Beltracchi: Weltberühmter Ex-Kunstfälscher veröffentlicht NFT-Sammlung

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13.10.2021 22:20 Uhr

Wolfgang Beltracchi zieht es in die digitale Kunstwelt. Der Maler und legendäre ehemalige Kunstfälscher veröffentlicht eine eigene NFT-Kollektion.

Wolfgang Beltracchi (70) führte den Kunstmarkt jahrelang an der Nase herum wie kein anderer. Der Deutsche — für Kunsthändler ein Feindbild, für andere selbst eine Art Genie — fälschte (besser: erfand) Kunstwerke und verdiente Millionen damit. Als er damit aufflog, sorgte er für den größten Kunstfälschersskandal der Nachkriegszeit.

Beltracchi wurde daraufhin zu sechs Jahren Haft verurteilt. Seit seiner Entlassung im Jahr 2015 ist er „nur noch“ als Maler mit eigener Handschrift tätig. Nun widmet er sich dem digitalen Kunstmarkt — und veröffentlicht eine eigene NFT-Reihe, bei der sich wieder dem Stil anderer Künstler annimmt.

Details zur NFT-Kollektion „The Greats“

Für die NFT-Kollektion „The Greats“ hat sich Beltracchi etwas Besonderes einfallen lassen. Er stellt das Renaissance-Gemälde „Salvator mundi“ (das Leonardo da Vinci zugeschrieben wird) ins Zentrum — und interpretiert es in den Handschriften von Malern wie Picasso, Dalí, Van Gogh, zeigt es im Stil von Kubismus, Pop Art und vielen anderen Stilen. Auch eine Version in seiner eigenen Handschrift soll es geben.

So sollen so 4608 Originale zustande gekommen sein   — unterteilt in 30 Serien und sieben Epochen. Auf der Website „greats.art“ befindet sich ein Countdown zur Auktion, die in fünf Tagen stattfinden wird. Der Clou: Käufer wissen nicht, für welche Kunstwerke sie mitbieten, sondern bekommen per Zufall eines zugewiesen!

Was ist denn NFT?

Die Abkürzung NFT steht für Non-Fungible-Token (auf Deutsch: Nicht austauschbarer Token) und sorgt gerade in der digitalen Welt für viel Aufsehen.

Dabei handelt es sich um digitale Files (von Bildern über Musik bis Memes), die als Einzelstücke erworben werden können und oft Erlöse in Millionenhöhe erzielen. So wurde im September 2021 beispielsweise das erste digitale Smiley versteigert.

Der Hintergrund zu Wolfgang Beltracchi

Wolfgang Beltracchi als reinen Kunstfälscher zu bezeichnen, wäre viel zu kurzgegriffen. Beltracchi kopierte keine bestehenden Werke großer Künstler, sondern dachte sie weiter. Er erfand „neue“ Werke von Maler wie Max Ernst, Max Pechstein oder Heinrich Campendonk, deren Handschrift er bis ins kleinste Detail studiert hatte. Er suchte sich biographische und künstlerische Lücken, schuf Kunstwerke, die er anschließend an den nichts ahnenden Kunstmarkt verkaufte — und verdiente damit, gemeinsam mit seiner Frau Helene Beltracchi (63) Millionen (angeblich sollen es insgesamt 50 Millionen Euro gewesen sein). Es ist eine spannende wie einzigartige Geschichte, die man unter anderem in der großartigen Netflix-Doku „Beltracchi: Die Kunst der Fälschung“ nachsehen kann.

Wie man Beltracchi auf die Schliche kam

Beltracchi wurde eine vermeintlich kleine Nachlässigkeit zum Verhängnis. Anstatt seine Farben selbst zu mischen, wie es für ihn üblich war, verwendete er für das Werk „Rotes Bild mit Pferden“ (eine Campendonk-Fälschung) eine Tube Zinkweiß, die auch Titanweiß enthielt.

Diese Farbe wurde zur Zeit Campendonks aber noch nicht verwendet — durch eine Analyse flog der Schwindel auf. Auch seine Frau Helene Beltracchi musste daraufhin ins Gefängnis. (KT)

Wolfgang und Helene Betracchi 2014 zu Gast in der Talkshow von Markus Lanz.

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