Zu viel TestosteronLive im TV: Sex-Grabscher belästigt Reporterin

Live im TV: Sex-Grabscher belästigt Reporterin
Live im TV: Sex-Grabscher belästigt Reporterin

© ESB Professional/Shutterstock

Redaktion KuTRedaktion KuT | 29.11.2021, 21:20 Uhr

Mit so einem Arbeitstag hatte Greta Beccaglia mit Sicherheit nicht gerechnet. Die italienische Sportreporterin ging nach Spielende in Empoli live auf Sendung, als sie Opfer einer Sex-Attacke wurde. Ein Mann griff ihr in aller Öffentlichkeit an den Po. Pfui!

Ein Ligaspiel der italienischen Fußball-Liga „Serie A“ am 27. November hatte seinen unrühmlichen Höhepunkt erst nach dem Abpfiff. Nachdem Empoli mit 2:1 gegen Florenz gewann, strömten die Zuschauer aus dem Stadion. Mittendrin war auch Greta Beccaglia. Allerdings nicht als Fan, sondern als Journalistin bei der Arbeit.

Die italienische TV-Moderatorin wollte direkt nach Spielende für ihren Sender „Toscana TV“ live berichten. Doch weit kam sie nicht. Ein „Fan“ betatschte sie direkt vor dem Stadion und fasste ihr im Vorbeigehen an den Po. Leider sind solche Angriffe kein Einzelfall in Italien.

Italienische Klubs setzen Zeichen gegen Gewalt

Der vergangene Spieltag stand in Italien wieder einmal unter besonderer Bedeutung. Wie jedes Jahr machten die einzelnen Mannschaften der obersten Spielklasse auf häusliche Gewalt und Gewalt gegen Frauen aufmerksam. Mit einem roten Strich im Gesicht wollten die Profis darauf hinweisen. In Italien werden pro Tag etwa 90 Frauen Opfer von Übergriffen. Doch leider wurde die starke Aktion von einem Widerling mit Füßen getreten, ja geradezu verhöhnt.

Rassismus und Gewalt in den italienischen Fußballstadien waren in den vergangenen Jahren leider an der Tagesordnung. Und auch mit Sexismus hat die italienische Sportlandschaft ein echtes Problem. Deshalb kann es nicht genug Aktionen und Projekte geben, um hier für ein Umdenken zu sorgen.

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Greta Beccaglia bleibt erstaunlich ruhig

Und auch jetzt zeigte sich wieder einmal die hässliche Fratze eines Übergriffs. Anders ist das Verhalten des Fußballanhängers, der Greta Beccaglia begrapschte, nicht zu erklären. Der näherte sich der Kommentatorin und griff ihr wortlos an den Hintern. Einfach nur feige, dass er danach schnell das Weite suchte.

Beccaglia war erst total perplex und sagte dann mit erhobenem Zeigefinger: „Tut mir leid, sie können das nicht tun.“ Und das hatte sie noch milde und souverän ausgedrückt, Respekt vor so viel Contenance! Genauso unfassbar war die Reaktion ihres Kollegen Giorgio Micheletti aus dem Studio. „Sei nicht böse, du wirst auch mit diesen Erfahrungen wachsen!“, spielte er den Vorfall hinunter.

Wenigstens ruderte er noch etwas nach. „Einige Verhaltensweisen verdienen eine gesunde Ohrfeige, wie sie sie als Kind bekommen hätten, um daran zu wachsen“, sagte er im Anschluss an die Zuschauer im TV.

Täter inzwischen identifiziert

Unterstützung bekam das Opfer des Übergriffs vom italienischen Journalistenverband. Die Kollegen verurteilten die Tat auf Schärfste.  Es sei nun an der Zeit, „die Belästigung von Frauen einzustellen, sie ist ein soziales und kulturelles Problem.“ Es bleibt zu hoffen, dass diese Misere dem Verband schon länger bekannt ist!

Über ihren Instagram-Account rief die Geschädigte ihre Follower dazu auf, den Täter ausfindig zu machen. „Was mir passiert ist, ist nicht akzeptabel und sollte nicht wiederholt werden. Es war im live im Fernsehen. Leider passieren solche Belästigungen, wie wir wissen, auch anderen Frauen bei ausgeschalteter Kamera, also ohne, dass man es erfährt.“ Auch die Polizei schaltete sich ein. Inzwischen ist der Vollidiot zum Glück identifiziert.

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Moderatorin mit Schmuddel-Rufen belästigt

In der Vergangenheit ereignete sich in Neapel ein ähnlicher Vorfall. Beim „Serie-A“-Spiel des SSC Neapel gegen Brescia Calcio könnten sich einige männliche Stadionbesucher nicht zurückhalten. Als die italienische Moderatorin Diletta Leotta an ihnen vorbeilief, rief die Menge: „fuori le tette“ („Hol deine Brüste raus“).

Zu diesem Zeitpunkt war der Sender aber noch nicht live. Lediglich ein Twitter-User filmte den Skandal. Der Social Media-Star, der acht Millionen Follower hat, blieb aber gelassen. Diletta winkte erst mit ausgestrecktem Zeigefinger ab. Danach zeigte sie mit dem Daumen nach unten. Vermutlich dürfte sie solche Sprüche sowieso öfters hören, die Dunkelzimmer ist in Italien leider enorm hoch.