Twitter-Hasswelle: Politikerin Ricarda Lang wird heftig wegen Übergewicht gemobbt

Ena ReziEna Rezi | 28.01.2022, 17:39 Uhr
Twitter-Hasswelle: Grünen-Politikerin wird wegen Übergewicht gemobbt
Twitter-Hasswelle: Grünen-Politikerin wird wegen Übergewicht gemobbt

Foto: IMAGO / Political-Moments

Corona-Schwurbler und Impfgegner haben einen neuen Feind: Ricarda Lang. Die Grünen-Politikerin erntet gerade einen kollektiven Shitstorm auf Twitter & Co. Angeblich, weil sie sich eine Impfpflicht wünscht.

In Wirklichkeit ist der Hass gegen Ricarda Lang (28) aber vor allem auf Eines gerichtet: Ihr Übergewicht. Während alle Fetten-Hasser aus ihren Löchern kriechen, versucht die stellvertretende Bundesvorsitzende nur ihren Job zu machen.

„Fette sind genauso schlimm wie Impfbefürworter!“

Der Hashtag #Übergewicht trendet gerade auf Twitter. Auslöser ist – ganz ungewollt – die stellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, nach ihrer bewegenden Rede vor dem Bundestag. Frau Lang möchte eine allgemeine Impfpflicht für alle Ü18-jährigen. Die Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten durch die Corona-Maßnahmen seien ihrer Meinung nach schlimmer, als eine einmalige Impfpflicht für Alle. Das sehen aber vor allem die rechte Seite des Bundestages und viele Corona-Leugner im Twitter-Universum ganz anders.

Denn zum Hashtag #Übergewicht finden sich einige hässliche Kommentare, die eher den Beigeschmack von Fatshaming und Frauenhass tragen, als politischem Diskurs: „Meine Güte, ist das eine absolut unfassbar f€tt€ P€rson #uebergewicht #RicardaLang“ schreibt eine Userin unter ein mit Photoshop manipuliertes Bild der jungen Politikerin.

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Der Twitter-Hass gegen Frau Lang eskaliert

Das hässliche Bild zeigt eine passionierte Politikerin am Redner-Pult, aber in ihrer Hand taucht plötzlich ein Burger auf, natürlich mit Photoshop reinkopiert. Auf einem anderen Bild hält die Body-Positivity Aktivistin ein falsches Eis in der Hand, während sie auf Internet-Mobbing und Hass gegen dicke Frauen aufmerksam macht. Humor für grenzdebile Incels, wie es ihn schon immer gegeben hat.

„Dicke Frau denkt sie ist schlau genug, um vor den Bundestag zu treten und ihre Meinung zu sagen. Aber eigentlich ist sie nur fett und dumm!“. Geistreicher könnte ein politischer Diskurs nicht laufen. Sarcasm off. Deswegen befasst sich Ricarda Lang auch gar nicht mehr mit ihren Hatern: „Ich beschäftige mich so gut wie nicht mehr mit der Hetze. Den Platz, den ich jetzt habe, um für meine Ideen und Konzepte zu werben, will ich nicht mit denjenigen teilen, die Hass verbreiten“, sagt sie in einem Interview mit N-TV. Intellektuell können die Twitter-Schwurbler Frau Lang jedenfalls nicht das Wasser reichen.

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Twitter-Heuchler auf Gesundheits-Mission

Dass Frau Lang einige schlaue Dinge zu sagen hat, scheint durch ihr Übergewicht überschattet zu werden. Die Heucheleien auf Twitter nehmen immer noch kein Ende. Angeblich würde man sich „um die Gesundheit der jungen Politikerin sorgen, sie gehöre ja mit ihrer Fettleibigkeit bereits zur Risikogruppe!“. Deswegen verstünden einige Impfgegner gar nicht, wie sich die junge Dame anmaßen könne, gesundheitliche Ratschläge oder Impf-Empfehlungen auszusprechen.

Gleichzeitig gehen aber Screenshots von ihr in einem Zug mit einer McDonalds Tüte auf dem Tisch viral, um den Fetten-Mythos weiter anzuheizen: „Dicke Menschen sind faul, hässlich, dumm, und essen nur Fast-Food.“ Aber natürlich machen sich alle nur grooooße Sorgen um die ganzen Risikofaktoren und die Belastungen unseres Gesundheitssystems.

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IMAGO / Future Image

Dicke Frauen haben in der Politik nichts verloren

Wenn Ricarda Lang nicht bei den Grünen sondern der AfD wäre, hätte ihr Übergewicht vielleicht gar keine Rolle gespielt. Aber gerade weil sie doch zu den gesundheitsbewussten Grünen gehört, sollte sie auch gefälligst so aussehen! Aber ist das so? Muss unsere Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine Luftwaffe abfeuern können? Muss ein Umweltminister mit dem Fahrrad nach Mallorca sprinten, wenn er Urlaub machen will?

Und wenn wir schon bei Wasser predigen, aber Wein trinken sind: Bei den Anfeindungen gegen Ricarda Lang geht es weder der AfD um die verfassungsrechtliche Freiheit des Einzelnen, noch sorgen sich die Kellerkinder hinter ihrem PC auf Twitter wirklich um unser Gesundheitssystem und die gefährliche Impfung: Hier geht es ganz einfach um die Diskriminierung von dicken Menschen und vor allem dicken Frauen. Denn an einem fetten Ludwig Erhardt oder Helmut Kohl hat sich doch auch keiner gestört, weil er fett war? Schon eher wegen reichlich Inkompetenz, aber die lässt sich als weißer reicher Mann von Welt bekanntlich gut kaschieren.