Hasswelle gegen Gil Ofarim nach Antisemitismus-Vorwurf: Viele glauben ihm nicht mehr

Sophia VölkelSophia Völkel | 22.10.2021, 13:53 Uhr
Hasswelle gegen Gil Ofarim: Viele glauben ihm nicht
Hasswelle gegen Gil Ofarim: Viele glauben ihm nicht

Foto: imago / Future Image

Erzählt Gil Ofarim wirklich die Wahrheit? Das fragen sich immer mehr Menschen, die den Fall rund um den angeblichen Antisemitismus-Skandal in den vergangenen Wochen verfolgt haben. Aufgrund der veröffentlichten Videoaufnahmen des Westin Leipzig sind viele verunsichert, ob sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat, wie der Musiker behauptet.

Der angebliche Antisemitismus-Skandal rund um Sänger Gil Ofarim (39) zieht immer weitere Kreise. Videoaufnahmen des Hotels zeigten vergangene Woche, dass die Davidstern-Kette des Sängers darauf nicht deutlich zu sehen ist, außerdem ist der Hotel-Mitarbeiter aufgrund der internen Ermittlungen inzwischen offenbar wieder im Dienst. Ofarim befindet sich nun in einen immer turbulenter werdenden Strudel aus Anschuldigungen, Beschimpfungen und Vertrauensproblemen.

Anzeige wegen „falscher Verdächtigung“

Im zweiten Interview mit „Stern TV“ vor wenigen Tagen erklärte der Musiker noch einmal unter Tränen, dass sich alles so ereignet hätte, wie zuvor geschildert. Außerdem betonte er, alles jederzeit genauso wieder so zu tun. Der beschuldigte Hotel-Mitarbeiter soll nicht mehr freigestellt sein, habe sogar seine Arbeit wieder aufgenommen. Er hatte den Musiker wegen Verleumdung angezeigt, das will der nun aber offensichtlich nicht auf sich sitzen lassen. Im Gegenzug zeigte Ofarim den Mitarbeiter wegen „falscher Verdächtigung“ an.

Doch die Schlinge um den Hals von Gil Ofarim scheint sich zuzuziehen, zumindest was seine Glaubwürdigkeit bei Fans und Followern betrifft. Seit den Ermittlungen und dem Auftauchen der Überwachungsaufnahmen sehe sich Ofarim einer Hasswelle ausgesetzt. In mehreren Interviews erklärte er, dass er sowas schon fast befürchtet hatte, als er den Clip veröffentlichte.

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Gil Ofarim: Hasswelle in den sozialen Netzwerken

Auf Instagram solidarisieren sich zwar auch viele Menschen mit dem jüdischen Musiker, doch fast ebenso viele zweifeln an der Geschichte. In den Kommentaren unter seinem ersten Video über den angeblichen Vorfalls, heißt es zum Beispiel: „Kein Gast etc. bestätigt diesen Vorfall. Schlechter geschauspielert als dieses Video geht nicht“ oder „Was ist wahrscheinlicher? Dass ein Rezeptionist in einem Haus, das internationale Gäste aller Rassen, Nationalitäten und Religionen gewohnt ist, jemanden wegen eines Davidsterns diskriminiert? Oder dass ein ‚Promi‘ sich nicht besonders genug behandelt gefühlt hat weil er evtl. etwas länger in einer Schlange warten musste?“

Teilweise wird ihm sogar eine geplante PR-Aktion vorgeworfen. „Gute Promotion, 3.2 Mio Klicks. Glückwunsch. Und wie schnell auf einmal hunderte von Demonstranten vor Ort waren. Wahnsinn…. Man könnte fast meinen, das wäre geplant gewesen…“ Ein anderer schreibt: „Eine Schande, dass du mit dieser Aktion das jüdische Weltbild so in Verruf bringst.“

Hasswelle gegen Gil Ofarim: Viele glauben ihm nicht

Foto: Imago / Lumma Foto

Kampf gegen Antisemitismus beeinträchtigt?

Im aktuellen „Stern TV“-Interview war auch Philipp Peyman Engel zu Gast, Kulturchef der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“. Er kennt Gil Ofarim persönlich und erklärte: „Ich kann es mir nicht vorstellen, dass er da gelogen hat oder die Wahrheit frisiert hat, sollte es aber Schwierigkeiten bezüglich der Glaubwürdigkeit , wäre es für den Kampf gegen Antisemitismus sehr sehr unschön.“

Gil Ofarim und die Causa Davidstern: Darum geht es

Gil Ofarim war nach eigener Darstellung vor mehr als zwei Wochen im Hotel Westin Leipzig antisemitisch angefeindet worden. In einem Instagram-Video berichtete er, er habe an der Rezeption eine Kette mit Davidstern getragen. Ein unbekannter Gast habe ihn aufgefordert, „den Stern wegzustecken“ und danach habe ihm auch der Hotel-Mitarbeiter gesagt, er könne nur einchecken, wenn er die Kette wegstecke. „Deutschland 2021“, sagte Ofarim in dem Video, in dem er mit den Tränen zu kämpfen schien.

Was sich an dem besagten Abend im Westin Hotel Leipzig wirklich zugetragen hat, wird vielleicht niemals eindeutig geklärt werden können. Die Video-Aufnahmen zeigen nur Bildmaterial, Töne zeichnen die Kameras dort nicht auf. Die Ermittlungen dauern an, doch letztendlich ist es an den Menschen in Gils Umfeld, ob sie ihn verurteilen oder ihm Glauben schenken – dies wäre auch wichtig für den zukünftigen Kampf gegen antisemitische Angriffe. (SoV)