Wie man den besten Klebstoff findet

Die neuen Klebstoffe sind so gut geworden, dass sie teils sogar das Schrauben und Nageln ersetzen können.
Die neuen Klebstoffe sind so gut geworden, dass sie teils sogar das Schrauben und Nageln ersetzen können.

Henning Kaiser/dpa-tmn

26.03.2021 13:06 Uhr

Epoxid- und MMA-Klebstoffe oder doch Silikone? Sind Sie schon mal im Baumarkt vor einem Regal voller Klebstoffe gestanden - und haben nichts verstanden? Hier ist ein grober Leitfaden zur Auswahl.

Den Alleskleber – also ein Klebstoff, mit dem man alles gleichermaßen kleben kann – gibt es eigentlich nicht, auch wenn bei vielen ein so bezeichnetes Produkt in der Schublade liegt. „Das kann gar nicht funktionieren“, sagt Vera Haye, Hauptgeschäftsführerin des Industrieverbands Klebstoffe in Düsseldorf.

„Jede Materialkombination verhält sich anders und auch die Anforderungen an die Klebung sind je nach Anwendung unterschiedlich“, führt die Expertin aus. So müsse ja eine geklebte Autoscheibe ganz anderen Witterungsverhältnissen und Erschütterungen standhalten als eine geklebte Zahnkrone oder die Bastelarbeiten der Kinder.

Und wer genauer hinschaut, erkennt auch auf so mancher Verpackung von Allesklebern: Sie sind nur für bestimmte Materialien zur Anwendung vom Hersteller empfohlen.

Wer auf Nummer sichergehen möchte, dass klebt, was kleben soll, sollte daher stoffspezifisch Klebstoffe kaufen. Einfacher ausgedrückt: Auf der Verpackung lesen, welche Materialien die Klebstoffe miteinander verbinden können. Bei den Kunststoffklebstoffen muss sogar die Kunststoffart bekannt sein.

Was einen D1-Holzleim vom D4-Leim unterscheidet

Außerdem kann es wichtig sein, ob es sogenannte Beanspruchungsgruppen gibt. Das ist zum Beispiel bei den Holzleimen der Fall. Wie die Expertin Haye erläutert, sollten D1-Leime für Holzprodukte im Innenbereich bei niedriger Luftfeuchtigkeit genutzt werden. Ein D4-Leim hingegen hält auch der Witterung im Außenbereich stand.

Und dann gibt es noch die verschiedenen Klebeweisen, die man auswählen kann. Etwa den Zwei-Komponenten-Klebstoff, der sich laut Haye unter den Epoxid-Klebstoffen, den Polyurethan-Klebstoffen, Silikonen und den MMA-Klebstoffen findet.

Der Begriff bedeutet, dass zwei voneinander getrennte Komponenten zunächst im richtigen Verhältnis vermischt werden müssen, damit die chemische Aushärtung beginnen kann. Das ist zwar häufig etwas komplizierter in ihrer Handhabung, zeichnet sich aber oft auch durch besonders gute Eigenschaften aus.

So werden zum Beispiel sogenannte 2K-Epoxid-Klebstoffe oder MMA-Klebstoffe auf der Zwei-Komponenten-Basis besonders fest, müssen aber in den allermeisten Fällen sehr schnell innerhalb von nur wenigen Minuten verarbeitet werden. Sie werden häufig für Reparatur- und Montagearbeiten in und am Haus eingesetzt.

Die volle Festigkeit wird nicht nach Sekunden erreicht

Sehr, sehr schnell müssen auch die Sekundenklebstoffe gebraucht werden – ihr Name verrät ja bereits, dass es nur wenige Sekunden dauert, bis sie Teile zusammenkleben. Doch: Die wirkliche Endfestigkeit ist erst nach einigen Stunden gegeben. Man sollte Geklebtes also erst mal noch etwas liegen lassen.

Sekundenklebstoffe werden im Haushalt gerne zum Verbinden von Kleinteilen eingesetzt. Allerdings sind sie nicht sehr feuchtigkeits- und wärmebeständig. Es kann passieren, dass zum Beispiel ein damit angeklebter Henkel einer Tasse sich beim Reinigen in der Spülmaschine wieder löst. Und: „Bei der Verarbeitung von Sekundenklebstoffen ist höchste Vorsicht geboten, weil sie beim Aushärten Hitze entwickeln. Besonders wichtig ist, die Augen zu schützen“, rät Expertin Haye.

Etwas Besonderes unter den Klebstoffen sind die Montage-Produkte. Sie können Nägel oder Schrauben ersetzen. Aber damit ein Montageklebstoff nach dem Fügen abbinden kann, muss mindestens eines der beiden Fügeteile wasserdurchlässig oder saugfähig sein, so dass das Wasser entweichen oder verdunsten kann.

Sind die Flächen auch sauber?

Sie haben die richtige Wahl getroffen, und trotzdem kleben die zwei Seiten nicht? Das kann am Ende auch daran liegen, dass die Klebeflächen nicht frei von Fett und anderem Schmutz waren.

Etwa, wenn Silikon darauf zurückgeblieben ist. „Produkte des täglichen Gebrauchs, zum Beispiel Shampoos, Lippenstifte oder Handcremes, enthalten häufig Silikone“, erklärt Haye. „Sind die Fügeteile einmal damit verunreinigt, kann der Klebstoff keine gute Verbindung zur Oberfläche mehr aufbauen.“ Dann kann das Anschleifen, Beizen oder sogar Bearbeiten mit einer Flamme das Ergebnis verbessern.