Dienstag, 24. Oktober 2017 22:50 Uhr

Hat Harvey Weinstein 281.000 Euro Schweigegeld gezahlt?

An Geld mangelte es Filmmogul Harvey Weinstein selten. Glaubt man dem Bericht seiner Ex-Assistentin, wurde sie mit einer großen Summe von einer Anzeige wegen mutmaßlicher Übergriffe abgehalten. Auch die deutsche Branche reagiert.

Hat Harvey Weinstein 281.000 Euro Schweigegeld gezahlt?

Foto: IPA/WENN.com

Eine ehemalige Assistentin des Filmproduzenten wurde nach eigenen Worten mit Geld zum Schweigen über sexuelle Belästigung gebracht. Der „Financial Times“ sagte Zelda Perkins (siehe Video unten), dass Weinstein Ende der 90er Jahre mehrmals nackt vor ihr herumgelaufen sei und auch um Massagen gebeten habe.

„Er verhielt sich so bei jeder Gelegenheit, wenn wir beide allein waren. Ich musste ihn häufiger morgens im Hotel wecken und er versuchte, mich in sein Bett zu ziehen“, sagte Perkins. Sie habe gekündigt, als ihr eine Kollegin von einem sexuellen Übergriff Weinsteins berichtete.

Schweigeverpflichtung und Schweigegeld

Nach Schilderung von Perkins erhielten die beiden Frauen ein Schweigegeld von 250.000 britischen Pfund (rund 281.000 Euro), als sie ihn anzeigen wollten. Außerdem sollen sie sich verpflichtet haben, die Vorfälle vertraulich zu behandeln. Perkins wolle ihren Vertrag nach 19 Jahren öffentlichkeitswirksam brechen, um eine Diskussion über Geld und Macht anzuregen, sagte sie der Zeitung.

Die Ermittlungen gegen Weinstein weiteten sich unterdessen aus. Nach der Polizei in New York und Los Angeles ermittelt nun auch die New Yorker Staatsanwaltschaft wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe. Der Filmmogul soll neben Perkins noch mindestens acht weitere Frauen mit Schweigegeld davon abgehalten haben, an die Öffentlichkeit zu gehen. Weinstein bestreitet, Frauen zum Sex gezwungen zu haben.

#MeToo-Kampagne im Netz

Im Internet gaben sich unter dem Stichwort #IHave, also „Ich habe (es getan)“, Männer als Täter zu erkennen. US-Architekt Thomas Wall hatte vergangene Woche getwittert: „#MeToo ist das Symptom, #IHave ist das Heilmittel.“ Wall forderte Männer auf, ihr Fehlverhalten gegenüber Frauen öffentlich einzugestehen. Zuvor hatten Frauen unter dem Hashtag #MeToo von sexuellen Übergriffen berichtet.

Der Bundesverband Schauspiel wendet sich nun auch an Opfer sexueller Belästigung und listet im Internet Anlaufstellen auf. Zudem könnten Opfer Fälle anonym schildern und persönlich besprechen, teilte ein Sprecher mit. Der Bundesverband Casting (BVC) teilte mit, dass sexuelle Übergriffe trauriger Bestandteil des täglichen Lebens seien. Auch der BVC will dieses Thema nun offensiver ansprechen.

Shermin Langhoff, Intendantin des Berliner Maxim Gorki Theaters, forderte ein entschiedenes Vorgehen gegen sexuelle Belästigung. „Notwendig ist eine politische und juristische Praxis, die hinsieht und nicht wegsieht“, schrieb die 1969 in der Türkei geborene Theatermacherin am Dienstag im Berliner „Tagesspiegel“. (dpa/KT)

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