Oscars: Wer seinen Preis zurückgeben musste – und wer bestraft wurde

Sebastian GrünbergerSebastian Grünberger | 29.03.2022, 20:06 Uhr
Detailansicht eines Oscars
Detailansicht eines Oscars

AP Photo/Lewis Joly, Pool

Nach Will Smiths Ausraster bei den Oscars will die Academy möglicherweise Konsequenzen ziehen. Während Smith um seinen Preis bangen muss, werfen wir einen Blick darauf, ob tatsächlich schon mal jemand seine Trophäe wieder zurückgeben musste.

Eigentlich sollte Will Smith (53) ja einer der strahlenden Gewinner der Oscars sein. Schließlich wurde der Hollywoodstar für seine Rolle im Film „King Richard“ als „Bester Schauspieler“ ausgezeichnet. Leider ging Smith an diesem Abend aber nicht mit seiner Leistung, sondern mit einem fragwürdigen Ausraster (er ohrfeigte den Comedian Chris Rock, 57, vor laufenden Kameras) in die Geschichte ein.

Nun muss er vielleicht sogar um seinen Award bangen – die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences erklärte, ein Untersuchungsverfahren eingeleitet zu haben. Aber gab es das eigentlich schon mal, dass jemand seinen Academy Award zurückgeben musste? Und wurden Leute bereits aus der Academy rausgeschmissen?

Will Smith gewinnt einen Oscar

Kyusung Gong / A.M.P.A.S.

Oscars: Wie geht die Academy mit schwerwiegenden Vorwürfen um?

Die Antwort: Nein, bislang musste noch niemand seinen Oscar zurückgeben — und es wäre eine Überraschung, wenn Smith tatsächlich der Erste wäre, der dies tun müsste. Nicht, dass sein gewalttätiges Verhalten (familiäre Beweggründe hin oder her) akzeptabel wäre — das ist es nämlich keinesfalls. Aber die Academy hätte in der Tat schon viel triftigere Gründe gehabt, aus ethischen Gründen Preisträger zur Rückgabe der begehrten Trophäe aufzufordern. Hier kommen einem zwei Beispiele in den Sinn: die beiden renommierten Regisseure Roman Polanksi (88) und Woody Allen (86).

Nach Wills Smiths Ausraster: „Die Academy duldet keinerlei Gewalt“

Polanski wurde 2006 mit dem Oscar ausgezeichnet — 23 Jahre, nachdem er eine Minderjährige sexuell missbraucht haben soll (Polanski reist deswegen seit vielen Jahren nicht mehr in die USA ein — aus Angst verhaftet zu werden). Auch Woody Allen sah sich mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert — seine Tochter Dylan Farrow bezichtigte ihn 1992 des sexuellen Missbrauchs. Das hielt die Academy aber nicht davon ab, ihm auch nach diesem Vorwurf einen (von insgesamt vier) Oscars zu verleihen.



Die Sache mit Harvey Weinstein und dem #MeToo-Skandal

2017 erschütterte der #MeToo-Skandal Hollywood und die ganze Welt. Immer mehr Geschichten von sexuellem Missbrauch durch Filmbosse, Regisseure und Schauspieler wurden laut, in der Filmmetropole blieb kein Stein auf dem anderen.

Das veranlasste die Academy, ihren Verhaltenskodex zu überarbeiten. In einem Schreiben an die Mitglieder hieß es damals etwa: „In der Academy ist kein Platz für Menschen, die ihren Status, ihre Macht oder ihren Einfluss in einer Weise missbrauchen, die gegen anerkannte Normen des Anstands verstößt. Die Academy wendet sich kategorisch gegen jede Form von Missbrauch, Belästigung oder Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung, Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, Behinderung, Alter, Religion oder Nationalität“.

Harvey Weinstein und Georgina Chapman auf dem roten Teppich der Oscars

Matt Petit / ©A.M.P.A.S.

Ein Name stach im #MeToo-Skandal immer wieder besonders heraus: Harvey Weinstein (70), Filmproduzent, Studioboss und einer der ehemals mächtigsten Männer Hollywoods. Er soll seine Position unzählige Male ausgenutzt haben, die Vorwürfe gegen ihn wegen sexuellen Missbrauchs schienen gar kein Ende zu nehmen. Weinstein, der mittlerweile im Gefängnis sitzt und in Hollywood als Persona-non-grata gilt, wurde von der Academy ausgeschlossen.  Was allerdings nicht erwähnt wird: Der Filmmogul erhielt 1999 selbst einen Oscar — und zwar als Produzent des Films „Shakespeare In Love“. Diesen darf er immer noch sein Eigen nennen, eine Rückgabe wurde nicht gefordert.

Wie geht es jetzt mit Will Smith weiter?

Ob die Academy tatsächlich Konsequenzen ziehen wird, bleibt abzuwarten. Den Vorwurf, gegen weiße (entweder vermeintliche oder bereits verurteilte) Sexualstraftäter nichts zu unternehmen, schwarze Schauspieler  jedoch wegen viel geringeren Vergehen zu bestrafen, müsste sie sich in diesem Fall definitiv gefallen lassen. Für die Organisation, der in der Vergangenheit ohnehin bereits Rassismus vorgeworfen wurde, wäre diese Diskussion mehr als unerfreulich.

Will Smith schlug schon vor den Oscars zu — genau wie auch andere Promis!

Oscars: Infos zum Ausraster von Will Smith

Smith war am 27. März 2022 bei der Oscarverleihung ausgerastet, als Comedian Chris Rock einen Witz auf Kosten von Smiths Ehefrau Jada Pinkett Smith (50) machte. Was Rock angeblich nicht wusste: Pinkett Smiths Stoppelfrisur, über die er sich lustig gemacht hatte, ist das Resultat einer Erkrankung. Smith stürmte auf die Bühne und ohrfeigte Rock. Danach brüllte er ihn an: „Nimm den Namen meiner Frau nicht in deinen verdammten Mund“. Rock soll von Smiths Aktion völlig überrumpelt gewesen sein. Laut dem US-amerikanischen Promiportal „TMZ“ ist es bislang zu keiner Aussprache oder Versöhnung der beiden gekommen. Smith hat sich in der Zwischenzeit bei Rock für sein Fehlverhalten entschuldigt.