicht bei einem Konzert im Friedrichstadt-Palast zu den Feierlichkeiten zu 750 Jahren Berlin auftreten lassen. Der SED war ein Dorn im Auge, dass der Musiker 1980 aus der DDR geflohen war. Der war nach einem Auftritt einfach im Westen Berlins geblieben.

Veronika Fischer bei Studioaufnahmen mit ihrem Keyboarder Franz Bartzsch
Veronika Fischer und Franz Bartzsch

IMAGO / Gueffroy

Der heute 69 Jahre alte Roland Kaiser, der in West-Berlin aufwuchs, drohte mit der Absage des Auftritts. Doch der Leiter des Künstlerdienstes blieb hart. Daraufhin schrieb Kaiser 1987 Honecker den Brief. „Mit viel Spannung habe ich ihn abgeschickt. Hoffentlich schreibt er zurück, dachte ich. Zumindest war ich mir fast sicher, dass er den Brief lesen würde.“

Stasi-Chef Mielke gab Befehl zur folgenlosen Einreise

Über Stasi-Chef Erich Mielke erging der Befehl, dass Franz Bartzsch dann doch einreisen durfte. „Sie haben uns viel Ärger bereitet“, sagte der Kulturfunktionär vom DDR-Künstlerdienst und ergänzte, „der Genosse Honecker hat Ihren Brief gelesen“. Die Originale sind im neuen Buch von Kaiser abgedruckt.

Megalächerlich: Eine Einschränkung gab es dann aber doch. Der Keyboardspieler durfte nur unter Pseudonym auftreten! So wurde aus Franz Bartzsch Daniel Matthi.

Das war Franz Bartzsch

Der 2010 verstorbene Franz Bratzsch galt in der DDR als eine der größten Popkomponisten in der DDR, der für verschiedene Sänger schrieb und produzierte. Als Komponist und Arrangeur war Bartzsch maßgeblich am Erfolg von Veronika Fischer (Video oben) beteiligt, die damals die größte ostdeutsche Popsängerin war. Obwohl auch Fischer 1981 ebenfalls nach West-Berlin übersiedelte, nahmen sie und Bartzsch ihre Zusammenarbeit nicht wieder auf.

Roland Kaiser und Sabine Eichhorst, „Sonnenseite, Die Autobiographie“, Heyne, mit Bildteil, 400 Seiten, ISBN: 978-3-453-21817-8, EUR 20,00

(dpa/KT)