Facebook verkündet die Zukunft: Große Veränderungen oder viel heiße Luft?

Sebastian GrünbergerSebastian Grünberger | 29.10.2021, 21:44 Uhr

IMAGO / Italy Photo Press

Ein Namenswechsel, große Versprechungen, einige Ankündigungen, ein bisschen heiße Luft und ein Hauch Dystopie: Das passierte auf der „Facebook Connect“.

Gespannt blickte die Tech-Welt am 28. Oktober 2021 auf die „Facebook Connect“. Spekulationen gab es im Vorfeld viele. Würde Facebook nun endlich seine VR-Welt Horizons veröffentlichen? Oder gar, nur ein Jahr nach der Oculus Quest 2, ein neues Virtual-Reality-Headset veröffentlichen? Würde Mark Zuckerberg (37) auf die gravierenden Vorwürfe der letzten Zeit eingehen? Oder würde der Konzern sogar den kolportierten Namenswechsel verkünden?

Facebook heißt jetzt Meta

Die große Nachricht des Abends war dann auch tatsächlich, dass Zuckerberg einen neuen Konzernnamen bekannt gab. Nachdem der Milliardär immer wieder vom wegweisenden Mixed-Reality-Internetkonzept der Zukunft namens Metaverse geschwärmt hatte, war der neue Name für viele gar nicht so überraschend: Facebook heißt es Meta — genauer gesagt der Facebook übergeordnete Mutterkonzern (vergleiche: Google und Alphabet). Das mag auch damit zu tun haben, dass viele mit dem Namen Facebook nicht unbedingt positive Gefühle verbinden, sondern eher an die Vorwürfe rund um das Thema Privatsphäre und den (mangelnden) Umgang mit Falschnachrichten assoziieren. Die Social-Media-Plattform heißt indes weiterhin Facebook. Und ja, Zuckerberg und Kollegen kamen immer wieder auf die eigene Verantwortung, Ethik und Privatsphäre zu sprechen. Eine konkrete Stellungnahme zur Kritik der vergangenen Zeit suchte man aber vergeblich, dafür war alles zu eitel Wonne und exciting future.

Zuckerberg erklärte die Zukunft.

Es drehte sich viel, eigentlich fast alles, in Zuckerbergs rund einstündigem Vortrag um das Metaverse. Die Zukunft, das ist für den Konzern klar, ist Mixed Reality. Das belegten zahlreiche Szenen, in denen Hologramme zu sehen waren, sich Mitarbeiter via Augmented oder Virtual Reality von A nach B beamten und gemeinsam an Projekten arbeiteten oder Spiele spielten. Mit Natürlichkeit glänzte zwar kein einziger der Dialoge, die Bilder waren jedoch durchaus nett anzusehen. Eines ließen die visionären Bilder aber aus: Dass man dafür schlussendlich immer noch ein Headset tragen muss — und diese für den Großteil der Menschen zumindest derzeit immer noch zu klobig und unbequem sind.

Ein bisschen Dystopie war auch dabei.

Augmented Reality ist ein zukunftsträchtiges Konzept — und es wird noch Jahre dauern, bis wir dort sind, wo wir gerne hinwollen. Daraus machte auch Zuckerberg keinen Hehl. Facebook, pardon, Meta glaubt jedenfalls ganz fest daran und investiert extrem viel Geld in die Forschung. Allerdings gibt es da auch durchaus eine Kehrseite der Medaille: Denn das Ziel ist, das Eye-Tracking zu perfektionieren. Damit weiß die Headset (und damit der Konzern, der diese Daten hat) der Zukunft ganz genau, was man anvisiert, welche Werbung man wie lange ansieht — und auch, wie die eigene Wohnung (im Detail analysiert) aussieht. Eines stet fest: Facebook/Meta wird mit diesen Daten noch mächtiger.

 

Und was gibt es tatsächlich neues?

Die von vielen erhoffte Oculus Quest 2 Pro wurde nicht vorgestellt. Für Oculus-User gab es dennoch ein paar Neuigkeiten. Die viel kritisierte Facebook-Account-Pflicht entfällt — man kann sich, um die Oculus Quest zu nutzen, künftig mit einem Extra-Account einloggen. An vielen Stellen wird nachgebessert (Multiplayer-Features, Sprachinteraktion, Handtracking). Mit „Grand Thef Auto: San Andreas“ und „Sword & Sorcery“ erscheinen demnächst zwei neue Titel. Die Oculus-Home-Umgebung „Oculus Home“ wird zu „Horizon Home“ und künftig ein Ort, an den man Freunde virtuell einladen kann. Und das Wort NFT viel auch oft.

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Neues Headset und Fazit

Eine große VR-Ankündigung gab es auch noch: Facebook veröffentlicht  2022 ein neues Headset, derzeit mit „Project Cambria“ betitelt ist. Dieses ist kein Nachfolger der Oculus Quest 2, sondern ein höherpreisiges Modell mit verbesserten Features (und einer Passthrough-Funktion in Farbe, die die AR-Zukunft einläuten soll) sein. Erscheinen soll „Project Cambria“ irgendwann 2022, ein Foto gab’s auch zu sehen (das man bereits von Leaks kannte) — ansonsten blieb es bei der Ankündigung. Als der Livestream zu Ende war, hatte man das Gefühl, da hätte irgendwie mehr kommen können.