Sonntag, 19. Januar 2020 14:35 Uhr

Harvey Weinstein: So geht’s jetzt im Prozess weiter

imago images / ZUMA Press

Zwei Wochen lang rangen Ankläger und Verteidigung im Weinstein-Prozess um die Zusammensetzung der Jury. Die Auswahl verriet viel über die möglichen Knackpunkte des aufsehenerregenden Prozesses.

Im Prozess gegen den ehemaligen Filmmogul Harvey Weinstein wegen Sexualverbrechen ist der Weg für die Auftaktplädoyers frei. Das Gericht in Manhattan berief am Freitag acht weitere New Yorker als Geschworene – damit ist die Jury aus zwölf Juroren und drei Ersatzleuten komplett. Sie besteht Berichten zufolge aus sieben Männern und fünf Frauen, dazu kommen zwei Frauen und ein Mann als Ersatz. Der Prozess gegen Weinstein hatte am 6. Januar begonnen, nach der Auswahl der Jury sollte es nach dem ursprünglichen Zeitplan am Mittwoch mit den Auftaktplädoyers erstmals Inhaltliches verhandelt werden.

Vorwürfe zweier Frauen und der Chefanklägerin

In dem Prozess gegen Weinstein geht es um die Vorwürfe von zwei Frauen: Der heute 67-Jährige soll eine von ihnen 2006 zum Oral-Sex gezwungen haben, die andere soll er 2013 vergewaltigt haben. Bei einer Verurteilung droht Weinstein eine lebenslange Haftstrafe. Insgesamt hatten mehr als 80 Frauen Weinstein in den vergangenen Jahren sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Viele der mutmaßlichen Taten fanden aber nicht in New York statt oder waren zu lange her, um vor Gericht verhandelt zu werden. Der Prozess soll insgesamt mehr als zwei Monate dauern.

Die Auswahl der Jury aus ursprünglich mehr als 600 und in den vergangenen beiden Tagen mehr als 100 Bürgern warf dabei ein Schlaglicht auf die potenziellen Knackpunkte in dem Prozess. Chefanklägerin Joan Illuzzi-Orbon warf der Verteidigung vor, systematisch jüngere weiße Frauen ausschließen zu wollen. Erst mit den letzten Ernennungen am Freitag wurde ein größeres Ungleichgewicht in der Zahl von Frauen und Männern verhindert. Generell kämpft die Verteidigung eigener Aussage zufolge mit einer Vorverurteilung Weinsteins. Ein großer Anteil der Juroren war ausgeschieden, weil sie sich für befangen erklärten.

So entstand die #MeToo-Bewegung

Die Anschuldigungen Dutzender Frauen gegen Weinstein hatten 2017 die globale MeToo-Bewegung ausgelöst und damit einen großen Einfluss nicht nur auf die US-Gesellschaft. Überall auf der Welt erkannten Frauen und auch einige Männer ihre eigenen Geschichten in denen der mutmaßlichen Weinstein-Opfer wieder und begannen, sie unter dem Schlagwort „Me too“ („Ich auch“) zu sammeln.

Richter James Burke hatte am Donnerstag angesichts dessen deutliche Worte an die potenziellen Juroren gerichtet: „Dieser Prozess ist kein Referendum über die MeToo-Bewegung“, mahnte er. Die Entscheidung der Jury dürfe nur auf den Beweisen, die im Gericht präsentiert werden, beruhen. Das bekannte US-Model Gigi Hadid wurde als Jurorin ausgeschlossen. Es wurde gemutmaßt, dass ihr Status als bekannte Persönlichkeit der Verhandlung schaden könnte.

Auf der anderen Seite wollte die Anklage bei der Befragung der potenziellen Geschworenen mehrfach wissen, ob diese wegen des Aussehens von Weinstein ausschlössen dass dieser ein Vergewaltiger sein könnte. Hintergrund ist, dass der Ex-Filmmogul vor Gericht stets mit einer Gehilfe auftaucht, gebrechlich und alt wirkt. Die Anklage vermutet darin scheinbar ein Manöver, um Mitleid für ihn zu erzeugen. Hauptanwältin Donna Rotunno hatte das zurückgewiesen: Ihr Mandant leide nach einem Autounfall im August unter einer Rückenverletzung.

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