Rammstein: Aufhören, wenn es am schönsten ist

Leni HübnerLeni Hübner | 29.04.2022, 12:37 Uhr
Till Lindemann als Rammstein-Frontman hält das Mikro dem Publikum hin
Die Tour von Rammstein geht weiter, doch hört die Band danach wirklich auf?

Foto: IMAGO/ BOBO

„Zeit“ ist das letzte Album von Rammstein, meinen viele Fans. Als Meister der Inszenierungen gibt die Erfolgsband tatsächlich zahlreiche Hinweise auf einen Abschied. Aber hören die Musiker wirklich auf?

Niemals geht man so ganz, aber irgendwann muss trotzdem mal Schluss sein. Rammstein gibt es nun seit 28 Jahren und auch wenn der Erfolg nicht abreißt, scheinen die Musiker ihre Karriere beenden zu wollen. Zumindest spekulieren viele Fans darüber, weil das heute erscheinende achte Studioalbum voller Abschiedshinweise steckt.

Ein letztes Lied von Rammstein

Mit „Zeit“ soll also eine Ära enden? Die Ü50-Musiker hätten allen Grund, sich auf ihren Lorbeeren endlich einmal auszuruhen. Und so singt Till Lindemann (59) Zeilen wie „nach uns wird es vorher geben“, „wenn unsere Zeit gekommen ist, dann ist es Zeit zu gehen“ und „Adieu! Goodbye! Auf Wiedersehen: Den letzten Weg musst du alleine gehen, ein letztes Lied, ein letzter Kuss…“

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Schon im vorigen Jahr trat Till Lindemann den Rückzug an, als er sein Bandprojekt „Lindemann“ für beendet erklärte und sich von dem schwedischen Metal-Musiker Peter Tägtren trennte. Es könnte also sein, dass er gemerkt hat, das „Aufhören, wenn’s am schönsten ist“ – wie er in „Zeit“ singt – eine sehr gute Weisheit ist.




Schön war Rammstein nie

Nicht zu leugnen ist, dass die Musiker sich derzeit viel mit den Themen Alter, Tod und Vergänglichkeit auseinandersetzen. Dass sie kein Interesse daran haben, auf ewig jung zu wirken, machen sie mit „Zick Zack“ deutlich. Der Song rechnet mit dem Jugendwahn ab, der vor allen Dingen der Schönheitsindustrie und Chirurgen Geld in die Taschen spült.

Dass sich die „reifen“ Herren unter‘s Messer legen, ist ausgeschlossen. Doch wenn man sich die Rolling Stones ansieht, wäre das für eine endlose Karriere auch gar nicht nötig. Till Lindemann und Co standen nie für perfekte Looks und makellose Schönheit. Äußerlichkeiten werden also wohl kaum ein Grund sein, nicht mehr aufzutreten.

Rammstein-Tour läuft 2022 weiter

Bis in den späten Sommer steht ja auch erst mal noch die Tour auf dem Plan von Rammstein. Hier wird es sicher nicht zugehen wie im Altersheim. „Es wird mehr geredet, als nachgedacht“, hat Till Lindemann mal gesagt und dieses Zitat passt heute so gut wie damals. So lange es keine klare Ansage von der Band gibt, ist alles nur Gerede

Auf Instagram häufen sich jedenfalls die Bitten, doch auch in Chile, Australien, den USA, Serbien und zahlreichen anderen Orten auf der ganzen Welt mal wieder aufzutreten. Wenn Rammstein jemals eine Abschiedstournee startet, ist die Band mindestens zehn Jahre damit beschäftigt, sich überall live vor Ort zu verabschieden. Tränen und Jammern kann also warten: Es ist sicher noch Zeit, bis es wirklich heißt: „Kein Wunder wird geschehen. Adieu! Goodbye! Auf Wiedersеhen – die Zeit mit dir war schön.“