Heißer Protest: Hier ziehen sich 50 Stewardessen öffentlich aus

Fabia SoellnerFabia Soellner | 22.10.2021, 15:12 Uhr
Protest: 50 Stewardessen ziehen sich hier öffentlich aus
Protest: 50 Stewardessen ziehen sich hier öffentlich aus

IMAGO / Independent Photo Agency Int

„Wir sind Alitalia!“ – Mit diesem Schlachtruf haben sich rund 50 Stewardessen in Rom ausgezogen und gegen den Staat und die Flugbranche protestiert. Diese sehr ausgefallene Demo richtete sich besonders an die neue italienische Fluggesellschaft ITA, die ihren Mitarbeitern Hungerlöhne zahlen will.

Eine dramatische Wendung für die zahlreichen Stewardessen, die jahrelang für die nun insolvente Fluggesellschaft Alitalia geschuftet haben. Plötzlich stehen sie im Regen und müssen allein sehen, wie sie klarkommen. Und als wäre alles nicht schon schlimm genug, kommt da auch noch eine neue Fluggesellschaft um die Ecke und erbarmt sich, ein paar der tausend Stewardessen einzustellen. Natürlich für Hungerlöhne – versteht sich.

Protest: 50 Stewardessen ziehen sich hier öffentlich aus
Rund 50 Stewardessen demonstrieren in Rom mit einen Strip-Tease.

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Protest der Stewardessen: „Sie haben uns unsere Haut weggenommen!“

Geld oder Menschlichkeit? Diese Frage scheint sich die neue italienische Fluggesellschaft ITA nicht zu stellen, die nun den Platz der insolventen Fluggesellschaft Alitalia einnehmen will. Weniger als 3.000 der mehr als 10.000 entlassenen Mitarbeitern gewährt das Unternehmen einen Arbeitsplatz, natürlich zu niedrigeren Tarifen und schlechteren Konditionen. Und die anderen 8.000 Flugbegleiter? Scheint, als könnten die laut ITA bleiben, wo der Pfeffer wächst.

„Heute, oder besser gesagt am 15. Oktober, haben sie uns unsere Haut genommen. Wenn man uns die Uniform wegnimmt, bedeutet das, dass man uns alles wegnimmt. Für uns ist die Uniform etwas, das uns in der Welt repräsentiert und wir haben sie immer mit Stolz getragen. Wir sind hier, um unseren Schmerz zum Ausdruck zu bringen und die Solidarität mit unseren Kollegen, die von der ITA gezwungen wurden, einen demütigenden Vertrag zu unterschreiben“, so die Stewardess und Gewerkschaftsvertreterin Christina Pogessi.

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„Alitalia“ ist weg – und jetzt?

Ganz schön tragisch, wenn man an die ganzen Schicksale denkt, die an diesem Insolvenzverfahren hängen. Auf die neue Fluggesellschaft ITA scheint auf jeden Fall kein Verlass zu sein. Von wo können sich die strippenden Stewardessen also noch Hilfe erhoffen? Die Entlassungsfonds werden bald geschöpft sein und die Mitarbeiter dann in den freien Fall geworfen. Die einzige Möglichkeit – der Staat muss die Entlassungsfonds bis 2025 verlängern. Diese Forderung wurde allerdings von dem Ministerium für Arbeit abgelehnt.

„Es ist inakzeptabel, dass rund 7.500 Angestellte, die aus dem Stellenplan gestrichen werden, ihren Arbeitsplatz verlieren und keine finanzielle Unterstützung erhalten sollen. Wir fordern eine sichere Perspektive, was das Gehalt und den Standortwechsel angeht“, meint Stefania Fabbri, eine Gewerkschafterin der Fit-Cisl Lazio, mit ernster Miene. Vielleicht haben die Frauen mit ihrer Entkleidung etwas bewegt – die internationale öffentliche Aufmerksamkeit haben sie auf jeden Fall gewonnen. (FS)