Beatrice Egli: Diese eine Liebe wird hoffentlich nie vergehen

Leni HübnerLeni Hübner | 12.05.2022, 14:30 Uhr
Beatrice Egli im orangenen Anzug im ZDF-Fernsehgarten
Selbst Beatrice Egli ist nicht jeden Tag zum Strahlen zumute, doch sie ist ein Schlagerprofi.

Foto: IMAGO/ Eibner

Schlagerstar Beatrice Egli gilt als Sonnenschein in der Branche, doch auch sie kennt Sorgen. Gegen Hater und durch schlechte Zeiten hilft ihr eine ganz besondere Liebe.

So viel heile Welt, wie man denkt, gibt es in der Schlagerbranche gar nicht. Beatrice Egli musste das früh erfahren. Schon mit 18 Jahren, als sie mit ihrem Beitrag für die Schweiz beim Grand Prix der Volksmusik nur den letzten Platz belegte, wurde sie vollkommen unfair angegriffen. Am schlimmsten war, dass es nicht einmal um ihre Gesangskünste ging.

Bodyshaming und Selbsthilfegruppen

„Damals wurde ich extrem für meine Figur kritisiert“, erzählt Beatrice Egli im Podcast „Bauchfrauen“. Es ging sogar so weit, dass Menschen ihr die Schuld gegeben haben, dass sie nur deswegen verloren hätte, weil sie zu dick sei! Das muss man in dem unsicheren Teenie-Alter erst einmal verdauen.

Was läuft da nach dem Kuss bei Beatrice Egli und Andreas Gabalier?

Geholfen hat ihr eine Liebe, die ihr heute keiner mehr nehmen kann: ihre Selbstliebe. „Ich bin total happy, dass ich mit meiner Mama einen Menschen in meinem Leben habe, der das seit ich denken kann, mit uns zelebriert“, gesteht Beatrice Egli und meint, dass die Entwicklungen und die Arbeit an sich selbst für sie auf diese Weise selbstverständlich geworden seien.




„Du bist schön“

Auch wenn sie es bestimmt nicht immer gut fand, dass sie ihre Sonntage oft in Kursen verbracht hat, in denen es um Selbstliebe und mentale Gesundheit ging. „Wir hatten schon als Kind Aufkleber auf dem Spiegel: ‚Du bist schön!‘“, erinnert sie sich. Dadurch schafft sie bis heute, mit Hate und Häme umzugehen. „Ich kann die Außenwelt nicht ändern, ich kann nur mich ändern, dass mich das nicht mehr so trifft“, sagt Beatrice Egli.

Die Arbeit an sich war vermutlich nicht einmal für Beatrice Egli einfach. Denn es sind nicht immer nur Außenstehende, die sie beurteilen, auch sie selbst ist nicht beständig nett zu sich. Selbstkritik zu üben ist normal, man darf nur nicht anfangen, sich zu zerfleischen oder sich ständig mit anderen zu vergleichen. Man muss zu seiner Einzigartigkeit stehen, betont die Sängerin: „Das bin ich“ und dafür findet man Außen nichts Vergleichbares und das ist auch gut so.

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Nicht jeder Tag ist ein guter Tag

Der Schlagerstar hat gelernt, damit zu leben, dass andere sie ständig bewerten. Beatrice Egli trifft aber nun ihre Entscheidungen bewusst nur für sich, schließlich geht sie mit sich selbst raus und muss das ok finden. „Weil das Gefühl stimmt“, versucht Beatrice Egli zu erklären, was es heißt, mit sich selbst im Einklang zu sein. Das funktioniert nicht jeden Tag, manchmal findet sie sich nicht smart oder schön genug, um sich auf die Bühne zu stellen.

Als Profi reißt sie sich dann zusammen. „Auch wenn Musik früher meine Leidenschaft und mein Hobby war, ist es jetzt mein Beruf“, das bedeutet, es geht nicht immer darum, wie Beatrice Egli sich fühlt, sondern darum, Menschen die Tickets gekauft haben und sich vielleicht seit Monaten auf ihren Auftritt freuen, zu unterhalten. „Zum Glück bekommt man was vom Publikum zurück“, so kann Beatrice meist vergessen, dass es ihr nicht gut geht.

Der Prozess dauert für Beatrice Egli an

Obwohl die Schweizerin so früh angefangen hat, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, bleibt es ein fortwährender Prozess, betont sie. „Bei mir ist es schon längst über den Körper hinaus, nun geht es mehr um Charakterzüge, die man lernt, bei sich zu akzeptieren oder auch zu lieben“, meint Beatrice Egli ganz ehrlich und freut sich sehr, dass gerade eine Generation heranwächst, die diversere Vorbilder und Body-Positivity gezeigt bekommt.

„Ich habe heute etwas ganz Besonderes gemacht“, verrät die Sängerin ihren Fans dann noch auf Instagram. Beatrice Egli hat sich gestern einen Brief geschrieben, den sie in einem Jahr wieder lesen wird. Das soll ihr helfen, sich bewusst zu machen, was sie sich wünscht und was sie beschäftigt. Im nächsten Jahr wird sie die Entwicklung erkennen können – das ist nämlich gar nicht einfach, wenn man keinen Abstand hat.

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Geheime Wünsche des Schlagerstars

Beatrice Egli wird sich weiterentwickeln. Sie ist offen und doch ganz bei sich. Sie lässt sich von außen nicht in Rollen drängen und geht ihren Weg. Nicht einmal bei DSD hat sie sich 2013 davon abbringen lassen, Schlager statt Pop zu machen. Und sie lag richtig. „Ich habe eine Familie, die mir das vorlebt: Jeder von uns macht sein Ding“, sagt sie: „Ich will das machen, was ich liebe.“

Deshalb bleibt sie sich auch in Zukunft treu, auch wenn sie neue Seiten an sich entdeckt, über düstere Themen wie häusliche Gewalt singt oder ihre eigene TV-Show moderiert. „Meine Wünsche verrate ich eigentlich nie“, gesteht Beatrice Egli, „ich möchte Dinge lieber erzählen, wenn sie wahr geworden sind.“ Ihre Ziele schreibt sie auf, um sie sich bewusst zu machen und zu fühlen: „Was du fühlst, ziehst du in dein Leben“, sagt sie und rät: „Setze dir deine Ziele so hoch, wie es geht, und sie sind immer noch zu tief.“