Avicii: So schlimm war seine Drogensucht wirklich

Fabia SoellnerFabia Soellner | 19.11.2021, 14:50 Uhr
Avicii: So schlimm war seine Drogensucht wirklich
Avicii: So schlimm war seine Drogensucht wirklich

IMAGO / Everett Collection

Ein sehr tragisches Schicksal, dass den berühmten DJ Avicii im Jahr 2018 ereilt hat. Sein plötzlicher Tod hat seine Fans sehr erschüttert, und noch erschreckender ist seine Biografie. Der Journalist Mans Mosesson hat endlich enthüllt, wie fatal Aviciis Drogensucht wirklich war.

Man hätte es dem erfolgreichen Star-DJ niemals angemerkt – dabei hat er ständig einen erbitterten Kampf mit seinen Dämonen geführt. Keiner konnte ihm helfen, sodass er mit 28 Jahren am 20. April 2018 in Oman sein tragisches Ende fand.

Todesursache: Suizid – doch das „Warum?“ war lange nicht klar. In der neuen Biografie „Tim“, verfasst vom Journalisten Mans Mosseson, wird nun deutlich, wie prägnant der Drogenkonsum des Musikers war. Diese Abhängigkeit im Zusammenhang mit Depressionen war es wohl, die im letztendlich das Leben gekostet hat.

Avicii: So schlimm war seine Drogensucht wirklich

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Diese Drogen haben Aviciis Leben zerstört

Tatsächlich scheint alles sehr harmlos angefangen zu haben. Das erste Mal kam Avicii mit Drogen in Kontakt während seiner Zeit als Teenager. In einem Urlaub in Frankreich hatte er mit seinen Freunden einen Joint geraucht. „Dann trocknete plötzlich Tims Hals aus. Er fühlte, wie sein Herz zu rasen begann. In seinem Kopf ein Dröhnen, das anwuchs wie ein Düsenmotor, der zum Start auf Touren gebracht wird“, zitiert die „Bild“ aus der Biografie. Noch ist es dem Star-Musiker nicht bewusst, doch diese Erfahrung scheint der Anfang vom Ende zu sein.

Seit 2012 sei der Musiker Schmerzmittelabhängig gewesen, wie die Biografie verrät. Danach soll es nur noch bergab gegangen sein – die Drogen wurden immer härter und Avicii immer verzweifelter.

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Avicii hatte Angst, auf der Bühne zu stehen

Die Biografie offenbart noch etwas anderes überraschendes – den ganz wider Erwarten scheint der Musiker nicht gerne auf der Bühne gestanden zu haben, obwohl er die Menge doch so gut einheizen konnte. Ab dem Jahr 2015, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, betrachtete er Joints und sonstige „weiche“ Drogen als tagtägliches Mittel und war extrem tablettensüchtig:

„Jetzt betrachtete er Marihuana als etwas Weiches und Angenehmes. Verglichen mit den Tabletten, die er früher genommen hatte, kam ihm Cannabis wie eine Bagatelle vor.“

Außerdem kam eine Alkoholsucht dazu, die ihn auch zu seinen Auftritten begleitete: „Oben am Pult trank Tim weiter, Shots und Champagner. An manchen Abenden wurde er richtig beduselt, aber dass er mal einen Übergang vermasselte, war nicht so schlimm – die Touristen waren auf die Insel gekommen, um zu feiern.“

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Wie Avicii langsam unterging

Avicii, mit bürgerlichem Namen Tim Bergling, ließ sich immer weiter hinab in den Strudel des Drogenkonsums und der Alkoholsucht fallen. Tragisch, denn sein Körper reagierte zunehmend mit heftigen Reaktionen auf die Stoffe, sodass er von verschiedenen Ärzten betreut werden musste. Doch seine Karriere hatte für ihn höchste Priorität – er reiste durch die ganze Welt, sodass man schnell seinen körperlichen Zustand und auch seine Medikation aus den Augen verloren. Er kümmert sich mehr oder weniger um sich selbst und beschaffte sich die Medikamente, an die er herankommen konnte. Einen besonderen Narren hatte er wohl an Schmerzmitteln gefressen.

„Plötzlich fragte Tim: ,Sag mal, könntest du mir helfen, ein paar Sachen zu beschaffen?‘ Die Frage kam aus dem Nichts. ,Was für Sachen denn?‘ ,Xanax. Und Sub.‘“ An diese Konversation erinnert sich der Produzent Filip Akesson, der mit Avicii in einem Musikstudio in Stockholm zusammengearbeitet hatte. Er berichtet, dass er angesichts dieser Bitte sprachlos gewesen sei:

„Jetzt wollte er Subutex? Das war ja richtig heftiges Zeug, wie es die hartgesottenen Junkies konsumierten!“

Avicii: Sein letzter Versuch, clean zu werden

Trotz der vielen Anzeichen scheint keiner seiner Freundin und engen Bekannten begriffen zu haben, wie schlecht es um den Musiker stand. Erst ist in einem Mexiko-Urlaub bemerkten seine Freunde, wie krank Avicii wirklich war.

Laut „Bild“ beschreibt der Biograf die Situation wie folgend: „Als die Freunde Tims Sachen durchgingen, fanden sie überall Pillen: im Deckel einer Snusdose (Kautabakdosen, Anm. d. Red.), in seinen Hosentaschen und seinem Koffer, versteckt in seinem Necessaire. Es waren Pillen gegen Angst und Panik, eine Packung Opioide und ein Mittel zur Muskelentspannung. Außerdem fanden sie ein Medikament zur Behandlung von ADHS und noch ein Morphinpräparat. Anscheinend war Tim im Laufe der Nacht in einer Apotheke gewesen und hatte gekauft, was er finden konnte.“

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Seit 2016 war Avicii nicht mehr auf der Bühne zu sehen gewesen. Es scheint, als habe er mit letzter Kraft versucht, sein Leben doch noch wieder in rechte Bahnen zu lenken. Er hatte sich zu mehreren Entzügen bereit erklärt, doch die Drogen und der Alkohol holten ihn immer wieder ein. Seine Depression und Angstzustände wurden nicht besser, sodass er sich 2018 während eines Aufenthalts in Oman dazu entschloss, dem ein Ende zu setzen. Seine Beisetzung fand in seiner Geburtsstadt Stockholm statt, wo der Musiker endlich seine letzte Ruhe finden konnte.

„Tim. Die offizielle Avicii-Biografie“ ist seit dem 16. Oktober im Buchhandel erhältlich.

Sie leiden unter Depressionen und benötigen Unterstützung? Bei der Telefonseelsorge unter 0800-1110111 und 0800-1110222 erhalten Sie kostenlos Hilfe.