Franziska Knost und ihr Podcast: „Sick of it – Statements einer Sterbenden“

Beate SchulzBeate Schulz | 03.12.2021, 17:22 Uhr

Foto: © WDR/Felix Eisenmeier

Fanziska Knost hat in den letzten 20 Jahren drei verschiedene Krebserkrankungen überstanden. Die vierte wird sie nicht überleben. In ihrem berührenden und intensiven Podcast spricht sie mal laut und mal leise, mal traurig und durchaus auch humorvoll über Themen, die sie bewegen und ihr zutiefst am Herzen liegen.

Franziska Knost ist Kölnerin und 41 Jahre jung. Seit 20 Jahren lebt sie mit Krebs. Jetzt wird sie dran sterben. Gegen den aggressiven und tödlichen Bauchspeicheldrüsenkrebs hat Franziska keine Chance. Doch anstatt jetzt schnell noch eine Bucket-List abzuarbeiten, hat sie sich ganz klar für eine F**ck-it!-List entschieden.

In ihrem eigenen, neuen WDR-Podcast „Sick of it – Statements einer Sterbenden“ spricht sie über ihr Leben und Sterben mit der Krankheit. Und wer stark genug ist, sich ihren Themen zu stellen, sollte unbedingt reinhören.

Was tun mit der noch verbleibenden Zeit?

Das soll es jetzt wirklich gewesen sein? Aus? Ende und vorbei? Und was macht man dann mit der noch verbleibenden Zeit? Wieviel das auch immer sein mag. Man kann vermutlich nicht einmal ansatzweise erahnen, was in einem Menschen vorgeht, der eine derartige Diagnose bekommt: Dieses Mal wirst du sterben!

Bei all den Fragen, die mit dieser endgültigen Diagnose aufgeworfen werden, bei einer Sache zumindest war sich Franziska Knost (41) ganz sicher: etwas Sinnvolles! Und am besten etwas, bei dem sie sich bei all den Unsicherheiten, die sie umgeben, trotzdem sicher fühlen kann. Da sie professionelle Sprecherin ist, war klar: Ein Podcast ist das einzig geeignete Sprachrohr.

Mit ihrem Gesprächspartner Tamer Jandali spricht sie über vermeintlich erstrebenswerte Lebensziele, die aus ihrer „kranken Perspektive“ unglaublich viel Zündstoff für Diskussionen bieten. Ihr Motto: Who cares about a Bucket-List? Let’s do a F**k-it-List!

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 Die Idee zum Podcast „Sick of it – Statements einer Sterbenden“

Jetzt schnell noch all die Dinge abhaken, die man in seinem bisherigen Leben versäumt hatte, zu tun? Schnell noch den Fallschirmsprung, krasse Drogen ausprobieren oder die Reise zu den Galapagos-Inseln? Das eben genau nicht! Sich jetzt auch noch zusätzlich unter Druck zu setzten, erscheint Franziska Knost vollkommen unsinnig. Vielmehr geht es ihr darum, bestimmte Dinge NICHT mehr zu!

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Fanziska Knost: Das steht auf ihrer F**k-it-List!

In jeder Podcast-Episode stellt sie selbstkritische und brisante Fragen, die sie mit einer unglaublich entwaffneten Ehrlichkeit beantwortet. So geht es zum Beispiel um das Thema „dazugehören wollen“. Wie sehr kannst du dich verbiegen? Wollen wir nicht alle dazugehören? Um den Schein zu wahren, und als Reaktion auf oft unbewusste Diskriminierung. –  Sick of it!

Oder das Thema der einzig großen Liebe. Denn der Mann, mit dem sie heute sehr glücklich und seit 15 Jahren zusammen ist, offenbarte ihr eines Tages, dass er nicht mehr monogam leben möchte. Bähm! Ein Schlag ins Gesicht. Im allerersten Moment jedenfalls. Denn das Leben verläuft nicht nach einem Drehbuch. Aber zuerst hatte sie natürlich Gedanken wie: Muss ich mich jetzt trennen? Aber wer nimmt schon eine kranke Frau? – So sick of it!

Und darf man als kranke Frau überhaupt Kinder bekommen? Das ist ja schon als vermeintlich „gesunde“ Mutter mit unglaublich hohen Ansprüchen und Erwartungshaltungen verknüpft. Und Das Konzept der guten Mutter, was soll das denn überhaupt sein? – So sick of it!

Ist Beruf gleich Berufung? Und was ist meine Berufung? Dann wäre da auch noch die Karriere, die gemacht werden will. Und wann soll die denn bitte noch stattfinden bei all der Krankheit? Die Realität ist: Der Beruf als identitätsstiftender Teil des Lebens wird kranken und behinderten Menschen durch strukturelle Diskriminierung massiv erschwert.  – So sick of it!

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Ausgang gewiss

Es ist unglaublich, was Franziska Knost in diesem Podcast vermag. Bei all der Schwere und Ernsthaftigkeit, die diese endgültige Krebsdiagnose unweigerlich mit sich bringt, gelingt es ihr auf eine eindringliche, aber niemals fordernde Art und Weise, sich selbst als Hörer mit diesen „Lebensfragen“ auseinanderzusetzen und kritisch zu hinterfragen. Um im Idealfall die Weichen neu zu stellen, sollte man zu der Erkenntnis kommen: So sick of it!

Hier kann der Podcast bei den verschiedenen Anbietern gehört werden.

Trigger-Warnung (vom WDR): In diesem Podcast wird über Krankheit und Sterben gesprochen. Manchmal auch auf humorvolle Art und Weise. Host Franziska ist professionelle Sprecherin (u. a. für den WDR) und als solche gewohnt, vor dem Mikro zu reden. Aber diese Geschichte hat kein Skript – sie ist Realität. Wenn dich das persönlich zu sehr belastet, hör ihn dir lieber nicht an oder besser mit einer anderen Person zusammen.