Nicole Kidman: Im echten Leben gibt es keinen Starbonus

Leni HübnerLeni Hübner | 27.12.2021, 21:41 Uhr
Nicole Kidman: Im echten Leben gibt es keinen Starbonus
Nicole Kidman: Im echten Leben gibt es keinen Starbonus

Foto: IMAGO/ NurPhoto

Die sanfte Schönheit aus Australien hat klare Vorstellungen darüber, was sie kann und was sie will. Doch alltägliche Sorgen rauben ihr gelegentlich den Schlaf.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber Nicole Kidman schläft schlecht. Oft wacht sie in den frühesten Morgenstunden auf, um im Bett Gedanken zu wälzen. Ihr Mann Keith Urban (54) und ihre beiden Töchter Sunday Rose (13) und Faith (10) bekommen davon nicht viel mit. Überhaupt denkt man ja immer, ein Hollywoodstar wie Kidman müsse sorglos sein, doch es gibt Entscheidungen, die ihr schwerfallen.

Zu unsicher für eine Weltkarriere

Wenn Nicole Kidman nicht bereits eine lange Karriere hinter sich hätte, könnte man glauben, die 54-Jährige würde es nicht schaffen, ein Star zu werden. Obwohl sie mit 14 Jahren angefangen hat zu spielen, ist sie wahnsinnig unsicher. Es sind Freunde, die sie pushen wie Reese Whiterspoon, die sie für die Serie „Big Little Lies“ begeistern konnte, oder Regisseurin Jane Campion, die sie schon ewig kennt und mit der sie „Portrait of a Lady“ und „Top of the Lake“ gedreht hat.

„Solche Beziehungen sind wichtig“, erklärt Nicole Kidman im Interview mit The Guardian und führt aus, dass es ihr hilft, „…wenn Leute vorbeikommen und sagen: ‚Ich kenne dich und ich glaube an dich‘ und dich damit vorantreiben.“ Nach außen hin wirkt Kidman oft so stark, immerhin hat sie sogar eine eigene Produktionsfirma gegründet, um die alten Mechanismen der Filmindustrie außer Kraft zu setzen und mit über 40 noch tolle Filme zu drehen.

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Aufgeben wollte sie nicht

Ihre Entscheidungen entstehen dabei aber wohl „nicht immer aus einem Gefühl des Selbstvertrauens heraus, als ob ich wüsste, was ich tue“, erzählt Nicole Kidman und gesteht: „Oft verlasse ich mich stark darauf, dass die Leute um mich herum sagen: ‚Du hast mehr in dir.‘“ Dazu zählt auch ihre Mutter Janelle, die ein inniges Verhältnis zu ihrer Tochter hat.

Als Nicole bereit war, sich nach der Geburt ihrer Kinder auf einer Farm zur Ruhe zu setzen und die Karriere an den Nagel zu hängen, war es ihre Mutter, die sie zurück in die Erfolgsspur trieb. „Ich finde, du sollst nicht einfach aufgeben“, hat ihre Janelle Kidman damals gesagt: „Ich war ziemlich überzeugt, dass ich zufrieden damit sein könnte, Gemüse anzubauen und zu Hause zu bleiben, aber meine Mutter hat mich angetrieben.“

Mit Filmen Gefühle hervorrufen

Geschadet hat es nicht. Nicole Kidman liebt es ja, mit ihrer eindringlichen Darstellung Menschen so zu berühren, dass sie ihre inneren Mauern einreißen. Sie erinnert sich daran, wie sie mit ihrer Schwester Antonia (51) „Lion“ angesehen hat, darin spielt Nicole eine Mutter, die ihren indischen Adoptivsohn unterstützt, seine leibliche Familie zu finden. Ihre Schwester nahm der Film sehr mit und Nicole Kidman hielt ihre Hand, bis sie sich besser fühlte.

„Es hat so etwas unfassbar Schönes, gehalten zu werden und sich sicher zu fühlen“, betont Nicole Kidman und kämpft gegen Tränen an. „Das wurde uns genommen, Menschen in den Krankenhäusern können nicht gehalten werden in ihren allerletzten Augenblicken. Ich kann das nicht ertragen.“ Sie weint.

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Halt und Tränen

Kidman weint viel, sie ist ein melancholischer Mensch, der seine Familie als Halt um sich braucht. Über die Feiertage ist sie mit Keith Urban und ihren Töchtern nach Australien gereist, um bei ihrer Mutter zu sein. Ihr Vater verstarb 2014. Neulich hat ihr Telefon Fotos von ihm in den Feed gelegt, um die Erinnerungen wachzuhalten, auch das brachte sie zum Weinen.

Trotz ihrer verletzlichen und unsicheren Seite ist Kidman eine starke Persönlichkeit, die sich für Frauen in der Branche einsetzt. Alle 18 Monate spielt sie in einem Film oder in einer Show unter weiblicher Regie. So bringt sie andere Frauen nach vorn, schenkt ihnen eine Stimme und übernimmt Verantwortung dafür, die männlichen Strukturen zu durchbrechen.

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Tom Cruise ist Vergangenheit

Was sie gar nicht leiden kann, ist ewig auf ihre Trennung von Tom Cruise angesprochen zu werden. Zu glauben, dass sich ihre Gedanken noch um ihn drehen, ist aber auch absurd. Die Liebe liegt 21 Jahre zurück. Doch sie wird noch immer darauf angesprochen, zuletzt als sie über ihren aktuellen Film „Being the Ricardos“ spricht und die Liebe von zwei Menschen beschreibt, die eine großartige Zeit miteinander hatten, aber vielleicht gar nicht zueinander passten, aber trotzdem etwas für die Ewigkeit hinterlassen haben

Sichtlich verärgert betont sie, dass sie damit nicht auf Cruise anspiele und die Ehe mit dem Actionstar sehr weit weg sei. „Und ich bitte darum, nicht so in eine Schublade gesteckt zu werden. Es fühlt sich für mich fast sexistisch an“, weil derlei einem Mann selten passiert. So trauert Jennifer Aniston angeblich noch immer Brad Pitt nach und Natalie Volk sehnt sich nach ihrem reichen Industriellen-Erben. So ist es nicht.

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Das echte Leben eines Stars

Nicole Kidman führt ein echtes Leben, keins, dass für sie als Star in Watte gepackt würde. Ihre Basis sind tiefe Beziehungen. „Ich hätte sie gerne rosafarbener und flauschiger, aber sie sind verblüffend real, ebenso wie die Sterblichkeit und alle Dinge, mit denen wir uns als Menschen beschäftigen.“ Da gibt es keinen Star-Bonus.

Nicole Kidman findet das normal und sie lebt in keiner Blase des Ruhms. „Mein Leben ist mein Leben – damit bin ich letztendlich allein gelassen, oder?“ Gerade morgens um 3 Uhr, denn dann gibt es keinen Presserummel oder Fans, die sie bewundern. Da sind nur ihre eigenen persönlichen Gedanken, die um Entscheidungen kreisen.

„Being the Ricardos“ von Aaron Sorkin läuft auf Amazon Prime.