Linda Zervakis: So war die letzte Sendung der „Tagesschau“-Moderatorin

Linda Zervakis: So war die letzte Sendung der „Tagesschau“-Moderatorin
Linda Zervakis: So war die letzte Sendung der „Tagesschau“-Moderatorin

Foto: IMAGO / Future Image

16.07.2021 16:06 Uhr

Im April 2021 führte Linda Zervakis ein letztes Mal vor ihrem Wechsel zu ProSieben durch die „Tagesschau“. Die Zuschauerquote war riesig - doch die Moderatorin blieb gewohnt cool und wählte in der Sendung zum Abschied unprätentiöse Worte.

Die allerletzte Ausgabe der „Tagesschau“ mit Linda Zervakis als Moderatorin war in Sachen Zuschauerquoten ein Hit. Die Einschaltquote betrug stolze 43,2 Prozent, was 13,43 Millionen TV-Zuschauern entspricht. Sie alle wollten Lindas letzten Einsatz für das öffentlich-rechtliche Nachrichten-Schlachtschiff sehen. Die Hamburger Deern mit den griechischen Wurzeln wechselt ab Herbst 2021 zu ProSieben.

So war die letzte „Tagesschau“-Sendung mit Linda Zervakis

Auf den ersten Blick war die Sendung selbst natürlich „business as usual“, es ging unter anderem um die gerade erst angelaufene Impfkampagne, Militärausgaben und den russischen Regime-Kritiker Nawalny. Die „Tagesschau“ nahm ihren gewohnt sachlichen Lauf, und auch am Ende wählte Linda Zervakis keine großen Worte, um nach all den Jahren ihren „Tagesschau“-Abschied einzuleiten. „Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Machen Sie es gut und bleiben Sie gesund“, waren ihre abschließenden Sätze.

Eine subtile Anspielung konnte sie sich dennoch nicht verkneifen, denn die Moderatorin trug den gleichen knallroten Hosenanzug, den sie bereits bei der Moderation ihrer allerersten „Tagesschau“-Ausgabe angehabt hatte. Was so manchen Zuschauer irritiert haben durfte, war die Tatsache, das Linda Zervakis am Ende der Sendung nicht offiziell verabschiedet wurde – es gab weder Abschiedsgruß noch einen Blumenstrauß, wie es üblich gewesen wäre.

Emotionale Verabschiedung in den „Tagesthemen“

Eben jene Verabschiedung wurde jedoch später am gleichen Abend in den „Tagesthemen“ nachgeholt. Co-Moderator Ingo Zamperoni, mit dem sie von Beginn an für die „Tagesschau“ vor der Kamera gestanden hatte, umarmte seine Kollegin (beide trugen dabei Corona-bedingt eine Maske) und überreichte ihr den schmerzlich vermissten Blumenstrauß. Zamperoni verabschiedete seine Kollegin mit warmen Worten und ein paar Tränen in den Augen: „Wir werden dich sehr, sehr vermissen.“

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Zervakis und Zamperoni: Ouzo und Tränen zum Abschied

Nun ließ sich auch Linda Zervakis nicht lumpen und spendierte zur Freude und Überraschung ihres Co-Moderators standesgemäß ein Glas Ouzo – „kein griechischer Abschied ohne Ouzo“, kommentierte die Moderatorin. Tatsächlich hatte sie bereits zuvor in einem Interview angekündigt, einen „schlanken griechischen Abgang“ für ihren letzen Tag im Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen wählen zu wollen. Im Hintergrund wurde währenddessen die Laufschrift „Danke Linda! Rock On“ eingeblendet.

Fans verabschieden sich auf Twitter und Instagram

Die Fans indessen verabschiedeten sich in den sozialen Netzwerken von der „Tagesschau“-Sprecherin. Auf Twitter erhielt sie viel positive Resonanz und wurde beispielsweise als „sympathischste Stimme der Tagesschau“ geadelt; ein anderer User bezeichnete sie als „immer charmant“. Auf der „Tagesschau“-Website fiel der Abschied erwartungsgemäß etwas nüchterner aus – man bedauere sehr, „auf Linda Zervakis verzichten zu müssen“.

Was ist dran am Zervakis-Zerwürfnis mit dem NDR?

Die Moderatorin selbst wandte sich nochmals via Instagram an das „Tagesschau“-Team, das sie jahrelang begleitet hatte. Sie schrieb in einem Post: „Das waren acht aufregende und schöne Jahre. Danke, dass ich ein Teil von euch sein durfte und in den Jahren bei euch sehr viel gelernt habe, das ich niemals missen möchte.“ Kürzlich musste sie, ebenfalls via Instagram, dem Gerücht entgegengetreten, es habe ein Zerwürfnis zwischen ihr und dem NDR gegeben. Die „Bild“ hatte darüber berichtet, Zervakis zufolge hatte das Blatt allerdings schlicht das Dementi der Moderatorin ignoriert, das bereits vorgelegen habe.

Linda Zervakis’ Abschied von der „Tagesschau“ – und der Neuanfang

Als Moderatorin ist Linda Zervakis im Laufe der Jahre zu einer festen Instanz im öffentlich-rechtlichen Vorabendprogramm geworden. 2013 übernahm sie erstmals die Hauptausgabe der wohl wichtigsten deutschen Nachrichtensendung um 20 Uhr, damals gemeinsam mit Ingo Zamperoni und Gabi Bauer.

Das Ende ihrer Zeit bei der „Tagesschau“ überraschte ihre Fans – anders als etwa Jan Hofer, der ein Jahr zuvor seinen Abschied von der Nachrichtensendung bekannt gab, ist Linda Zervakis weit davon entfernt, in Rente zu gehen (obwohl auch für Jan Hofer die Zeichen nun wieder auf Neuanfang stehen). Schließlich ist die Moderatorin mit griechischen Wurzeln gerade einmal 46 Jahre alt.

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Der Traum von der Entertainment-Karriere

Und doch spielte das Älterwerden eine große Rolle bei ihrer Entscheidung, die „Tagesschau“ zu verlassen. Sie wollte nämlich unbedingt noch einmal etwas Neues ausprobieren, bevor sie zu alt dafür sei. Dass ihre Karriereziele schon in jungen Jahren ganz andere waren, als Nachrichten in den öffentlich-rechtlichen Programmen zu verlesen, wissen nur die Wenigsten…

Linda Zervakis: So war die letzte Sendung der „Tagesschau“-Moderatorin
Langersehnter Schritt ins Infotainment: Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel präsentieren ProSieben-Journal „Zervakis & Opdenhövel. Live."

Foto: ProSieben/Michael de Boer

Schon Klein-Linda träumte von der großen Bühne

In ihren Jugendjahren hätte wohl kaum einer geglaubt, dass Linda Zervakis einmal „Tagesschau“-Sprecherin werden würde. Als Kind griechischer Gastarbeiter musste sie sich gegen gesellschaftliche Widrigkeiten behaupten und zudem im Kiosk ihrer Eltern aushelfen – insbesondere nach dem frühen Tod ihres Vaters, der verstarb, als Linda Zervakis gerade einmal vierzehn Jahre alt war.

Insgeheim träumte sie allerdings von einer Medienkarriere – nicht bei der ARD, sondern bei VIVA oder MTV. Für beide Sender war sie jedoch nach eigener Aussage nicht „fancy“ genug.

So gelangte sie über einen Umweg (unter anderem absolvierte sie ein Praktikum bei der Werbeagentur BBDO und arbeitete beim Radio) zum NDR. Schnell moderierte sie kleinere, lokale Formate, bevor sie 2013 den Ritterschlag erhielt und Anchorwoman bei der „Tagesschau“ wurde.

Linda Zervakis: Der langsame Abschied von der „Tagesschau“

Bis 2021 war sie ein Fixpunkt der Nachrichtensendung, doch hatte sie nie ihren Jugendtraum aufgegeben, einmal im Entertainment-Bereich zu arbeiten. Den Absprung zeichneten zahlreiche Nebenprojekte der vergangenen Jahre vor. So machte Linda Zervakis unter anderem mit ihrem Podcast „Gute Deutsche“ auf Spotify von sich reden und wirkte in Musikvideos von Bands wie Deichkind oder Die Ärzte mit.

Schließlich bot sich ihr eine Gelegenheit, die sie offenbar nicht ausschlagen wollte: Eine eigene Infotainment-Show auf ProSieben! Reportagen und Interviews sollen bei dem neuen Format im Fokus stehen, moderieren wird sie neben Matthias Obdenhövel. Im Herbst 2021 soll „Zervakis & Obdenhövel. Live“ anlaufen.

Bevor sie sich der neuen Herausforderung zuwenden kann, musste sie sich allerdings von ihrem Stammsender NDR verabschieden, für den sie seit 2004 in verschiedenen Sendungen tätig gewesen war. Somit flimmerte am 26. April 2021 die letzte „Tagesschau“-Ausgabe mit Linda Zervakis über die Mattscheiben der Republik.

Nach dem „Tagesschau“-Ende: Das hält die Zukunft für Linda Zervakis bereit

Während die „Tagesschau“ hierzulande für Tradition und Konstanz steht, ist Linda Zervakis schon immer umtriebig gewesen. Neben dem schon erwähnten Podcast und ihren Auftritten in Musikvideos hat sie in den vergangenen Jahren zwei Bücher verfasst, darunter der Bestseller „Etsikietsi. Auf der Suche nach meinen Wurzeln“.

Gut denkbar, dass Linda Zervakis in Zukunft erneut in verschiedener Hinsicht Grenzen überschreitet. So hegt sie die Vorstellung, irgendwann einmal eine eigene Frühstückspension irgendwo in Griechenland zu betreiben. Wer also auch einmal einen Ouzo mit Linda Zervakis trinken möchte, wird das vielleicht in ein paar Jahren abseits von Galas und Medien-Events tun können.