18.08.2020 20:00 Uhr

Die besten Reiseziele für Feinschmecker in Europa

Die vielfältige Küche in Europa lockt Foodies aus aller Welt an. Diese Städte sind ein echtes Mekka für Feinschmecker. Buon Appetito, Nyd dit maltid und Bon appétit!

bokan/Shutterstock.com

Europa hat nicht nur Sehenswürdigkeiten und wunderschöne Orte zu bieten, sondern auch eine vielfältige Esskultur. Ob der Käse in Frankreich, der Wein in Italien oder die kreativen Brote in Dänemark – es gibt einige kulinarische Hotspots, die Foodies aus der ganzen Welt anziehen. Wer seine nächste Gourmetreise plant, kommt um diese Ziele nicht drum rum.

Florenz: Regional und opulent

Italien ist, was Kulinarik angeht, ein Klassiker. Pizza, Pasta und gutes Olivenöl sind weltweit bekannt und begeistern Liebhaber guter Küche. Die Stadt Florenz gilt als die Gourmethochburg in der Toskana. Hier wird das Augenmerk auf frische sowie saisonale Produkte gelegt. Statt viel Chichi gibt es eine bodenständige und rustikale Küche. Pasta spielt allerdings eine eher untergeordnete Rolle.

Stattdessen gibt es viele Gerichte mit weißen Bohnen – wie die Ribollita. Eine Gemüsesuppe, die mit alten Brotscheiben eingedickt wird. Ebenfalls eine häufige Zutat: Edelkastanien. Besonders lecker ist Castagnaccio. Dabei handelt es sich um einen einfachen Kuchen, der aus Kastanienmehl zubereitet wird. Rosmarin und Pinienkerne verfeinern die Füllung.

Besonders beliebt sind toskanischen Wurst- und Käsespezialitäten – wie der würzige Schafkäse Pecorino, welcher gerne zum salzlosen Brot (Pane Sciocco) als Vorspeise gereicht wird. Dass kein Salz beim Brotbacken verwendet wird, geht auf eine Auseinandersetzung zwischen Florenz und Pisa zurück. Im 12. Jahrhundert lieferte Pisa kein Salz mehr in die Region – seitdem verzichten die Florentiner beim Brotbacken meist darauf.

Eine Spezialität der Stadt: gegrilltes T-Bone-Steak – Bistecca alla fiorentina genannt. Das Fleisch vom Chianina-Rind ist meist drei bis vier Zentimeter dick und wird über Holzkohle gegrillt. Puristen streuen nur etwas Salz und Pfeffer auf das gute Stück. Manchmal wandern noch ein paar Tropfen Olivenöl auf das Steak. Apropos Olivenöl: In der Toskana werden vor allem die Sorten Moraiolo, Leccino, Frantoio und Pendolino angebaut. Das Klima und die Beschaffenheit des Bodens sind ideal. Das toskanische Olivenöl ist besonders hochwertig und ist bei Kennern sehr gefragt.

Einmal in Florenz, sollten Essensliebhaber unbedingt einen Kochkurs besuchen und sich von einer Nonna das Pasta machen beibringen lassen! Die quadratischen Tortelli di patate, welche mit Kartoffeln und Käse gefüllt werden, gelingen dann auch zu Hause. Klassischerweise werden die Teigtaschen mit einer Fleischsauce serviert. Dazu passt ein wunderbarer toskanischer Wein, wie ein vollmundiger Chianti oder Brunello di Montalcino.

Kopenhagen: Gourmet-Hauptstadt im Norden

Kopenhagen gilt schon länger als Mekka für Essensliebhaber. Die dänische Küche ist dafür bekannt, nicht nur saisonal zu sein, sondern ausschließlich Produkte aus der Region zu verwenden. Die Hauptmalzeit ist das Abendessen, welches als „Middag“ bezeichnet wird. Im Gegensatz zu südlichen Ländern, wo gerne erst nach Sonnenuntergang gegessen wird, setzen sich die Kopenhagener spätestens um 19 Uhr an den Essenstisch.

Eine absolute Spezialität ist Smørrebrød. Es handelt sich dabei um ein belegtes Butterbrot. Traditionell wird es in Dänemark zum Mittagessen gereicht. Mit dem deutschen Butterbrot hat diese Stulle allerdings nichts gemein. Denn die Dänen kreieren aus einer Scheibe Brot, meistens Roggenbrot, ein kleines Kunstwerk. Besonders beliebt sind die Varianten mit Hering oder Lachs. Aber auch Krabben, Käse, Wurst oder Kaviar werden oft verwendet. Wie man das ganze Essen soll? Ganz klar mit Messer und Gabel.

Fun Fact: Die Person, die für die Zubereitung des traditionellen Gerichts zuständig ist, wird als „Smørrebrødsjomfru“ (zu Deutsch: „Butterbrot-Jungfrau“) bezeichnet. Wer die kunstvollen Butterbrote auch zu Hause genießen möchte: In Kopenhagen bieten einige Restaurants Kurs an, um das Smørrebrød-Handwerk zu lernen.

Wer sich für die Sterneküche interessiert, wird in Kopenhagen ebenfalls fündig. Hier gibt es mehr Michelin-Sterne als in jeder anderen skandinavischen Stadt. Das Restaurant „Noma“, von Spitzenkoch René Redzepi (42), wurde mehrfach als „bestes Restaurant der Welt“ ausgezeichnet und gilt als kulinarische Offenbarung. Allerdings hat es seinen Preis. Ein Menü kann gut und gerne 355 Euro pro Person kosten. Wer einen schmaleren Geldbeutel hat, kann einen der vielen Hot-Dog-Stände ausprobieren. Die „Pølsevogn“ stehen an jeder Straßenecke. In Dänemark wird das Würstchen am liebsten mit Senf, Remoulade, Ketchup, saure Gurken und Röstzwiebeln gegessen.

Ein weiteres Nationalgericht sind Frikadellen („frikadeller“), welche aus Schweine- oder Kalbfleisch bestehen. Serviert werden die knusprigen Bällchen mit Kartoffeln, sauren Gurken, eingelegter roter Bete und einer braunen Soße. Aber auch süß können die Dänen: Für Naschkatzen sind vor allem die Zimtschnecken, auch „Kanelsnurrer“ genannt, zu empfehlen. Rote Grütze mit Sahne ist ebenfalls ein beliebtes Dessert in der nordischen Region.

Lyon: Deftige Küche im französischen Genuss-Mekka

Lyon liegt nur zwei Zugstunden von Paris entfernt und gilt als die kulinarische Hauptstadt Frankreichs. Die Stadt verfügt über die größte Restaurantdichte im ganzen Land. Über 2.000 Restaurants gibt es in der Hauptstadt des Departements Rhône-Alpes. Kleine, traditionelle Läden – Bouchons genannt – reihen sich an exquisiten Sternelokalen. Ganze 20 Restaurants mit Michelin-Sternen findet man in Lyon. Als bedeutendster Vertreter der Lyoner Küche gilt Paul Bocuse (1926-2018), der als einer der besten Köche des 20. Jahrhunderts gilt.

Die Küche in Lyon zeichnet sich durch ihre Einfachheit und Raffinesse aus. Aufgrund der Nähe zu den Alpen gibt es einige Gerichte mit Süßwasserfischen, die in den klaren Bergflüssen heimisch sind. Neben Hecht, Saibling und Aal stehen auch Forellen ganz oben auf der Speisekarte. Aber auch Käse landet in Lyon – wie fast überall in Frankreich – oft und gerne auf dem Teller. In der Nähe der 500.000-Einwohner-Stadt liegt das Dorf Saint-Marcellin, wo der gleichnamige Käse hergestellt wird. Er ist mild im Geschmack und findet in Saucen Verwendung.

In den Bouchons findet man traditionelle Küche, die sich vor allem auf regionale Spezialitäten fokussiert. Neben Entenpastete und Schweinebraten gibt es Quenelle. Das sind Fischklöße, meistens aus Hecht. Auch der Klassiker der französischen Küche, Coq au Vin, wird in den kleinen Restaurants oft serviert. Ebenfalls sehr beliebt: Innereien. Panierte Kutteln, die in Brühe gekocht und in Weißwein mariniert werden, sind ein absoluter Genuss für die Bewohner Lyons. Zum Essen wird Wein aus den umliegenden Regionen Beaujolais oder der Côtes du Rhône gereicht.

Wer für süße Sünden zu haben ist, kommt in Lyon ebenfalls auf seine Kosten. Bugnes sind in Fett ausgebackene Krapfen. Die Spezialität wird üblicherweise in der Karnevalszeit gegessen. Sie sind flach, goldbraun und bestehen aus Mehl, Eier, Butter und Zucker. Nicht nur schön, sondern auch lecker sind die Praline rose. Es handelt sich dabei um ein Bonbon, das aus einer mit Zucker ummantelten, gebrannten Mandel besteht und rosa eingefärbt wird.

(amw/spot)