Amira Pocher nach Eklat: Faisal Kawusi ist kein Schwerverbrecher

Leni HübnerLeni Hübner | 27.06.2022, 11:40 Uhr
Amira Pocher im neongrünen Kleid mit strengem Scheitel
Amira Pocher riskiert selbst einen Shitstorm, wenn sie Faisal Kawusi verteidigt.

Foto: IMAGO/ Future Image

Mit einem Kommentar schoss sich Faisal Kawusi ins Abseits. Doch wie hoch darf die Strafe dafür sein? Amira Pocher findet, dass der Comedian zu Unrecht behandelt wird wie ein Schwerverbrecher.

Der Job eines Comedians ist es, lustig zu sein. Eine Garantie dafür, dass jeder Witz gelingt, gibt es nicht. Manchmal schlagen selbst Profis über die Stränge, vergreifen sich im Ton oder landen ganz tief im Mist. Faisal Kawusi hat mit einem Kommentar gleich alle drei Fehler auf einmal begangen. Auch Amira Pocher fand Faisals Aktion unnötig und unpassend. Dass er dafür nun seine Karriere an den Nagel hängen muss, findet sie dennoch übertrieben.

Karriere-Aus für Faisal Kawusi ist übertrieben

RTL hingegen hielt es letzte Woche für angemessen, sich nach Faisal Kawusis Sieg in der Show „Viva la Diva“ von dem Comedian zu distanzieren. „Was ich jetzt gecheckt habe: Faisal Kawusi darf nun also nirgendwo mehr auftreten oder vorkommen. Es wird immer einen Shitstorm geben, er darf nie wieder im TV präsent sein“, meint Amira Pocher dazu in ihrem Podcast. „Die Pochers“.

Oliver Pocher will Fat Comedy zum Schweigen bringen

Dabei sei der Comedian ja gar kein Schwerverbrecher, ja, nicht einmal ein Täter. Faisal Kawusi hat niemandem K.o.-Tropfen in den Drink gekippt, er hat nur einen schlechten Witz von Joyce Ilg über Luke Mockridge noch schlechter kommentiert. Zur Erinnerung: Joyce Ilg schrieb Ostern zu einem Foto von sich und Luke Mockridge: „Hat hier irgendwer von euch Eier gefunden? Ich habe nur ein paar K.O.-Tropfen bekommen.“ Geschmacklos, ohne Frage.




Entschuldigung reicht nicht

Faisal Kawusi hat das nicht erkannt. Erst warb er dafür, den Humor nicht zu verlieren: „Wer lacht ist der Erleuchtung am nächsten.“ Dafür erntete er die erste Hasswelle. Als die Musikerin Silvi Carlsson Ilgs Post kommentiert, dass sie den nicht lustig fände, weil sie fast mal an K.o.-Tropfen gestorben sei und schrieb Faisal: „Das nächste Mal werde ich die Dosis verstärken, versprochen.“ Witzig war das nicht, eher grob fahrlässig. Dafür hat er viel Kritik erhalten und seinen Fehler eingesehen.

Faisal Kawusi hat sich mehrfach entschuldigt, er hat den Kommentar gelöscht, er hat bei RTL (!) im Magazin Stern-TV Stellung dazu bezogen. Er hat sich selbst als „blödes Arschloch“ tituliert und sein Fehlverhalten reflektiert. Faisal Kawusi sagte selbst, dass das nichts mehr mit Comedy zu tun gehabt habe, sondern reinste Provokation gewesen sei. Er habe absichtlich verletzen wollen. Was kann er noch tun? Scheinbar will man ihm nicht verzeihen.

Amira Pocher findet, man sollte das Woke-Prinzip überdenken

„Faisal hat ein Spruch gemacht und sich entschuldigt, dann ist doch jetzt auch mal gut“, meint auch Oliver Pocher, der das mit Sicherheit selbst kennt, dass man mit einem Witz mal daneben liegt. Faisal Kawusi habe sich mit 120 Kilo auf High Heels gestellt und eine Monster-Show hinlegt, erklärt Pocher: „Dann muss man doch nicht als Sender sagen, wir wollen mit dem aber nie wieder zusammenarbeiten. Das finde ich so lächerlich, wirklich unangenehm.“

Noch mal zu Erinnerung: Faisal Kawusi hat niemanden vergewaltigt. Muss man ihn dann nicht anders behandeln, als jemanden, der eine Straftat begangen hat? „Habe ich verstanden das Prinzip, es überrascht mich jetzt auch nicht“, betont Amira Pocher, „es ist ja genau das, was häufiger jetzt passiert und ich finde, da muss man mal eine Richtung finden.“ Die sozial-medialen Hinrichtungen gehen oft über das faire Maß hinaus. Hier gibt es keine Richter, nur Henker. Aufhalten kann diese Entwicklung aber vielleicht niemand mehr.