Warum es auf Baustellen so oft kracht

Auf Baustellen kommt es oft zu Missvertändnissen zwischen Bauherren und Firmen. Das kann für ernsthaften Streit sorgen.
Auf Baustellen kommt es oft zu Missvertändnissen zwischen Bauherren und Firmen. Das kann für ernsthaften Streit sorgen.

Markus Scholz/dpa-tmn

29.01.2021 16:04 Uhr

Zoff am Bau treibt Bauherren zur Verzweiflung. Es gibt Möglichkeiten, den Ärger ohne anwaltliche Hilfe aus der Welt zu schaffen. Besser ist es vorzubeugen. Das geht, wenn man um die Ursachen weiß.

Streit gehört zum Bauen wie Wand und Dach. Die Konflikte strapazieren nicht nur die Nerven der Beteiligten, sondern auch den Geldbeutel des Bauherrn. Im schlimmsten Fall steht dessen Baustelle tage- oder wochenlang still.

Die neue Schlichtungsordnung Bau (SOBau) will genau das verhindern. Sie holt Firmen und Häuslebauer an einen Tisch und begleitet sie durch das Projekt, damit keine Anwälte oder Gerichte eingeschaltet werden müssen. Handwerkskammern haben ebenfalls Schlichtungsstellen.

Dennoch stellt sich die Frage, warum es auf den Baustellen so oft kracht. Es liegt weniger an Mängeln als an Missverständnissen zwischen Bauherren und ausführenden Firmen beziehungsweise Bauträgern meinen Experten. Knackpunkte sind die Vollständigkeit von Leistungen, die Übergabe zu Eigenleistungen des Bauherrn und die Qualität der ausgeführten Arbeiten.

Private Bauherren sind oft unsicher

Die komplexen Baustellenabläufe treiben schon Profis zur Verzweiflung. Laien stehen bei Planung und Ausführung ihres Wunschobjekts erst recht auf verlorenem Posten. Es fehlt ihnen schlicht an Wissen.

Der Rechtsanwalt Andreas Renz, Mitglied der Arge Baurecht im Deutschen Anwaltverein, macht es plastisch: „Die Kaffeemaschine wird vor dem Kauf anhand von Testberichten vor- und rückwärts geprüft. Beim Hausbau funktioniert das nicht.“

Bauherren könnten weder auf Augenhöhe mit der Baufirma oder dem Bauträger kommunizieren noch deren Arbeit beurteilen. Das führe zu einem Gefühl von Unsicherheit, was wiederum Reibereien auf der Baustelle zusätzlich befördern kann.

Streitanfällig ist etwa der Umgang mit Bauaushub. Die Erde kann meistens nicht auf dem Grundstück gelagert werden, sondern muss abtransportiert werden. Dies erschließt sich häufig genau so wenig aus Baubeschreibung wie die Mehrausgaben für den Transport. Diese Folgen „sind einem unerfahrenen Bauherrn aber nicht bewusst. Das führt zu intensiven Diskussionen“, sagt Andreas May vom Bauherren-Schutzbund (BSB).

Klaus Kellhammer vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Tübingen steht wie May Verbrauchern begleitend und kontrollierend zur Seite, die ihren Traum vom eigenen Haus realisieren wollen. Für Kellhammer werden typische Stolpersteine bereits in der Planungsphase gelegt.

Er rät deshalb zur genauen Prüfung der Ausführungspläne. Sitzen die Fenster an der besprochenen Stelle, stimmt der Bodenaufbau? Sämtliche Fragen zu Technik und Material beeinflussen den Werkplan und müssen entschieden sein, bevor der Bauherr den Plan freigibt. „Sonst tauchen auf der Baustelle Stützen mitten im Raum auf, wo sie nicht hingehören. Dann gibt es Heulen und Zähneklappern.“

Und der Ärger geht los. Sicherheitshalber sollten alle Entscheidungen schriftlich festgehalten werden. Ansprechpartner ist in der Regel der Bauleiter. Er koordiniert die Gewerke.

Änderungen bedeuten zusätzliche Kosten

Kellhammer kennt aber auch die Tendenz von Bauherren, einmal Vereinbartes zugunsten von Änderungswünschen über den Haufen zu werfen – mit der Konsequenz, dass die Kosten steigen und der Zeitplan durcheinandergerät. Er warnt davor, sich auf der Baustelle einzumischen und Handwerkern Ratschläge zu geben. „Die Baufirma ist dann aus der Haftung“, sagt der Berater.

Fehler sollten nicht an Ort und Stelle moniert werden, sondern schriftlich bei der ausführenden Firma. Am besten mit Fotos. Dann kann geklärt werden, ob tatsächlich etwas schiefgelaufen ist. Ein Riss an der Unterseite der Halbfertigbetondecke ist eine Kleinigkeit, ein Riss in einer tragenden Wand eine Katastrophe. Laien könnten das aber so gut wie nicht unterscheiden, gibt Kellhammer zu bedenken.

Er, May und Renz empfehlen grundsätzlich zwei Dinge. Erstens sollten Bauherren sich Sachverstand von Baubegleitern an die Seite holen, um Konflikten vorzubeugen, und zweitens sollten sie sich nicht auf den genannten Einzugstermin zu verlassen. „Mindestens zwei Wochen nach der Abnahme bis zur endgültigen Schlüsselübergabe einplanen, um Firmen Zeit zur Mängelbeseitigung zu lassen.“ Das entspannt.

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